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Weite Wege Wandern Erfahrungen und Tipps von 45.000 Kilometern zu Fuß von Thürmer, Christine (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 02.06.2020
  • Verlag: Piper Verlag
eBook (ePUB)
13,99 €
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Weite Wege Wandern

Über 45.000 Kilometer hat Langstreckenwanderin Christine Thürmer mittlerweile zu Fuß zurückgelegt. In ihrem neuen Buch teilt sie ihr detailliertes Wissen mit dem Leser - von der Wahl der passenden Isomatte über das Aufbereiten von Trinkwasser bis hin zum richtigen Verhalten bei Begegnungen mit Tieren. Sie gibt konkrete Tipps zur Vorbereitung und Durchführung einer Tour und verrät, wie man die Höhen und Tiefen des Trailalltags besser meistert. Mit einem Augenzwinkern berichtet sie von ihren Erfahrungen und erklärt, wie jeder, unabhängig von Alter, Geschlecht und Budget, beim Weitwandern das große Glück finden kann. Für alle, die selbst den Rucksack schultern möchten oder immer schon mal wissen wollten, wie das Leben unterwegs tatsächlich aussieht.

Christine Thürmer, 1967 in Forchheim geboren, machte nach ihrem Studium Karriere als Managerin. Nach einer unfreiwilligen Berufspause 2004 hängte sie 2007 ihren Job endgültig an den Nagel und widmet sich seitdem ausschließlich dem Langstreckenwandern, -radfahren und -paddeln. Sie gehört zu den meistgewanderten Menschen weltweit und wurde mit dem Triple Crown Award ausgezeichnet. Unter Outdoorfans ist sie als 'German Tourist' bekannt. Bei Malik erschienen ihre Bestseller 'Laufen. Essen. Schlafen.' und 'Wandern. Radeln. Paddeln.'.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 272
    Erscheinungsdatum: 02.06.2020
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783492995368
    Verlag: Piper Verlag
    Größe: 57772 kBytes
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Weite Wege Wandern

Warum Weitwandern: Wie mich unterwegs das Glück fand

Wann wird aus einer Wanderung eine Weitwanderung? Es gibt keine offizielle Definition: Laut Wikipedia muss man dazu nur mehrere Tage unterwegs sein, der Alpenverein spricht ab 500 Kilometern Länge von einer Fernwanderung und ich selbst fange unter 1000 Kilometern gar nicht erst an. Der große Unterschied zwischen Wandern und Weitwandern liegt jedoch nicht in irgendwelchen Zahlen, sondern in dem, was es mit Ihnen macht. So werden Sie sich auch auf kurzen Touren erholen, Stress abbauen und fit werden, doch Langstreckenwandern hat noch ein ganz anderes Potenzial: Es wird Sie lehren, Ihren Körper zu lieben. Es wird Ihnen Zukunftsängste nehmen und dafür Selbstvertrauen und Freiheit schenken. Es wird sogar Ihre Werte und Einstellungen verändern. Vor allem aber wird es eines bewirken: Es wird Sie zu einem glücklicheren Menschen machen.

Senkung der Glücksschwelle

»Das neue Jahr beginnt gut«, denke ich voller Dankbarkeit am Neujahrsabend 2013. Den ganzen Tag bin ich bei Temperaturen knapp über dem Gefrierpunkt durch den Regen über die Berge der Appalachen gelaufen. Ohne Pause, denn hier am Benton MacKaye Trail in Tennessee gibt es keine Unterstellmöglichkeiten, nur endlose Eichen- und Ahornwälder. Kleidung, Socken, Schuhe - alles ist komplett durchnässt und mit Schlammspritzern übersät.

Ich hatte mich schon auf eine kalte Nacht im klammen Zelt eingestellt, als ich völlig unerwartet, aber noch rechtzeitig vor Einbruch der Dunkelheit, diese luxuriöse Unterkunft an einer Forststraße entdeckte. Jetzt liege ich hier warm und trocken, meine von der Feuchtigkeit verschrumpelten Füße stecken in dicken Socken, und meine Kleidung trocknet auf der Wäscheleine neben mir.

»Ich bin eben ein echter Glückspilz«, freue ich mich und lausche dem monotonen Prasseln auf dem Dach über mir. Da höre ich plötzlich Motorengeräusche. Alarmiert fahre ich hoch und fürchte, dass ich gleich vertrieben werde. Mein Paradies ist nämlich nicht etwa ein Hotelzimmer oder eine Schutzhütte am Weg, sondern ein Plumpsklo des US Forest Service. Wenn den Autofahrer auf dem Waldparkplatz da draußen ein dringendes menschliches Bedürfnis überfiele, käme ich in arge Erklärungsnöte.

Gespannt halte ich die Luft an. Doch vor meiner verriegelten Toilettentür knistert lediglich ein Funkgerät, und Hunde winseln leise. Erleichtert atme ich aus. Draußen scheint ein nächtlicher Jäger zu parken, der sich per Funk mit dem Rest der Jagdgesellschaft abstimmt. Und tatsächlich knirschen schon nach wenigen Minuten die Autoreifen auf dem Kies. Der Fahrer wendet und braust davon. Als ich nur noch das Rauschen des Windes in den Baumkronen und die Regentropfen auf dem Metalldach höre, lasse ich mich erleichtert zurück auf meine Isomatte sinken.

»Gott sei Dank musste ich hier nicht raus«, denke ich, als ich mich in meinen warmen Quilt kuschle - und pruste dann laut los. Fernab der Zivilisation betrachte ich dieses Plumpsklo tatsächlich als mein persönliches Neujahrsgeschenk des Himmels. Die behindertengerechte und damit sehr geräumige Toilette wurde wohl erst vor ein paar Wochen aufgestellt, ist daher noch ziemlich sauber und riecht kaum - zumindest wenn man den Klodeckel herunterklappt.

Dass ich mich über eine Nacht in einer Komposttoilette so freuen kann wie andere über das Hilton, liegt an meinem minimalistischen Lebensstil als Langstreckenwanderin. Unterwegs passen all meine weltlichen Besitztümer in einen kleinen Rucksack und wiegen gerade mal knapp sechs Kilogramm. Ein Zelt, eine Isomatte, eine Art Schlafsack und ein einziger Satz Wechselkleidung sind neben ein paar Kochutensilien und ein bisschen Kleinkram alles, was ich dabeihabe. Mehr brauche ich selbst jetzt im Winter nicht.

Diese Reduktion auf das Wesentliche macht mich extrem dankbar für alles, was über meinen niedrigen Komfortlevel hinausgeht. Dinge, die früher ganz selbstv

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