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Tour d'Afrique 12 000 Kilometer Radrennen von Kairo nach Kapstadt von Grüne, Hardy (eBook)

  • Verlag: Delius Klasing Verlag
eBook (ePUB)
15,99 €
inkl. gesetzl. MwSt.
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Tour d'Afrique

Die Tour d Afrique ist mit einer Rennstrecke von etwa 12 000 Kilometern und 120 Renntagen eines der längsten und härtesten Radrennen der Welt. Hardy Grüne ist diese Tour zwischen Rennen und Expedition im Sommer 2011 mitgefahren. Neben der sportlichen Herausforderung der Tour d Afrique interessierte ihn die intensive, hautnahe Begegnung mit Afrika. Beides hat er in einem Bericht festgehalten. Hardy Grüne berichtet von einem Rennen für Selbstversorger. Der Veranstalter der Tour d Afrique beschränkt sich auf Streckenkennzeichnung, Zeitnahme, Notfallhilfe und die Organisation der Lagerplätze. Übernachtet wird im Zelt in improvisierten Camps. Die Teilnehmer sind eine bunte Mischung aus Extremsportlern, Ausdauerfreaks und Abenteurern. Welche Motivation auch immer jeden Einzelnen antreibt - belastbar muss er sein. Als wären die langen Tagesetappen in Hitze und Staub nicht Strapaze genug, kommen mit der ungewohnten Ernährung und den hygienischen Einschränkungen weitere Belastungen für Körper und Seele dazu. Von den wechselhaften politischen Rahmenbedingungen einmal ganz abgesehen. Dieser spannende Bericht über die Tour d`Afrique ist zugleich radsportliche Reportage wie Reflektion über einen unruhigen Kontinent, dessen archaische Schönheit den Autor Hardy Grüne immer wieder überwältigt.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 272
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783768883733
    Verlag: Delius Klasing Verlag
    Größe: 6486 kBytes
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Tour d'Afrique

Zweiter Abschnitt :
The Gorge, Khartoum-Addis Abeba

20. Tag, 3. Februar: Khartoum (Pausentag)

D er Café au Lait schmeckt fantastisch. Und auch sonst fühle ich mich wie daheim. Um mich herum einkaufstütenbeladene Menschen, die mit Smartphones hantieren und europäische Hektik verströmen. Im gemütlichen Kunstledersessel eines auf "italienisch" designten Cafés lümmelnd, atme ich vertrauten Luxus ein.

Mitten im Sudan, in einem der ärmsten Länder der Welt, gibt es auf einigen Hundert Quadratmetern jeden erdenklichen Luxus: das AFRA Shopping Centre. Mit einem Kleinbus haben wir uns hinkutschieren lassen in dieses zweigeschossige Shoppingparadies, das uns nach drei Wochen des Darbens förmlich die Augen übergehen lässt. Im Obergeschoss offerieren Fast-Food-Ketten chinesische, italienische und türkische Küche. Für zehn sudanesische Pfund - etwa zwei Euro - erstehe ich eine üppig belegte Pizza und bringe meine Geschmacksnerven zum Jauchzen. Auch wenn es wahrlich nicht die beste Pizza ist, hat mir selten zuvor eine so gut geschmeckt.

Anschließend bummle ich durch den Supermarkt im Erdgeschoss. Treffe andere Fahrer. Mit großen Augen schlendern wir durch die Regalreihen und füllen unsere Einkaufskörbe mit Keksen, Weingummi-Tüten, Joghurts und Säften. Es sind vor allem Weiße, die hier einkaufen. Insbesondere für die Mitarbeiter der diversen Hilfsorganisationen ist die Shoppingmall ein Magnet. Die wenigen Einheimischen gehören unverkennbar zur Oberschicht. Sie tragen westliche Kleidung und hantieren wichtigtuerisch mit Smartphones herum.

Nach außen wirkt das Einkaufsparadies unscheinbar. Ein brauner Gebäudekomplex, der sich nicht von seiner Umgebung abhebt. Erst wenn man näher kommt, wird das Besondere sichtbar. Sieht man die bewaffneten Soldaten, die auf dem Parkplatz die gigantische Flotte schneeweißer SUV mit den Aufschriften von Hilfs- oder UN-Organisationen bewachen. Fühlt man die Klimaanlage, die für wohlige Temperaturen sorgt. Das Gebäude spaltet: Als weißer Europäer wird mir von den bewaffneten Sicherungskräften freundlich zugenickt. Für die Betreiber der kleinen Verkaufsstände vor dem Parkplatz hingegen ist es eine unerreichbare Welt.

Abseits der vertrauten Shoppingwelt befriedigt Khartoum aber auch unsere Sehnsucht nach exotischem Afrikaflair. Auf dem Weg zurück zum Camp passieren wir einen lärmenden Busbahnhof. Menschen ergießen sich aus bunt bemalten Überlandbussen. Es stinkt nach Diesel und Öl. Hühner picken sich durch das Chaos, Fußgänger springen hektisch heranrasenden Fahrzeugen aus dem Weg. An einem aus grobem Holz gezimmerten Stand werden allerlei Dinge angepriesen. Egal, ob Waschpulver, Batterien, Brot oder Plastikeimer - was nachgefragt wird, ist auch im Angebot. Daneben ein kunstvoll aufgetürmter Berg mit frischen Orangen und ein Jugendlicher, der Falafel offeriert.

Abends kämpft mein Körper mit der drohenden Siedetemperatur. Die Sonne ist schon lange untergegangen, aber es hat noch immer weit über 30 °C. Die Luft erdrückt. Irgendwann falle ich in einen unruhigen Schlaf, aus dem mich um kurz vor sechs ein Muezzin weckt, dessen Lautsprecher unmittelbar neben meinem Zelt aus dem Boden ragt. Der gute Mann muss im gesegneten Alter sein, denn seine Lobpreisungen kommen stockend und röchelnd daher.
21. Tag, 16. Etappe, 4. Februar: Khartoum-Rafa'a. 145 Kilometer

Die erste "Woche der Wahrheit" beginnt. Acht Fahrtage in Folge. Davon drei offroad, also auf nichtasphaltierten Nebenstraßen.

Ich muss an die Videos denken, die mich zur Anmeldung zur Tour d'Afrique verführten. Nun werde ich selber einer der Hauptdarsteller sein. Bis es ins Gelände geht, haben wir aber noch rund 300 Kilometer entlang des Blauen Nils bis nach Sennar vor uns. In zwei Tagen wollen wir dort sein.

Die Landschaft hat sich völlig verändert. Fruchtbares Kulturland, auf dem Bauern bei der Arbeit sind. Allerdings ist auch der

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