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Andreas Hartknopf Klassiker der Aufklärung - Gesellschaftskritischer Roman des 18. Jahrhunderts (Andreas Hartknopf: Eine Allegorie + Andreas Hartknopfs Predigerjahre) von Moritz, Karl Philipp (eBook)

  • Verlag: e-artnow
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Andreas Hartknopf

Dieses eBook: 'Andreas Hartknopf' ist mit einem detaillierten und dynamischen Inhaltsverzeichnis versehen und wurde sorgfältig korrekturgelesen. Andreas Hartknopf ist ein gesellschaftskritischer Roman des 18. Jahrhunderts, philosophische und satirische Lebengeschichte von Andreas Hartknopf, der Prediger und Grobschmied. Karl Philipp Moritz (1756-1793) war ein vielseitiger Schriftsteller des Sturm und Drang, der Berliner Aufklärung und der Weimarer Klassik, der auch der Frühromantik Impulse gab. Er hatte ein bewegtes Leben als Hutmacherlehrling, Schauspieler, Hofmeister, Lehrer, Redakteur, Schriftsteller, Spätaufklärer, Philosoph und Kunsttheoretiker. Aus dem Buch: 'Indem Hartknopf und der Emeritus noch im tiefen Gespräch begriffen waren, hörten sie Fußtritte den Berg herauf und wunderten sich, daß sie so früh schon Gesellschaft bekamen - als sie von der westlichen Seite die beiden Weltreformatoren Hagebuck und Küster hinaufklimmen sahen, welche mit einem Trupp der Gellenhausischen Jugend die Sonne wollten aufgehen sehen; sie waren aber ein wenig zu spät gekommen. Sie kamen mit viel Geräusch und Lärm, und Hartknopf und der Emeritus zogen sich in eine kleine Bucht am Abhange des Hügels zurück und überließen ihren Platz den Weltreformatoren. Diese nahmen ihn denn auch feierlich in Besitz; Hagebuck ließ seine Zöglinge sich im Kreise umherstellen und zeigte ihnen von dieser Höhe alle Herrlichkeiten der Welt...'

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 288
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9788026841234
    Verlag: e-artnow
    Größe: 391 kBytes
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Andreas Hartknopf

Hartknopfs erstes Erwachen an seinem Geburtsort

Inhaltsverzeichnis
Als Hartknopf am anderen Morgen die Augen aufschlug, stand ein kleines Kammerfenster offen, und er konnte durch dasselbe in der Ferne einen Hügel sehen, worauf das Gellenhausische Hochgericht stand.

Von diesem Hügel hatte man in der ganzen Gegend umher die reizendste Aussicht - gleichsam als wenn man dem Verbrecher, der hier das Ende seiner Tage finden sollte, noch zur doppelten Strafe vorher alle Herrlichkeit der Erde zeigen wollte, die er nun auf einmal mit gesundem Leibe verlassen mußte.

Auf diesem Hügel mit dem Galgen hatte Hartknopf oft gespielt und mit den andern Knaben des Ortes Ball geschlagen. Von diesem Galgenhügel hatte er zuerst in Gottes schöne Welt geblickt, und seinen Vater oft gefragt, was dieser offne Torweg unter freiem Himmel bedeuten sollte, und wozu man die Lumpen und schwarzen Knochen darinnen aufgehangen hätte? -

Übrigens diente ihm das Bild dieses Galgens in der Folge zum Kommentar über die Geschichte Simsons, und kam ihm vor die Seele, so oft er las, daß Simson ein Stadttor ausgehoben und auf einen Berg getragen habe.

Diese Eindrücke waren so fest bei ihm geworden, daß sich ihm, so oft er einen Galgen sah, das Bild einer reizenden Gegend, und so oft er eine reizende Gegend sah, das Bild eines Galgens unwillkürlich aufdrängte. Jetzt, da er nun denselben Galgen wiedersah, an dessen Vorstellung sich alle die süßen Erinnerungen aus seiner Kindheit anknüpften, wurde er plötzlich mit einer unaussprechlichen Wehmut erfüllt. Was damals blühte, fing nun schon an zu welken - was damals welkte, war nicht mehr -

Er stand auf, schlug seinen messingnen Kamm in sein Haar, knöpfte seinen Rock von oben bis unten zu und sah, ob sein Vetter noch schlief. Und denn ließ er ihn ruhig schlafen und wanderte an seinem Stabe in der kühlen Morgenluft dem geliebten Hügel zu, und der alte einäugige Pudel begleitete ihn.

Es war noch früh am Tage, die Türen waren alle verschlossen und Gellenhausen lag noch im tiefsten Schlummer begraben. - Da war ein Ziehbrunnen, nicht weit von der ehemaligen Wohnung seiner Eltern. Beim Anblick desselben war ihm sonderbar zu Mute; es war ihm plötzlich, als ob er einen Blick hinter den undurchdringlichen Vorhang getan hätte, der irgendein vergangenes Dasein von seinem gegenwärtigen Dasein trennte. Er erinnerte sich an einen Zustand, der diesem ganz gleich war, und wußte doch nicht diese Erinnerung an Zeit und Ort zu knüpfen. -

Endlich fiel ihm ein, daß seine Mutter in seiner frühesten Kindheit ihn, wenn er die Frage tat, woher er gekommen sei, immer den Brunnen nicht weit vom Hause als den Urquell seines Daseins genannt habe. So oft er nun die Worte Brunnen oder Brunnquell hörte, entstand jene sonderbare Empfindung in seiner Seele, die man immer zu haben pflegt, wenn man sich an etwas aus den Jahren seiner allerfrühesten Kindheit erinnert.

Nach Hartknopfs Meinung hatte es auch mit dieser Erinnerung eine ganz eigene Bewandtnis, und er hegte hierüber seine ganz besonderen Gedanken.

"Die allerfrüheste Kindheit war ihm gleichsam der Lethefluß, aus welchem wir Vergessenheit aller unsrer vorigen Zustände trinken - der Faden, der unser gegenwärtiges Dasein an irgendein vergangenes anknüpfte, meinte er, sei hier so dünn gesponnen, daß ihn das Auge fast nicht mehr bemerken könne; durch eine starke Hinsicht aber entdeckte man zuletzt doch etwas davon, so wie man oft am gestirnten Himmel, indem man seine Blicke fest darauf heftete, immer da einen Stern nach dem anderen entdeckte, wo man vorher nur das Blaue sah. " - Aber nun hat man einen Stern gesehen, und ist fest überzeugt, daß man ihn gesehen hat, und sucht allenthalben mit den Augen, ohne ihn wiederfinden zu können. -

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