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Auf dem roten Teppich und fest auf der Erde von Schmidt, Loki (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 07.10.2010
  • Verlag: Hoffmann und Campe Verlag
eBook (ePUB)
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Auf dem roten Teppich

'Mit Knicksen konnte ich nicht dienen.' - Die Bilanz eines reichen Lebens. Wer packt dem Kanzler die Koffer, wenn er auf Reisen geht? Wie schmecken gekochte Pferdesehnen, die bei einem Pekinger Staatsbankett serviert werden? Was bietet man Jehan Sadat, die sich plötzlich zum Besuch im Reihenhaus ansagt? Mit Charme und Humor erzählt Loki Schmidt aus ihrem Leben - ob vor oder hinter den Kulissen der Macht. Aus einem Arbeiterhaushalt in die Welt der Mächtigen und Monarchen - Loki Schmidt, Frau eines bedeutenden Bundeskanzlers und Naturschützerin von Rang, erinnert sich: Wie änderte sich ihr Leben mit dem Eintritt ihres Mannes in die Politik? Welche Aufgaben musste sie als Gattin eines Ministers und Regierungschefs bewältigen? Was hat sie aus den Möglichkeiten gemacht, die sich ihr auf der Bühne der Öffentlichkeit boten? Sie hat viel zu erzählen - von Ellenbogenstößen der Ceausescus in die Rippen des Kanzlerpaares und übelriechenden Briefen an ihre Adresse, von Frikadellen à la Adenauer und einer aufmüpfigen Farah Diba am persischen Hof. Trotz allem Glanz und Gloria ist sich Loki Schmidt treu geblieben. 'Ich bin immer noch stolz auf diese Tochter eines Werftarbeiters, mit der ich seit beinahe sieben Jahrzehnten verheiratet bin.' Helmut Schmidt

Loki Schmidt, 1919 in Hamburg geboren, machte sich u. a. durch ihr Engagement für den Pflanzen- und Naturschutz einen Namen, wofür sie den Professorentitel und die Ehrendoktorwürde des Fachbereichs Biologie der Universität Hamburg erhielt. Bei Hoffmann und Campe veröffentlichte sie unter anderem Loki. Hannelore Schmidt erzählt aus ihrem Leben (2003), Mein Leben für die Schule (2005), Erzähl doch mal von früher. Loki Schmidt im Gespräch mit Reinhold Beckmann (2008) und Auf dem roten Teppich und fest auf der Erde (2010). Loki Schmidt starb 2010 in Hamburg. Im Herbst 2014 erschien bei Hoffmann und Campe von Reiner Lehberger Loki Schmidt. Die Biographie.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 224
    Erscheinungsdatum: 07.10.2010
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783455307191
    Verlag: Hoffmann und Campe Verlag
    Größe: 261kBytes
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Auf dem roten Teppich

Wechselbäder im Weißen Haus (S. 99-100)

Für viele Deutsche waren die Vereinigten Staaten stets ein verheißungsvolles, oft auch bewundernswertes Land. Wie sahen Ihre - wenn ich das mal so sagen darf - etwas linken Eltern Amerika?
Es war ein Einwanderungsland, ein Schmelztiegel, in dem für mich aber auch - und nicht nur wegen Karl May - die Ureinwohner, die Indianer, eine Rolle spielten. Meine Frage als Kind war: "Wo sind die Indianer, und wie leben sie?" Ich habe mir dann natürlich hier und da etwas zusammengelesen, zusammengefragt und wusste, dass es Indianerreservate gab, aber auch Indianer, die in das normale amerikanische Leben integriert waren. Dass es ein verheißungsvolles und bewundernswertes Land war, habe ich als Kind nicht so empfunden. Grundsätzlich aber waren die Vereinigten Staaten damals längst nicht so in unserer Phantasie präsent, wie das seit dem Zweiten Weltkrieg der Fall ist. Die Neue Welt war einfach weiter weg. Vielleicht spielte es in unserer Familie auch eine Rolle, dass der ältere Bruder meines Vaters, der bei der Marine war, vor dem Ersten Weltkrieg nach Nordamerika desertiert ist. Das war mein Onkel, den ich aber nie gesehen habe. Er hat meiner Großmutter nur ein einziges Mal eine Postkarte geschrieben: "Mir geht es gut." Wir haben nie wieder etwas von ihm gehört.

Aber insgesamt gesehen waren die Vorstellungen von Amerika doch ganz positiv oder faszinierend?
Zu unserer Kinderzeit war uns Amerika schon näher als beispielsweise die ostasiatischen Länder. Im Hafen haben wir selbstverständlich schwarze Amerikaner gesehen, aber auch Asiaten. Als Kinder haben wir festgestellt, dass es hier viele von Chinesen betriebene Wäschereien gab. In Hamburg haben wir sicher mehr mitbekommen als woanders, und es war uns deshalb auch geläufiger, dass auf dieser Erde sehr unterschiedliche Menschen leben. Nach dem Krieg haben uns die Carepakete und die ganze Hilfsbereitschaft von drüben natürlich für Amerika eingenommen. Dass die Vereinigten Staaten als Siegermacht uns, die wir den Krieg angefangen hatten, so großzügig halfen, hat uns schon beeindruckt. Viele bekamen Carepakete. Als Lehrerin habe ich auch die Schulspeisung hautnah miterlebt, die von der Care-Organisation durchgeführt wurde - wir wohnten damals in einem Zimmerchen in Neugraben bei Hamburg. Haben Sie mal Bilder gesehen von einer Schulspeisung?

Die habe ich noch selbst genossen.
Kennen Sie diese Kübel, aus denen sie ausgegeben wurde? Wahrscheinlich waren es bei Ihnen im Ruhrgebiet die gleichen. Auch die Bevölkerung in Fischbek-Neugraben hat von diesen Suppen oder dem Haferbrei profitiert. Vielen Kindern ist durch die Schulspeisung möglicherweise das Leben gerettet worden, denn das Essen war reichlich. Wir mussten es bezahlen, und ich weiß, dass mein Schwiegervater, der ja Lehrer in Hamburg war, auch dafür bezahlt hat.

Das waren alles sehr positive Eindrücke, die Sie von Amerika gewonnen haben.
Dass unmittelbar nach dem Krieg von drüben nicht nur die Carepakete, sondern auch Essen für die Schulen kam, hat mich sehr beeindruckt; ich habe es in meiner Schule ja auch mit verteilt.

Das Amerikabild Ihrer und meiner Generation wurde auch durch die amerikanische Literatur geprägt, die nach dem Zweiten Weltkrieg plötzlich zu bekommen war.
Das können Sie aber nur als Kind erlebt haben. Zuerst kamen die rororo-Bände, auf Zeitungspapier gedruckt und im Zeitungsformat. Das war eine Offenbarung! Die wurden natürlich gelesen und sofort an jemand anders weitergegeben, weil es so viele davon nicht gab. Später kamen dann die kleinen, festen Taschenbücher auf. Die freie Literatur, vor allem die amerikanische, war für uns nach den Bücherverboten der Nazizeit wahrscheinlich wichtiger als das Essen, auch wenn wir das nicht gleich gemerkt haben. In jener Zeit kam überhaupt viel Neues auf uns zu. Zum Beispiel tauchten die Impressionisten aus Frankreich auf einmal in Form v

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