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Gebrauchsanweisung für Brasilien von Burghardt, Peter (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 13.08.2013
  • Verlag: Piper
eBook (ePUB)
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Gebrauchsanweisung für Brasilien

Nackte Haut und heiße Rhythmen - seit über dreißig Jahren bereist der Autor das Ursprungsland des Karnevals. Er schließt den umschwärmten Aufsteiger Südamerikas ins Herz und berichtet vom Ausnahmezustand in der fünften Jahreszeit. Erklärt, warum Schönheitschirurgen hier Hochkonjunktur haben, brasilianisches Bier sogar Bayern verzückt und wie Flipflops zum wirtschaftlichen Aufstieg verhalfen. Er besucht Favelas und teure Einkaufszentren in den Großstädten sowie Zuckerrohrplantagen und verborgene Völker am Amazonas. Taucht ein in eine Welt, in der Pelé und Ronaldinho die wahren Helden sind, Oscar Niemeyer als Herr der Kurven gilt und Paulo Coelho Weltliteratur schrieb. Brasilien ist ein Mythos - und Lebensfreude pur! Peter Burghardt, 1966 in München geboren, studierte Politikwissenschaft. 1994 wurde er Sportredakteur der Süddeutschen Zeitung, und 1997 wohnte er im Rahmen eines Stipendiums mehrere Monate in Mexiko-Stadt. Der Autor war zudem als Kriegsreporter in Mazedonien und Kosovo im Einsatz und arbeitete mehrere Jahre lang als Korrespondent in Madrid. 2006 zog er nach Buenos Aires, wo er für die Süddeutsche Zeitung über Lateinamerika berichtete, bis er 2015 in das innenpolitische Resort wechselte. Von ihm liegen die "Gebrauchsanweisung für Brasilien" sowie die "Gebrauchsanweisung für Mexiko" vor. Derzeit lebt er mit seiner Familie in Hamburg.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 240
    Erscheinungsdatum: 13.08.2013
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783492964258
    Verlag: Piper
    Größe: 4805 kBytes
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Gebrauchsanweisung für Brasilien

Tudo bem?

Die Portugiesen haben Brasilien vor gut 500 Jahren entdeckt, obwohl Pedro Álvares Cabral eigentlich nach Indien segeln wollte. Meine Premiere ereignete sich etwas später, aber absichtlich. An einem kalten und dunklen Morgen im Januar 1986 stiegen wir in ein Flugzeug und flogen aus dem Münchner Winter in den Hochsommer Südamerikas. BRIC-Staaten kannte man damals noch nicht und auch nicht den Gastgeber der Fußball-WM 2014 und von Olympia 2016, doch Brasilien war längst ein Ziel der Sehnsucht.

Im Rucksack hatten wir überflüssige Malariapillen und im Kopf die Bilder und Legenden aus Rio de Janeiro, Manaus, Salvador da Bahia, Iguaçu, von Stränden, Fußball, Samba, Festen, Wasserfällen, Riesenschlangen, Flüssen und Mädchen von Ipanema. Nach zehn Stunden ging die Maschine zwischen Palmen und Atlantik in Recife im brasilianischen Nordosten nieder. Es war grell, bunt, laut und heiß. Ein uns vorausgeeilter Freund trug einen schicken Strohhut zum krebsroten Gesicht und beherrschte schon die lässige Zauberformel tudo bem , alles klar. Der Geruch von Alkohol stieg uns sofort in die Nase, viele Autos fuhren bereits wie beschwipst mit Ethanol. Willkommen in Brasilien. Bem-vindos ao Brasil . Bra-si-u .

Der arme Bundesstaat Pernambuco war kein schlechter Start für uns Debütanten, die Gegend gehörte einst zu den Zentren von Zuckerrohrplantagen und Sklaverei. Hier vermischen sich indianisches, afrikanisches, portugiesisches und sogar holländisches Erbe mit dem Tourismus der Neuzeit. Recife bedeutet Riff und wird wegen seiner Flüsse und Brücken in leichter Übertreibung auch brasilianisches Venedig genannt. Die modrige Altstadt hatte morbiden Charme und das Strandrevier Boa Viagem (Gute Reise) einen Hauch von Miami Beach. Wir sicherten uns umgehend einen Sonnenbrand und schwammen im Meer – von Haien war noch keine Rede, von denen sollte ich erst 25 Jahre danach erfahren. Wir schlürften Caipirinha, in Deutschland seinerzeit noch exotisch, und die klare Milch aus Kokosnüssen, denen Künstler mit Macheten Löcher für die Strohhalme in die Schale hieben. Wir erklommen schwitzend das benachbarte Kolonialjuwel Olinda, aßen gegrillten Käse, der beim Kauen quietschte, und entdeckten zum ersten Mal das Kreuz des Südens am Himmel. Wir tranken eisiges Bier, sahen spannende Gesichter und hörten gute Musik. Wir waren begeistert.

Obendrein steckte uns dieser Tick an. Daumen hoch, dazu zwei Wörter: tudo bem , gesprochen "tudu beng", alles klar, oder tudo joya , alles Schmuck, oder tudo beleza , alles Schönheit. Der brasilianische Optimismus erschien unerschütterlich zu sein, dabei war der Aufschwung in jenen Jahren noch eine Vision. Erst 1985 hatte die Militärdiktatur abgedankt, und es regierte der korruptionsbewährte Ersatzmann José Sarney, der gewählte Präsident Tancredo Neves war vor seinem Amtsantritt gestorben. Brasilien galt als Belindia, eine Mischung aus Elite und Entwicklungà la Belgien und Armut und Rückstand à la Indien. Als verschlafener Riese, mit dem man gut feiern konnte, aber besser keine Geschäfte machte. Lebensfroh, verschuldet, inflationär, gefährlich. "Land der Zukunft" nannte der österreichische Schriftsteller Stefan Zweig seine Hommage an sein tropisches Exil, ehe er sich 1942 in Petró;polis bei Rio das Leben nahm. "Ja, Land der Zukunft", spotteten die Brasilianer, "wir werden es immer bleiben."

Beim ersten Mittagsschlaf im Sand wurden unserem Freund Andi die Schuhe geklaut, er erstand zügig Ersatz. "O Brasil não é para principiantes" , "Brasilien ist nichts für Anfänger",

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