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Anna und Armand Wie meine Großeltern im Krieg die Liebe fanden und das Leben sie doch für immer trennte von Mouillot, Miranda Richmond (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 14.03.2016
  • Verlag: Limes
eBook (ePUB)
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Anna und Armand

Sie fanden die Liebe. Sie überlebten. Und sprachen 50 Jahre kein Wort mehr miteinander.

1948, nachdem sie gemeinsam den Zweiten Weltkrieg überlebt haben, kaufen Anna und Armand - die Großeltern der Autorin - ein altes Steinhaus in einem abgelegenen, malerischen Dorf in Südfrankreich. Fünf Jahre später packt Anna ihre Sachen und verlässt Armand. Die Schreibmaschine und die Kinder nimmt sie mit. Abgesehen von einer kurzen Begegnung, haben die beiden nie mehr miteinander gesprochen, nie neu geheiratet oder irgendjemandem offenbart, was sie so unwiederbringlich entzweit hat.

Dieses Buch ist die mitreißende Geschichte der Reise, die Miranda Richmond Mouillot unternahm, um zu den Wurzeln dieses verbitterten, unbeugsamen Schweigens vorzudringen. Einer Reise, auf der sie lernte, wie man nicht nur überlebt, sondern das Leben in all seiner Schönheit umarmt - indem sie das alte Steinhaus und das kleine südfranzösische Dorf zu ihrem Zuhause machte und die Liebe fand ...

Miranda Richmond Mouillot wurde in Asheville, North Carolina geboren. Zusammen mit ihrem Mann, ihrer gemeinsamen Tochter und einer Katze lebt sie in Südfrankreich.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 368
    Erscheinungsdatum: 14.03.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641154073
    Verlag: Limes
    Originaltitel: A fifty-year silence
    Größe: 4772kBytes
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Anna und Armand

Kapitel 1

A ls ich auf die Welt kam, knotete mir meine Großmutter ein rotes Band um das linke Handgelenk, um den bösen Blick abzuwehren. Sie wusste, was vor und was hinter mir lag, und obwohl sie fest an Glück und die Zufälle des Schicksals glaubte, wollte sie bei mir, ihrem einzigen Enkelkind, kein Risiko eingehen.

Meine Großmutter hatte in ihrem Leben zahllose Male ihr Heim fluchtartig verlassen oder verloren, und obwohl sie sich nie ganz damit abfand, in Amerika zu leben, war sie wild entschlossen, in ihrem Haus in Pearl River, New York, zu sterben, in das sie sich zurückgezogen hatte, seit sie nicht mehr als Psychiaterin im Rockland State Mental Hospital arbeitete. Das erklärte sie mir immer wieder, denn meine Großmutter betrachtete den Tod als einen interessanten Tanzschritt, den sie eines Tages endlich lernen würde, oder vielleicht als einen Brieffreund, dem sie schon mehrmals um ein Haar begegnet wäre. Zweifellos war diese faszinierte Gelassenheit mit ein Grund dafür, dass es ihr gelang, so lange zu leben.

Meine Großmutter erzählte mir im Laufe der Jahre viele Dinge, und zwar in einem ungeordneten und steten Redefluss. Ich hing an ihren Lippen, gefesselt und voller Bewunderung. Jedes Wort, das sie sagte, war für mich wie ein lebendiger, greifbarer Gegenstand, eine leuchtende Boje, ein blutroter Rettungsring:

mein Gottt

Ge-miee-se

Ieberrleeben

Das war ihr Lieblingswort. Sie rollte es mit karpatischem Elan über die Zunge, moduliert mit Österreich-Ungarn-Deutsch und Französisch.

Du bist wie ich, Mirandali , sagte sie gern. Du wirst ieberrleeben.

Das war ungeheuer tröstlich, denn außerhalb der geborgenen Grenzen ihrer Anwesenheit war ich mir dessen nie allzu sicher.

Wenn Oma nicht in der Nähe war, herrschte verblüffend viel Angst in meinem Leben. Ich sage verblüffend, weil meine Kindheit, wenn auch exzentrisch, von außen betrachtet vollkommen sicher war: Meine Eltern ließen sich scheiden, als ich noch klein war, trennten sich aber im Guten und heirateten im Anschluss jeweils Partner, die ich so hingebungsvoll liebte, als hätten sie mich allesamt geboren. Hier war ich also, ein nettes kleines Mädchen mit zwei großen Gärten, das gern auf Apfelbäume kletterte und sich in der großen Pause mit Freunden zusammen Holzleim von den Händen zupfte. Außer in jenen Momenten, in denen meine behagliche, normale Welt unbegreiflicherweise aus den Fugen geriet.

Zum Beispiel an dem Tag, als meine Freundin Erin und ich ihren kleinen Bruder im Badezimmer einsperrten und Erin laut ein Kinderlied schmetterte, damit ihre Eltern ihn nicht brüllen hörten: Gerade noch sang ich mit, und im nächsten Augenblick umklammerte ich Erins Arm, als könnte sie mich unter der Lawine der Angst herausziehen, die mich auf einmal erstickte. "Hör auf", bettelte ich. "Wir müssen aufhören. Sie haben Musik gespielt, um die Schreie der Kinder zu übertönen, wenn sie sie umgebracht haben." Jahre später erinnerte Erin sich, dass sie davon völlig verstört gewesen und weinend zu ihrem Vater gerannt war.

"Was hat er gesagt?", fragte ich.

"Er hat mir erzählt, dass du aus einer Familie von Holocaust-Überlebenden stammst, die mit vielen schlimmen Erinnerungen zu kämpfen hatte."

Damals dachte ich nur, ich wünschte, mir hätte das jemand gesagt.

Mit der unbeholfenen Logik eines Kindes versuchte ich, mich vor diesen Vorfällen zu schützen, indem ich Nischen des perfekten häuslichen Lebens schuf, in denen alles geordnet und schön war: sorgsame Dioramen, die ich in Kleenex-Schachteln baute oder auf dem Regal neben meinem Bett aufstellte, kunstvolle Habitate, die ich hinter den Büschen neben unserem Gartenweg oder unter dem Schreibtisch meiner Mutter versteckte. Ich verbrachte Stunden damit, mich aus der Welt weg und in diese erfundenen Universen hineinzudenken. Wenn ma

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