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Auf der anderen Seite der Existenz von Franz, Norman (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 12.10.2016
  • Verlag: Books on Demand
eBook (ePUB)
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Auf der anderen Seite der Existenz

Gestern war Frühlingsanfang. Heute ist mein Geburtstag. Ein guter Zeitpunkt, um etwas Neues zu beginnen. Dreiundzwanzig bin ich geworden. Dann und wann fiel der Anfang des Frühlings mit dem Tag meiner Geburt zusammen. Aber wie die Zahl 23, so ist auch alles andere ziemlich belanglos. Alles liegt irgendwo zwischen dem Alles und dem Nichts. So auch mein Name. Es bedarf nicht seiner Aussprache und Nennung. Wohin das Niederschreiben dieser Zeilen führt, weiß ich nicht. Doch ist es wohl sicher, dass ich mich mit jedem niedergeschriebenen Wort einem Ziel nähere, von dem ich noch nicht einmal eine Ahnung in mir trage. Ein blindes, unwissendes Draufzusteuern. Zudem sind schon zu viele Bücher und Romane geschrieben worden. Wer soll sie alle lesen? Wir Menschen ersticken im Übermaß aller Dinge. Wir Menschen sind satt. Auch von Büchern. Und dennoch schreibe ich diese Zeilen, welche vielleicht einmal ein Werk, ein literarisches Schicksalsfragment ergeben werden. Irgendwer meinte einst, an die Stelle von Romanen werden Tagebücher und Biographien treten. Dem stimme ich zu, denn nur diese sind Leben ohne Theorie und Regel. Was ich bin, weiß ich nicht. Vielleicht ein blasses, typisches Licht der Zeit. Ebenso Nichts und ebenso Alles, wie jeder und alles andere auch. Nicht mehr und nicht weniger. Aber was weiß ich schon? Nichts, gar nichts. Geboren 21.03.1977, Sternzeichen Widder aufgewachsen in Cottbus und Burg/Spreewald Abitur 1996 Redakteurs-Volontariat Studium u.a. in Konstanz, Berlin und Leipzig Bildungswissenschaft, Philosophie und Projektmanagement

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 448
    Erscheinungsdatum: 12.10.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783743169074
    Verlag: Books on Demand
    Größe: 430kBytes
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Auf der anderen Seite der Existenz

22. April, Samstag, Leipzig

Gestern war Karfreitag. Jesus - der Erlöser? Stellt sich nun nach Jahren christlichen Glauben heraus, dass dem nicht so war und ist? Hat demnach das Judentum recht, welches immer noch auf den erlösenden Messias wartet? Wurde einstmals tatsächlich erkannt, dass Jesus, angeblicher Sohn Gottes, nicht der Messias war? War und ist alles ein großer Irrtum?

...

Vorgestern hielt ich eine Unterredung mit einem meiner Uni-Professoren über eine meiner letzten Hausarbeiten, über den Prozess des Sokrates. Abgesehen davon, dass ich eine Belobigung für diese Arbeit erhielt, wurde mir gesagt, dass ich diese Sokrates-Arbeit nur erweitern müsste, um als Zwischenprüfung zu gelten.

Alles scheint besser zu laufen denn je: erst die wundervollen Vertragsangebote aus Jena (welche ich in diesen Tage durcharbeite und unterschreiben werde), dann das Studium, bei dem alles fließend gut läuft. Voraussichtlich wird dies nun ein ruhiges Semester, und ich werde die Hälfte der Woche frei haben, was heißt, dass ich wieder viel auf Reisen zu allerlei Leuten sein werde.

...

Gestern dann also der erste Tag wieder mal in Leipzig, das heißt eigentlich auf einem abgelegenen Grundstück mit See auf einem der kleinen Dörfer vor der Stadt. Meine Mutter ist von ihrer wochenlangen einsamen Reise zurück gekehrt. Wir saßen zusammen mit meinem Vater bis in die frühen Morgenstunden zusammen, tranken Wodka und redeten.

Das meiste drehte sich um den Tod und den Krebs meiner Mutter. Im Gegensatz zu meinem Vater, der den Tod fürchtet wie nur sonst was, gleiche ich meiner Mutter. Auch sie hat keinerlei Angst vor dem Tod. Wann auch immer er kommen sollte, wird es der richtige Zeitpunkt sein. Alles ist immer richtig, selbst das Schlimmste und Schmerzhafteste. Dieses impliziert zwar, dass alles einem Sinn unterliegt, woran ich dennoch nicht recht glauben will, doch ungemein kraftspendend und erleichternd ist. Ob meine Mutter ihren Krebs besiegen wird, werde ich sehen. Die Krankheit ist ein harter und zäher Kampf.

Meine Mutter wird irgendwann im nächsten Monat wieder operiert. Darauf, vier Monate nach meinem Geburtstag, am 21. Juli haben meine Eltern Silberhochzeit.

...

Bin ich bei meinen Eltern, werde ich wieder zu jenem kleinen Sohn, der ich vor unzähligen Jahren schon war. Hier bin ich nicht der 23-jährige heranreifende junge Mann, nein, hier bin ich wieder das Kind. Eine Hürde, die manchmal unerträglich schwer fällt. Offenbar geht es Luca genauso, mit der ich am gestrigen Tage telefonierte. Auch sie ist über Ostern bei ihren Eltern auf dem Dorf - und ihr geht es ebenso wie mir in dieser Beziehung, dass man bei seinen Eltern stets das kleine Kind ist; immerhin ist sie bereits dreißig und es ist immer noch so. Ich frage mich, ob man irgendwann einmal im Leben diese Ebenbürtigkeit erhält, die das Kindsein bei seinen Eltern aufhebt, oder ob es immer so bleiben wird.

...

Den ganzen Tag liege ich tatenlos in der prallen Sonne. Es ist erst April, doch dass Wetter erinnert an Hochsommer. Ich liege in der Sonne, lasse mich in meinen Gedanken treiben, werde braun wie ein Brathähnchen, und lese. Und wieder muss ich erkennen, dass es in mir einen Übertraum und -wunsch gibt, der mich dieses auf ewig anstreben lässt: eine Art des Seins, die sich selbst genügt zum Glücklichsein. Ein Glücklichsein, welches nicht erlangt wird durch Erfolge, Reichtum oder anderem, sondern einzig und allein dadurch, dass man einfach nur ist . - Die glückliche Leichtigkeit des Seins.

Mulischs Epos Die Entdeckung des Himmels habe ich beendet. Leider. Bei solchen Büchern (ich erinnere mich an die Werke Stendhals!) wünsche ich mir stets, dass sie nie ein Ende nehmen. Das Buch hat achthundert Seiten, doch mit jeder Seite, die man dem Ende entgegenkommt, wünscht man sich, dass es dieses Ende nicht gibt. Legt man dann das Buch durchgelesen zur Seite, überkommt einen eine große

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