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"etwas ganz und gar Persönliches" Briefe 1934-1970 von Celan, Paul (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 15.12.2019
  • Verlag: Suhrkamp
eBook (ePUB)
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"etwas ganz und gar Persönliches"

Paul Celan, der meistgedeutete deutschsprachige Dichter nach 1945, ist auch der Autor eines eminenten Briefwerks. Mit dieser Ausgabe wird es nun erstmals als eigenes Werk sichtbar: in 691 Briefen, davon 330 bisher unpubliziert, an 252 Adressaten. Wer sind die Adressaten? Es sind die Mitglieder der Familie, geliebte Frauen, befreundete Autoren, sehr junge und begeisterte Leser, Übersetzerkollegen, französische Philosophen ebenso wie deutsche Germanisten und die Mitarbeiter vieler Verlage. Aus alledem entsteht in chronologischer Folge über vier Jahrzehnte ein Leben aus Briefen. In ihnen zeigt sich Celan als herausragender Korrespondenzpartner mit einer enormen stilistischen Bandbreite, ausgeprägt in seiner Fähigkeit, auch auf Unbekannte einzugehen. Die Briefe offenbaren eine Vielzahl bisher verborgener biografischer Fakten, ermöglichen eine Präzisierung seiner Poetologie und zeigen ihn zugleich als Menschen in seinem ganz gewöhnlichen Alltag. Paul Celan wurde am 23. November 1920 als Paul Antschel als einziger Sohn deutschsprachiger, jüdischer Eltern im damals rumänischen Czernowitz geboren. Nach dem Abitur 1938 begann er ein Medizinstudium in Tours/Frankreich, kehrte jedoch ein Jahr später nach Rumänien, zurück, um dort Romanistik zu studieren. 1942 wurden Celans Eltern deportiert. Im Herbst desselben Jahres starb sein Vater in einem Lager an Typhus, seine Mutter wurde erschossen. Von 1942 bis 1944 musste Celan in verschiedenen rumänischen Arbeitslagern Zwangsarbeit leisten. Von 1945 bis 1947 arbeitete er als Lektor und Übersetzer in Bukarest, erste Gedichte wurden publiziert. Im Juli 1948 zog er nach Paris, wo er bis zuseinem Tod lebte. Im selben Jahr begegnete Celan Ingeborg Bachmann. Dass Ingeborg Bachmann und Paul Celan Ende der vierziger Jahre und Anfang der fünfziger Jahre ein Liebesverhältnis verband, das im Oktober 1957 bis Mai 1958 wieder aufgenommen wurde, wird durch den posthum veröffentlichten Briefwechsel Herzzeit zwischen den beiden bestätigt. Im November 1951 lernte Celan in Paris die Künstlerin Gisèle de Lestrange kennen, die er ein Jahr später heiratete. 1955 kam ihr gemeinsamer Sohn Eric zur Welt. Im Frühjahr 1970 nahm sich Celan in der Seine das Leben.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 1000
    Erscheinungsdatum: 15.12.2019
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783518756591
    Verlag: Suhrkamp
    Größe: 5094 kBytes
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"etwas ganz und gar Persönliches"

Paul Celan - Ein Leben in Briefen

"Von dieser Briefsammlung darf in besonderem Sinn gesagt werden, daß sie den mit dem Leben vollzogenen Gang eines Menschen durch unser Zeitalter urkundlich darstellt" - mit diesem Satz leitet 1929 Martin Buber seine zweibändige Ausgabe von Briefen Gustav Landauers ein und präzisiert: "Die Briefe sind so ausgewählt, daß die Schritte des Lebensgangs von ihnen abzulesen sind. Die Auswahl versucht, äußere und innere Biographie zu verknüpfen. Jeder Brief soll entweder als Äußerung oder als Dokument, womöglich als beides, bedeutsam sein". [1] Das Grundprinzip der vorliegenden Briefauswahl könnte kaum besser formuliert werden: Das Leben Paul Celans möglichst umfassend durch Briefe abzubilden und dabei die große Vielfalt seiner Kontakte mit Menschen aller Altersgruppen und Geschlechter aus Familie, Freundeskreis und Beruf sowie die Entwicklung und Vielfalt seiner sprachlichen und stilistischen Möglichkeiten und nicht zuletzt die Vielfalt der ihn bewegenden Themen erfahrbar zu machen. Die hier vorgestellten 691 Briefe an 252 Adressatinnen und Adressaten - davon 330 Erstdrucke, außerdem zahlreiches, bisher an entlegener Stelle Publiziertes - erweitern die Kenntnis von Celans Leben erheblich.

Der unterschiedliche Charakter der beiden Arbeitslager, in denen der durch die rumänischen Rassegesetze ausgegrenzte 'Jude' während des Krieges in Rumänien Zwangsarbeit leisten mußte, wie auch die Dauer dieser Internierungen lassen sich durch Briefe und Karten aus der Lagerzeit nun genauer eingrenzen. Die Lebensbedingungen im Lager Tabaresti schildert Celan 20 Jahre später in einem um Genauigkeit bemühten Dokument aus dem Wiedergutmachungsverfahren für einen Mithäftling. Neue Informationen über die Zeit, in der Celan vom Tod seiner Eltern erfuhr, vermitteln zwei so unterschiedliche wie weit auseinanderliegende Briefe: von Anfang 1944 und Frühjahr 1970.

Zwar gibt keiner der gesichteten Briefe Auskunft darüber, wie und wann genau die Umsiedlung Celans von Czernowitz nach Bukarest ablief - wem auch hätte er davon, zudem unter Zensurbedingungen, berichten können? Wohl aber erhalten wir Nachrichten über die Flucht im November 1947 von Bukarest über Budapest nach Wien, und zwar sowohl, in zeitgenössischer Perspektive, aus Wiener Briefen an die in Rumänien verbliebenen Freunde als auch aus Erinnerungen daran fast 20 Jahre später.

An den Lager- und - im besten Fall! - Fluchtbiographien auch der Empfänger liegt es, daß aus der Czernowitzer und Bukarester Zeit heute nicht allzu viele Briefe Celans erhalten sind. Es grenzt an ein Wunder, daß sich der Brief des jungen Medizinstudenten aus Tours an seine Mutter in Celans Nachlaß fand; wie er dorthin gelangte, läßt sich nicht mehr nachvollziehen. Nahm ihn Celan nach seiner Rückkehr aus Tabaresti aus der elterlichen Wohnung in Czernowitz mit? Erhielt er ihn Jahre später durch Verwandte?

Postkarten an zurückgebliebene Freunde dokumentieren erste Adressen in Wien und Paris; Briefe aus Paris nach Wien den Zeitpunkt erster Bemühungen um die französische Staatsbürgerschaft und die zwiespältigen Gefühle dabei; eine in Zürich geschriebene Karte von 1951 ist Zeugnis einer bisher kaum bekannten Reise; Briefe aus Paris nach Berlin machen im selben Jahr Andeutungen zu den besonderen Umständen von Celans erster London-Reise nach dem Krieg.

Zu erkennen ist Celans große Hilfsbereitschaft, wenn er zwischen Besuchern und wichtigen 'Schaltstellen' der Pariser Literatur- und Kunstszene, Rundfunkleuten und Kunstkritikern vermittelt oder wenn er Autoren- und Übersetzerkollegen deutschen Verlagen empfiehlt. Nachzuempfinden ist aber auch die - ja - unbändige Freude des Dichters, als er sein erstes Exemplar von Mohn und Gedächtnis in Händen hält.

Die enorme Übersetzerleistung Celans in den frühen 1950er Jahren zur Sicherung des Lebensunterhalts wird deutlich; darunt

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