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Adolfchen und der 'doofe' Arm von Maaß, Siegfried (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 01.01.2012
  • Verlag: EDITION digital
eBook (ePUB)
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Adolfchen und der 'doofe' Arm

Man schreibt das Jahr 1935. In einer mitteldeutschen Kleinstadt kündigt sich die Geburt eines Kindes an, von dem erwartet wird, dass es ein Junge ist. Die Hebamme hat ein schwieriges Amt, denn sie soll die Geburt des Kindes verzögern, bis Mitternacht vorüber und der 20. April angebrochen ist. Dann kann der neue Staatsbürger den Namen des 'Führers' erhalten, zu dessen Ehrentag die Straßen mit Hakenkreuzfahnen beflaggt sind. Jahre später stattet der Großvater den Jungen mit einem Haarschnitt aus, der dem des 'großen' Adolf sehr ähnlich ist. Doch zum Leidwesen seiner Eltern ist der Junge nur ein 'Adolfchen', der in seiner Entwicklung hinter anderen zurück bleibt. Eine Behinderung gestattet ihm nicht, den rechten Arm zum geforderten Gruß zu erheben, so dass ihm überall im täglichen Leben Schwierigkeiten entstehen und er sowohl Spott wie auch Verachtung ausgesetzt ist. Wie es ihm gelingt, sich im weiteren Leben zu behaupten und sich von der Last, die ihm sein Name aufbürdet, zu befreien, wird in teilweise satirisch zugespitzten Situationen eindrucksvoll gestaltet. INHALT: Der Auftrag - Vorspiel Der Junge Der Schüler Der junge Mann Der Auftrag - Nachspiel Siegfried Maaß Geboren am 06.10. 1936 in Magdeburg, Schulbesuch in Staßfurt. Vermessungstechniker in Bergbau und Kataster. 1960 - 1964 Literaturinstitut Leipzig. Schauspieldramaturg. Freier Schriftsteller seit 1971. Verheiratet. Zwei Kinder. Bibliografie Ich will einen Turm besteigen, Verlag Neues Leben, Berlin 1974 Ins Paradies kommt nie ein Karussell, Verlag Neues Leben, Berlin 1976. Lindenstraße 28, Verlag Neues Leben, Berlin 1980 Keine Flügel für Reggi, Verlag Neues Leben, Berlin 1984. Abschied von der Lindenstraße, Verlag Neues Leben, Berlin 1986 Vier Wochen eines Sommers, Verlag Neues Leben, Berlin 1989 Du bist auch in der Ferne nicht für mich verloren, BK-Verlag, Staßfurt 1994 Tango in der Düppler Mühle, Volksstimme, Magdeburg1998 Von Uhlenturm und Arnstein, Volksstimme, Magdeburg1999 Und hinter mir ein Loch aus Stille, dr.ziehten verlag, Oschersleben 2000 Zeit der Schneeschmelze, 2001, dr. ziehten verlag, Oschersleben Peggy Vollmilchschokolade, Projekte Verlag, Halle 2002 Der Handschuhbaum, Projekte Verlag, Halle 2003 Schulschreibertagebuch sowie der Mann im Haus bin ich, Projekte Verlag, Halle 2003 Sonntagspredigt oder Heimkehr auf die Insel, BK-Verlag, Staßfurt 2004 Adolfchen und der 'doofe' Arm, Projekte Verlag, Halle 2005 Sternie, Spinni und das Kleine Gespenst Kugelrund, dorise verlag, Burg 2006 Das Versteck im Wald, dorise verlag, Burg 2007 Das Haus an der Milchstraße, dorise verlag, Burg 2008 Nachtfahrten, dorise verlag, Burg 2009 Als unser Weihnachtsmann Urlaub machte, dorise verlag, Burg 2009 Im Schatten der Milchstraße, dorise verlag, Burg 2010 Tango in der Düppler Mühle, erw. Fassung, Block-Verlag, 2011 Knöpfchen und der Mann mit der Mütze, Projekte-Verlag Cornelius, Halle 2012 Beteiligung an Anthologien, Herausgaben von fünfzehn Bänden mit Schülertexten sowie Texten aus Kreativwerkstätten schreibender Senioren.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 359
    Erscheinungsdatum: 01.01.2012
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783863946906
    Verlag: EDITION digital
    Größe: 569 kBytes
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Adolfchen und der 'doofe' Arm

"Ich weiß nicht ..." Er drehte und wendete meinen Arm, bis ich aufschrie. "Das dachte ich mir." "Was dachten Sie, Herr Doktor?" Die Stimme meiner Mutter klang ängstlich. "Ist irgendwas nicht in Ordnung?" Dr. Sommer schob nun meinen Arm mehrmals von einer Seite zur anderen, als handele es sich um ein Uhrenpendel, sodass ich mir auf die Lippen biss, um nicht noch einmal aufzuschreien. Dann wollte er ihn wie ein Scharnier auf- und abwinkeln, aber ich riss mich rechtzeitig von ihm los. "Das tut weh!", rief ich und zog mich vorsichtshalber von dem Mann zurück und stellte mich neben meine Mutter. "Der Arm bleibt wahrscheinlich steif. Jedenfalls teilweise", fügte er schnell hinzu, nachdem er sich anscheinend bewusst geworden war, dass weder meine Murrer noch ich auf diese Diagnose vorbereitet waren. "Also sagen wir es so: Er wird ihn wahrscheinlich nicht uneingeschränkt benutzen können. Zum Beispiel wird ihm das Schreiben Schwierigkeiten bereiten ... Außer an der Schultafel", ergänzte er und versuchte ein Lächeln. "Da hast du den genügenden Abstand und der Winkel stimmt. Zur Schule wirst du also weiter gehen müssen, Adolfchen." "Wie stellen Sie sich das vor?" Meine Mutter war von ihrem Stuhl aufgesprungen und baute sich vor Dr. Sommer bedrohlich auf. Dabei stemmte sie ihre Hände in die Hüften, sodass ihre Ellbogen spitz zu beiden Seiten hervorstachen. "Sie sprechen von seiner geschickten Hand, Herr Doktor! Links ist er so ungeschickt wie ..." Vergeblich suchte sie nach einem Vergleich. "Da muss Ihnen noch etwas einfallen! Er braucht seine rechte Hand! Soll er vielleicht sein Leben lang ein Krüppel sein? Ich darf gar nicht daran denken, was mein Mann dazu sagen wird!" "Also, liebe Frau Oberschmidt, erstens kann ich daran nichts ändern, außer ich breche Adolfchens Arm noch einmal und versuche ihn zu richten. Aber was dann daraus wird, ist gar nicht abzusehen. Das geben seine Knochen nämlich nicht her. Zweitens kann er ja seine rechte Hand ganz gut gebrauchen und drittens müssen viele Menschen ihr Leben mit kleinen Handicaps bestreiten ..." Er lächelte mir zu und knuffte derb auf meinen krüppeligen Arm. "Und den Hitlergruß schaffst du ja immer noch, Adolfchen. Und das ist doch das Allerwichtigste. Da wird auch dein Vater ganz bestimmt zufrieden sein." "Machen Sie sich über meinen Mann lustig, Herr Doktor Sommer?" Die Stimme meiner Mutter horte sich zischend an und unwillkürlich fiel mir das Geräusch einer Schlange ein, wenn sie, hoch aufgerichtet, sich ihrer Haut wehren muss. "Wie könnte ich das, Frau Oberschmidt? Ich kann sehr wohl nachfühlen, wie es Ihren Gatten treffen muss, wenn nun das Adolfchen nicht so geraten wird, wie er es sich gewünscht hat. Ich kann es sehr wohl nachfühlen ... Aber so ist das Leben. Nicht alle Wünsche gehen in Erfüllung. Auch die Ihres Gatten nicht!" Dr. Sommer war währenddessen zu seinem Schreibtisch gegangen und unterschrieb einige Papiere, die er daraufhin meiner Mutter reichte. "Damit können Sie alles regeln, Versicherung und Sportbefreiung und auch Befreiung vom Jungvolk. Was sollten die auch mit einem armversehrten Jungen anfangen?"

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