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Gebrauchsanweisung für Neuseeland von Remus, Joscha (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 27.09.2012
  • Verlag: Piper
eBook (ePUB)
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Gebrauchsanweisung für Neuseeland

Wo man Weltmeister im Schafeschnellscheren kürt und beim Wild Food Festival die absurdesten Gerichte verspeist. Wo Bungeejumping und "Zorbing" erfunden wurden und ständig neue, nervenkitzelnde Sportarten dazukommen. Wo die Südhalbinsel so viel Regen verzeichnet, dass sie als das "Irland der Südsee" gilt. Wo demnächst Kinder in der Schule mit Erdbebensimulatoren üben sollen. Wo Peter Jackson Mittelerde fand und kleine Hobbits sich zu Hause fühlen. Der Autor erzählt vom Tanz der Maori, der Weltkarriere einer stachligen Frucht und einer Literaturszene, deren Stars fast ausschließlich Frauen sind. Davon, wie ein kleiner, buckliger, fl ugunfähiger Vogel zum Wappentier und zum Nationalsymbol wurde. Und von Hundertwassers stillem Örtchen am Ende der Welt.

Joscha Remus, 1958 in Speicher, Südeifel geboren, Autor und Journalist, hat mehrere Reiseführer veröffentlicht. Bei Picus erschien "Lesereise Neuseeland - Der Kuss der langen weißen Wolke". Sein Hörbuch "Wegwärts - Istanbul" wurde mit dem Deutschen Hörbuchpreis ausgezeichnet. Wenn nicht anderweitig auf Reisen, lebt Joscha Remus in Berlin. Die europäischen Winter verbringt der Autor meist in Australien oder Neuseeland.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 224
    Erscheinungsdatum: 27.09.2012
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783492958233
    Verlag: Piper
    Größe: 4031kBytes
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Gebrauchsanweisung für Neuseeland

Godzone oder von der Schwierigkeit des Schwärmens New Zealand at its best: Ich liege in einem von Thermalquellen erwärmten Wasserbecken, hoch oben nahe der Welcome-Flat-Hut auf der neuseeländischen Südinsel. Von meiner Holzhütte sind es bis zu den Hot Pools nur ein paar Schritte durch den Dschungel, über einen schmalen Pfad, eine Art naturgegebener Fußbodenheizung. Vor mir eine in irisierendes Licht gehüllte, schneebedeckte alpine Bergkulisse mit Dreitausenderkette. Im Südlicht glänzen die Pflanzen um das Thermalbecken in beinahe unnatürlich satten Farben. An meinen Beinen und meinem Rücken perlen kleine Kohlesäurebläschen hoch, die mir, als läge ich in einem Champagnerbad, eine zärtliche Rückenmassage verpassen. Ich entspanne mich im warmen Wasser, umgeben von Riesenfarnen und wilden Orchideen, und schlürfe eisgekühlten Feijoa-Saft. Zwei kleine, freundlich turtelnde Robinssitzen auf einem Ast und wärmen ihr Gefieder im aufsteigenden Wasserdampf der Thermalquelle. Einige neugierige Kea-Vögel kommen an den Pool. Einer von ihnen hat eine zum Trocknen ausgelegte Wandersocke von der Veranda der nahen Hütte gestohlen, um sie zum Nestbau zu verwenden. Das Himmelsgewölbe über mir glänzt endlos lightskyblue. Ein lichtes Blau, das mich seit Tagen in Euphorie versetzt. God's own Country, nennen die Neuseeländer ihr Land, oder auch schlicht und verkürzt Godzone. Viele Kiwis sagen, Neuseeland sei nichts anderes als die Steigerung alles Wilden: wild, wilder, wilderness. Dabei sind von den ehemals flächendeckenden Wäldern nur noch ganze 25 Prozent erhalten geblieben, weshalb sich nun die Frage auftut, ob ich von Neuseeland einfach so schwärmen darf, so hemmungslos, wie ich das hier eben getan habe? Von einem meiner anderen Lieblingsorte, von Istanbul nämlich, kann und darf ich ganz ohne Probleme schwärmen. Im Schreiben, im Erzählen, in Bildern, niemand stört sich daran. Auch anderen Autoren fällt es leicht, wahre Lobeshymnen auf Istanbul zu singen, selbst wenn ab und an eine Dunstglocke aus Abgasen über der Stadt hängt - die verzieht sich ja wieder, und dann verschmelzen am nächsten Tag beim Blick von der Galatabrücke die Bäume und Minarette, die Moscheen und Hügel miteinander und erscheinen im Kontrast zur untergehenden Sonne als rot illuminierter orientalischer Scherenschnitt. Die in Flammen gesetzte Begrenzung einer unglaublichen Stadt. Ich sitze mit dem Schriftsteller Feridun Zaimoglu zwischen seinen Gartenzwergen in seiner Kieler Wohnung. Wir fluchen und schimpfen wie die Weltmeister über die politische Verlogenheit und Feigheit überall, aber irgendwann ist es uns eine doppelte Freude, über Istanbul zu schwärmen. Einfach hemmungslos zu schwärmen. Zwei Romantiker, denen es völlig egal ist, wenn vor lauter Schwärmen gewissermaßen das Rosenöl aus ihren Worten auf den Teppich tropft. Rechtfertigen können wir die Hymnen auf Istanbul immer mit unserem leichten Hang zur orientalischen Lebensart und deren Tendenz zur charmanten Übertreibung. Schwärmt man aber von Neuseeland, macht sich, insbesondere bei Menschen, die dieses Land gut kennen, schnell eine eigenartige Unruhe breit. Nicht nur, dass einem die Bilder allzu schnell ins Kitschige und Klischeehafte abzugleiten drohen. Vieles scheint übertrieben und unglaubwürdig. Selbst eingefleischte Neuseeländer rümpfen die Nase, wenn sie ein Hochglanzbild der Fjordlandschaft des Milford Sound sehen, mit dem unwirklich pyramidenartig aus dem kristallklaren Wasser wachsenden Zauberberg namens Mitre Peak. Von einem Weltwunder, wie es das staatliche Touristikamt tut, wagt kaum ein junger Neuseeländer zu sprechen, da man weiß, dieser Anblick ist, aufgrund von stetem Dunst über dem Fjord, an höchstens fünfzig Tagen im Jahr zu haben. Deutsche Neuseelandautoren kleben bereits Warnhinweise vorn aufs Cover ihrer Bücher: "Fast ohne öde Landschaftsbeschreibungen", heißt es da. Andere warnen eindringlich vor dem leichtfertigen Gebrauch des Wortes P

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