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Öffne mir das Tor zur Welt Das Leben der taubblinden Helen Keller und ihrer Lehrerin Anne Sullivan von Waite, Helen E. (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 07.04.2015
  • Verlag: Verlag Freies Geistesleben
eBook (ePUB)
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Öffne mir das Tor zur Welt

Helen Keller wurde mit neunzehn Monaten taub und blind; eine Heilung war aussichtslos. Erst als sich fü?nf Jahre später die junge Anne Sullivan der kleinen Helen annahm, lernte das Mädchen allmählich, Begriffe zu entwickeln, zu denken und sich ihrer Umwelt mitzuteilen. Eine erstaunliche Entwicklung begann: Helen absolvierte die Schule, beendete erfolgreich ein Universitätsstudium und wurde eine weithin bekannte Schriftstellerin und Rednerin. Diese beeindruckenden Biografie schildert den Lebensweg der taubblinden Schriftstellerin Helen Keller und ihrer mutigen Lehrerin Anne Sullivan.

Helen E. Waite beschäftigte sich schon als Kind am liebsten mit der Schreibmaschine. Ebenso anziehend waren für sie die Vorhänge einer Bühne und die Zettelkästen auf dem Tisch eines Bibliothekars. Mit zehn Jahren beschloss sie, Theaterstücke auf der Schreibmaschine zu schreiben und Bibliothekarin zu werden - so konnte sie die drei Dinge, die sie am meisten fesselten, vereinen und außerdem noch alle Bücher der Bibliothek lesen! Später studierte sie Bibliothekswissenschaften und Jugendliteratur. Viele Jahre war sie Bibliothekarin in der Oradell Public Library.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 256
    Erscheinungsdatum: 07.04.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783772541476
    Verlag: Verlag Freies Geistesleben
    Größe: 2733 kBytes
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Öffne mir das Tor zur Welt

Helen betastet eine Nike-Statue
Ein Tag des Triumphs

"Nur noch eine winzige Kleinigkeit, und dann bist du fertig." Sanft zupfte Mrs. Hopkins ihr ein letztes Löckchen zurecht und trat einen Schritt zurück, um ihr Werk mit kritischen Augen zu betrachten, dann nickte sie zufrieden. "Mr. Anagnos hat recht - du siehst wirklich genauso aus wie Miss Frances Fulsom!"

Annie warf einen kurzen Blick in den Spiegel über Mrs. Hopkins' Kommode, und ein freudiger Schauer lief ihr über den Rücken. Es erschien ihr immer noch wie ein Wunder, dass sie, die die ersten sechzehn Jahre ihres Lebens so gut wie blind gewesen war, sich tatsächlich selbst im Spiegel sehen konnte! Ja, sie konnte selber sehen, dass sie Frances Fulsom ähnelte, dem Mädchen, das die Braut von Präsident Cleveland war! Mrs.Hopkins hatte Annies dunkles Haar hoch aufgetürmt über dem Kopf festgesteckt, ihr über der Stirn mit ihrem eigenen Brenneisen Löckchen gelegt, und in ihrem hübschen Musselinkleid mit den halblangen Ärmeln und den drei mit Spitzen besetzten Rüschen hätte man Annie tatsächlich für eine Braut halten können. Flüchtig überlegte sie, ob die Braut im Weißen Haus wohl noch aufgeregter war als Annie Sullivan in diesem Augenblick.

"Nun", sagte Mrs. Hopkins und wandte sich einer geheimnisvollen Schachtel zu, die auf dem Bett lag. Annie stockte der Atem, als aus den vielen Lagen von Seidenpapier eine breite Schärpe aus glänzendem rosa Satin hervorkam. Die Finger der älteren Frau streichelten darüber hin, ehe sie Annie anblickte. "Sie gehörte Florence", sagte sie ruhig. "Sie trug die Schärpe zu ihrer Examensfeier. Ich möchte, dass du sie heute trägst."

Das war wie ein Ritterschlag, denn Annie wusste, wie hoch in Ehren Mrs. Hopkins alles hielt, was ihrer Tochter gehört hatte, deren Leben so kurz gewesen war.

"Und nun habe ich wieder ein Mädchen, das seinen Abschluss feiert!" Mrs. Hopkins strich noch ein letztes Mal über die Schärpe und nickte zufrieden. "Du siehst reizend aus! Nun geh! Mr. Anagnos würde es sicher nicht gefallen, wenn die Festrednerin zu spät käme."

Das Gefühl der Unwirklichkeit, das Annie den ganzen Tag über empfunden hatte, verstärkte sich, als sie Tremont Temple erreichte, wo die Abschlussfeiern des Perkins-Institutes, der Blindenschule von Massachusetts, abgehalten wurden. War das wirklich wahr, dass sie, Annie Sullivan, tatsächlich die Festrede für die Examensklasse des Jahrgangs 1886 halten sollte? Vor den Stufen zum Podium lächelte ihre Lieblingslehrerin, Miss Mary Moore, sie an, als sie ihr ein Bukett rosafarbener Rosen am Gürtel festmachte, deren Duft sie sanft betäubte. Dann ergriff Mr. Anagnos, der Direktor von Perkins, ihre Hand und führte sie zu ihrem Platz; er flüsterte ihr ein paar ermutigende Worte zu, die sie vor lauter Aufregung kaum vernahm. Wieder schauderte sie, aber diesmal nicht vor Freude!

Das Publikum! Wie konnte sie dem nur gegenübertreten! So viele Menschen! Und dann noch so berühmte wie Mrs. Julia Ward Howe, die Verfasserin von Battle Hymn of the Republic , und Mrs. Livermore, eine begeisterte Frauenrechtlerin, sowie der Gouverneur von Massachusetts. Wie im Traum hörte sie die Musik, die Ansprachen - sie fühlte, wie ihr eiskalte Schauer den Rücken herunterrieselten, ihre Kehle sich von Minute zu Minute mehr zusammenschnürte, und plötzlich war sie an der Reihe. Mit einer freundlichen Bewegung wandte sich der Gouverneur ihr zu und kündigte an: "Die Festrede - von Miss Annie Mansfield Sullivan!" Es gelang Annie, sich zu erheben, aber ihre Knie zitterten derart, dass sie das Gefühl hatte, sie würden unter ihr nachgeben! Sie zögerte so lange, bis der Gouverneur ihren Namen noch einmal rief. Und dann nahm sie all ihren Mut zusammen und schritt zur Mitte des Podiums. Der gütige Mann begann höflich Beifall zu klatschen, und nach einem leisen "Meine Damen und Herren -" bemerkte Annie erstaunt und erleichtert, wie ihre Stimme ihr gehorchte und

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