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Unterwegs mit wilden Kerlen Eine Frau erobert die Arktis von Lutz, Birgit (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 16.01.2012
  • Verlag: btb
eBook (ePUB)
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Unterwegs mit wilden Kerlen

Eine Frau geht an ihre Grenzen Birgit Lutz nimmt uns mit in das Abenteuer ihres Lebens: mitten hinein in das ewige Eis. Sie erzählt vom Leben in engen Zelten, von russischen Eispiloten, brummigen Russen mit Herz und anderen wilden Kerlen, die ihr auf ihren außergewöhnlichen Reisen begegnet sind. Sie erzählt von ihrer Faszination und ihrem Eintauchen in den wundervollen Lebensraum Arktis. Und der Herausforderung vor der eigentlichen Expedition: Wie finde ich geeignete Trainingspartner, die nicht gleich schlapp machen, nach einem Vormittag Autoreifen ziehen den Berg hinauf. Was mache ich, wenn mir mitten in der Nacht im Trainingslager auf dem Gletscher ein Sturm das Zelt zerreißt, und was sage ich meiner Familie, wenn ich mich wieder einmal für Wochen verabschiede auf eine Reise ins weiße Nichts, die mitunter lebensgefährlich sein kann ... Birgit Lutz, Jahrgang 1974, ist zweimal auf Skiern von der russischen Eisstation Barneo zum Nordpol marschiert und hat Grönland durchquert. Seit einer ersten Reise zum Nordpol im August 2007 ist sie mit dem arktischen Virus infiziert. In der Folge spezialisierte sich die Journalistin auf den hohen Norden. Sie arbeitet als Guide und Expeditionsleiterin an Bord von Expeditionsschiffen, hält dort Vorträge über das empfindliche Ökosystem und ist auch an Land eine gefragte Vortragsrednerin. Ihre u.a. in der Süddeutschen Zeitung erschienenen Reportagen wurden mehrfach ausgezeichnet. Für ihr neues Buch verbrachte sie insgesamt drei Monate in Ostgrönland. Birgit Lutz lebt am Schliersee.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 272
    Erscheinungsdatum: 16.01.2012
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641072452
    Verlag: btb
    Größe: 18946 kBytes
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Unterwegs mit wilden Kerlen

Wie ich Poliarnitsa wurde

Es muss schnell gehen, sagt Victor. Erinnere dich! Wir machen es so wie im Winter, wenn wir Teams aufs Eis setzen, du darfst die Leute nicht weglaufen lassen.

Wir stehen in einem Helikopter. Passagiere um uns, dicht gedrängt. Dies ist ein Rettungsflug. Ohne Victor wären wir auf einer arktischen Insel eingeschlossen. Weil die Brandung zu hoch ist für unsere Schlauchboote, die uns zu unserem Schiff bringen sollten. Victor, gerade auf einem anderen Schiff unterwegs, hilft mit dem Hubschrauber aus. Der nicht mehr viel Treibstoff hat. Sie werden uns an einem Küstenstreifen rauswerfen, an dem die Wellen niedriger sind. Unsere Schlauchboote werden hinterherfahren und uns von dort abholen. Der Helikopter berührt den Boden. Los, sagt Victor. Ich springe hinaus. Wir helfen den Passagieren die Stufen hinunter. Sie müssen sich niederkauern, direkt am Helikopter, Rücken zum Hubschrauber. Hier ist der Abwind am geringsten. Alle draußen. Ein kurzer Blick. Victor hebt die Hand, Daumen nach oben. Mit den Lippen formt er: Molodez! Was hier so viel heißt wie: Gut gemacht! Der Heli steigt auf, weg sind sie. Der Herzschlag kann wieder langsamer werden. Das ist der arktische Sommer.

Der Bär ging durch das Tor. Im Wortsinn. Wenn Bären etwas wollen, finden sie einen Weg. Bob Windsor steht vor den Trümmern. Wie in einem Comic hat ein Eisbär einfach den direktesten Weg genommen. Hinein in die Recyclingstation des Krankenhauses, durch das Metallrolltor hindurch. Bob ist der Chef der Eisbärenpolizei von Churchill, an der kanadischen Hudson Bay. Er kratzt sich am Kopf. Ich glaube, ich weiß, welcher Bär das war, sagt er. Der ist schon eine Weile hier unterwegs. Es wird Zeit, dass wir ihn fangen. Bob nimmt mich mit hinaus zum Eisbärgefängnis. Hinein darf ich nicht, die Bären darin sollen keine Menschen sehen, sollen sich nicht an sie gewöhnen. Es ist nicht ihre Schuld, dass sie in dem Gefängnis sind. Die Bären waren vorher hier, an der Hudson Bay. Die Menschen haben den Fehler gemacht, eine Siedlung mitten in den Wanderweg der Bären zu bauen. Nun ist es Bobs Job, Bären und Menschen voreinander zu schützen. Deswegen stellen er und seine Wachen Eisbärfallen auf. Patrouillieren rund um den Ort. Und fast alle Einwohner tragen Waffen. Durch die Blechwand des Gefängnisses dringt ein Scharren nach draußen. Ein leises Schnauben. Seit es die Bärenpolizei gibt, müssen nur noch sehr selten Bären erschossen werden. Der letzte für einen Menschen tödliche Eisbärangriff in Churchill war 1983. Darauf sind die Männer stolz. Bob hängt einen Riesenlappen Fleisch in eine Metallröhre, eine Lebendfalle. Das ist der arktische Herbst.

Es ist dunkel. Die Schwärze frisst an der funzeligen Lampe, 50 Meter entfernt. Keine Sterne, kein Mond. November in Spitzbergen. Dort drüben: das Toilettenhäuschen. Hinter mir: eine Hütte, aus der ein Duft nach Grillfleisch dringt. Zehn Kilometer außerhalb von Longyearbyen. Wenn ich ein Eisbär wäre ... Also renne ich. Durch den tiefen Schnee. Am Toilettenhäuschen angekommen, klopft das Herz wie verrückt. Auf dem Rückweg das gleiche Spiel. An der Hütte drehe ich mich um. Langsam, ganz langsam kriecht ein schwaches grünes Licht über den Himmel. Polarlicht. Schnell geht der Atem, kleine Dampfwölkchen steigen auf, der grünliche Schimmer wandert über den Himmel, im Dunkeln, ganz allein, für mich. Das ist der arktische Winter.

Das Eis singt. Wenn die Ski darübergleiten, spricht es. Es sagt, ob es dick oder dünn ist, alt oder jung. Man muss nichts sehen. Der Klang erklärt den Untergrund. Das Singen des Eises, an Tagen mit wenig Wind ist das die Melodie des Polarfahrens. Der Himmel, so he

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