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Stundenholz, Minarett und Mangobaum Eine Entdeckungsfahrt ins Morgenland von 1960 von Otto, Herbert (eBook)

  • Verlag: EDITION digital
eBook (PDF)
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Stundenholz, Minarett und Mangobaum

Zwei DDR-Schriftsteller und ein Fotograf reisen 1958 und 1960 von Berlin mit einem mit Gepäck vollgestopften, klapprigen Auto über Griechenland in den Norden Afrikas und zurück über Sizilien, insgesamt 50 000 Kilometer. Sie besuchen einige Sehenswürdigkeiten, aber ihr großes Interesse gilt den Menschen dieser Länder. Sie schließen Freundschaften, erfahren große Hilfsbereitschaft, wenn das Auto mal wieder repariert werden muss, und begegnen vielen neugierigen, wissbegierigen Menschen. Ihr Budget ist klein, doch mit ihrer einfachen Campingausrüstung findet sich oft ein kostenloser Schlafplatz. Nach über 60 Jahren liest sich das Buch wie ein Eintauchen in eine relativ friedliche Welt.

Herbert Otto: 15. März 1925 in Breslau geboren. Bis 1943 Lehre als Bankkaufmann, Soldat von 1943 bis 1944, sowjetische Kriegsgefangenschaft. 1948 - 1949 Studium der Ästhetik und Philosophie in Moskau, danach Dramaturg und Verlagslektor, seit 1956 freischaffender Autor. Wahl ins P.E.N.-Zentrum 1987. Theodor-Fontane-Preis 1956 und 1961, Heinrich-Mann-Preis der Akademie der Künste 1971, Vaterländischer Verdienstorden 1977, Nationalpreis der DDR 1978, Kunstpreis der Gewerkschaften 1975 und 1985. Am 24. August 2003 in Ahrenshoop verstorben.

Produktinformationen

    Format: PDF
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 330
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783956553202
    Verlag: EDITION digital
    Größe: 1591 kBytes
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Stundenholz, Minarett und Mangobaum

... und züchtiget sie Diesen Vorgang haben wir in den Dörfern ungezählte Male beobachtet: Eine Horde Jungen tummelt sich beim Spiel, lustig und laut. Kleine Mädchen schauen aus respektvoller Entfernung dem Treiben zu. Sie wissen bereits, dass sie nicht mitspielen dürfen, und hier zu stehen, ist schon Ungehorsam. Die Jüngsten aber, die das mit ihrer kleinen Erfahrung noch nicht glauben können, wagen sich doch an die Jungen heran, zögernd, wieder ein Schrittchen. Das geht eine Zeitlang gut. Dann werden sie plötzlich davongejagt, laut und grimmig, wie man Hühner aus dem Erdbeergarten verjagt. Das ist der Anfang. In der Schule - falls sie den Unterricht überhaupt besuchen - sitzen die Mädchen streng von den Jungen getrennt. Schon bald müssen sie auf dem Felde mitarbeiten oder Pflichten im Haus übernehmen: bei der Pflege der kleineren Geschwister, beim Brotbacken. Sie tragen auf ihren Köpfen Wasser heran, decken den Tisch für die Männer und essen danach in der Küche, was übrig geblieben ist. Niemals haben wir ein verliebtes Pärchen gesehen, in der Abenddämmerung etwa und am Rande des Dorfes, Arm in Arm. Es gälte als böse Provokation. Es ist völlig undenkbar. Die Liebe, wo sie sich einstellt, gehört ins Haus. Dann und wann darf der Bräutigam die Angebetete besuchen, unter Kontrolle der Familie natürlich. Auch nicht minutenlang ließe man die beiden allein. Meist aber gedeiht die 'Liebe' auf dem tauben Boden der ökonomischen Berechnung. Schließlich wird das Mädchen verkauft, und die Eltern haben stets eine klare Vorstellung davon, wie viel dieses Geschäft einbringen muss. Der Vater des Bräutigams hat den Kaufpreis für die Braut zu entrichten, je nach Vermögen und nach Güte des Gegenstands: zwei Schafe oder fünf oder auch drei Kilo Gold. Manchmal noch mehr. Nun wird die Frau dem Manne untertan. Geselligkeit ist ihr nur selten gestattet und auch nur unter ihresgleichen. Sie darf nicht ins Café und nicht mit den Gästen des Hausherrn sitzen und plaudern. Sie muss eine zweite Frau neben sich im Hause dulden oder eine dritte und vierte, wenn dem Manne das gefällt und seine Mittel dafür ausreichen. In der Moschee des Dorfes zu beten ist ihr verboten. Das muss sie in der Küche tun oder in einem anderen Winkel des Hauses. Ihre Rechte sind bescheiden. Wenn der Mann sie verstößt, darf sie mitnehmen, was sie auf dem Körper trägt: ihre Kleider, ihren Schmuck. In der vierten Sure des Korans steht: 'Männer sollen vor Frauen bevorzugt werden, weil auch Gott die einen vor den anderen mit Vorzügen begabt und auch weil jene diese unterhalten. Rechtschaffene Frauen sollen daher gehorsam und verschwiegen sein, auf dass auch Gott sie beschütze. Denjenigen Frauen aber, von denen ihr fürchtet, dass sie durch ihr Betragen euch erzürnen, gebet Verweise, enthaltet euch ihrer, sperret sie in ihre Gemächer und züchtiget sie. Gehorchen sie euch aber, dann suchet keine Gelegenheit, gegen sie zu zürnen; denn Gott ist hoch und erhaben.' Diese Weisungen gelten noch. Sie scheinen unsichtbar in die Gemäuer zahlloser Hütten gemeißelt, Gesetz für die Männer, unanfechtbarer Urteilsspruch für die Frauen. Zur gleichen Zeit aber praktizieren im Lande schon Hunderte von Ärztinnen. Tausende von Schwestern sind tätig und Lehrerinnen, gebildet, selbstbewusst. Sogar in der Armee leisten Frauen als Offiziere Dienst für ihr Land. Das Ringen um die Befreiung der Frau ist im Gange, erbittert und langwierig. Dabei geschieht es zuweilen, dass die alte Lebensart sich drohend aufbäumt und noch einmal, in der Sterbestunde, ihre fühllose Macht zur Schau stellt. Es ist dann, als zeichnete die Gegenwart, widerstrebend, doch gefügig, ein grausames Märchen der Vergangenheit auf. Es geschah in diesem Dorf, vor Jahresfrist, an einem späten Abend im September. Am Hause des Grundbesitzers pocht jemand dringlich an die Pforte. Der Alte geht, um zu öffnen. Ein Mädchen steht da, atemlos und sichtlich erschöpft. Sie bricht vor der T

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