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Autobiografische Werke: Als Mariner im Krieg + Mein Leben bis zum Kriege + Die Flasche und mit ihr auf Reisen Aus dem Wanderleben des Seemanns mit dem großen Herzen von Ringelnatz, Joachim (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 07.05.2015
  • Verlag: e-artnow
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Autobiografische Werke: Als Mariner im Krieg + Mein Leben bis zum Kriege + Die Flasche und mit ihr auf Reisen

Dieses eBook: 'Autobiografische Werke: Als Mariner im Krieg + Mein Leben bis zum Kriege + Die Flasche und mit ihr auf Reisen' ist mit einem detaillierten und dynamischen Inhaltsverzeichnis versehen und wurde sorgfältig korrekturgelesen. Joachim Ringelnatz (1883-1934) war ein deutscher Schriftsteller, Kabarettist und Maler, der vor allem für humoristische Gedichte um die Kunstfigur Kuttel Daddeldu bekannt ist. Ringelnatz hatte sich in den Kopf gesetzt, Seemann zu werden. Von April bis September 1901 arbeitete er als Schiffsjunge auf dem Segelschiff Elli. Seine Erfahrungen waren ernüchternd: Der sächselnde, kleingewachsene Ringelnatz wurde Zielscheibe von Beleidigungen, Schikanen und körperlicher Gewalt. In Britisch-Honduras riss er aus, verirrte sich im Urwald und wurde endlich ergriffen, um auf der Rückfahrt noch mehr durchzumachen. Zurück in Hamburg war er arbeitslos und litt Hunger. Ende des Jahres war er Aushilfe in Malferteiners Schlangenbude auf dem Hamburger Dom. Dies war nur einer der über dreißig Nebenberufe, die Ringelnatz während seiner Seemannszeit ausübte. Heuern als Leichtmatrose auf allen Weltmeeren wechselten immer wieder mit Phasen der Arbeitslosigkeit ab, so zum Beispiel in Hull, wo er obdachlos von Essensspenden lebte. In einem Seemannsheim half er schließlich als 'Mädchen für alles' aus, lebte in den Tag hinein und freute sich an Trinkgelagen mit seinen neuen Freunden. Nach einer Weile wurde er jedoch des Feierns überdrüssig und heuerte wieder auf Schiffen an, bis ihm 1903 die weitere Ausübung des Matrosenberufs wegen mangelnder Sehschärfe untersagt wurde. Dennoch absolvierte er noch die Qualifikationsfahrt für den Militärdienst bei der Marine und diente 1904 als Einjährig-Freiwilliger bei der Kaiserlichen Marine in Kiel....

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 880
    Erscheinungsdatum: 07.05.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9788026836872
    Verlag: e-artnow
    Größe: 1270 kBytes
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Autobiografische Werke: Als Mariner im Krieg + Mein Leben bis zum Kriege + Die Flasche und mit ihr auf Reisen

Auf der Presse

Inhaltsverzeichnis
Frau Fischer nahm ihren Sohn vom Gymnasium fort und brachte ihn auf eine jener Drillschulen, die wir Presse nannten. Auch mich steckte man in ein solches Institut. Es hieß nach seinem Direktor "Tollersche Privat-Realschule". In der Stadt war diese Schule berüchtigt.

Latein fiel weg. In den andern Fächern fand ich mich dort um einen Grad besser zurecht als im Gymnasium. Höchstens um einen Grad.

Am schwersten fiel mir die französische Sprache. Sächsisch gelehrt war sie wohl auch von einem Sachsen nicht zu lernen. "Schö nä ba, dü na ba, il na ba, nu nawong ba, wu nawä ..." Leider wußte ich mir für teures Geld ein für Schüler verbotenes und schwer zu erlangendes Buch zu verschaffen. Eine wörtliche Übersetzung des Lehrbuches von Plötz. Mit Hilfe dieses Schlüssels fertigte ich Hausübersetzungen an, die erstaunlich wenig Fehler aufwiesen. Mußte ich aber unter Aufsicht des Lehrers nach Diktat übersetzen, so entstand etwas, was von Fehlern wimmelte. Dieser Lehrer, er hieß Rochlitz, war ein graumelierter Herr. So wie er aussah, stellte ich mir damals einen Marquis vor. Er zeigte jedoch weit mehr Interesse für mich als ich für ihn.

Ich hatte mir angewöhnt, allzeit an den Fingernägeln zu kauen. Wenn ich während des französischen Unterrichts mich so recht innig und fernsinnend diesem Sport hingab, beschlich mich Rochlitz und schlug mir unversehens mit dem Lineal gehörig auf die Hand. Das half aber nur für kurze Zeit. Später mußte ich ihm vor Beginn jeder Stunde meine häßlich verstümmelten Fingerspitzen hinhalten, und er schmierte mir zum Gaudium der ganzen Klasse Ochsengalle darauf. Ochsengalle ist gelb und schmeckt bitter. Aber meine Leidenschaft nahm das mit in Kauf und gewöhnte sich rasch daran. Als man dieser üblen Angewohnheit von mir keine Aufmerksamkeit mehr schenkte, verlor sie sich von selber.

Rochlitz beschlich mich auch auf einem anderen Gebiete. Während der öden Schulstunden vertrieb ich mir die Zeit damit, mit Buntstift, ich glaube sogar mit Wasserfarben, Bilder zu malen. Feuersalamander, Reiter, rote Husaren oder sogar politische Bilder. Politisch deswegen, weil ich in ihnen irgend etwas Aufgeschnapptes oder dem Kladderadatsch Abgesehenes darzustellen versuchte. Etwa den großen Russischen Bären neben der zierlichen Französischen Marianne. Rochlitz beobachtete mich dann heimlich, und auf einmal sprang er zu mir und entriß mir das Bild. Zufällig immer dann, wenn es fertig war. Er sah stets von einer Bestrafung ab, und es war mir gleichgültig, daß ich das Bild nicht zurückerhielt.

Wie sollte dabei Französisch in mich kommen. Auch als mein Vater sich persönlich meiner annahm und mir daheim Unterricht erteilte, ergab sich nichts anderes als Peinlichkeiten. Ich gestand nicht, daß ich die Anfangsgründe nicht begriff, schämte mich zu sagen, daß ich gar nichts, rein gar nichts wußte. Und der Privatunterricht endete damit, daß mein Vater wieder den Klemmer verlor, mich an seine rauhe Backe drückte, und wir beide weinten.

Englisch fiel mir leicht, aber ich war völlig uninteressiert. - Dem Religionsunterricht mißtraute ich im Unterbewußtsein. - In Geographie war ich faul. - In Geschichte schwitzte ich Angst. - Naturbeschreibung hatte scheinbar nichts mit Natur zu tun. Naturlehre auch nicht. (Ich beschreibe diese Aufzählung nach einem Zensurenverzeichnis, das vor mir liegt. Den vorgedruckten Fächern sind handschriftlich Zensuren hinzugefügt.) - Zahlenrechnen fand ich entsetzlich. - Mathematik entsetzlich. - Für Freihandzeichnen zu unbegabt. - Geometrisches Zeichnen: Darüber spreche ich noch. - Schreiben ganz schlimm. - Gesang: nur ein Strich. - Turnen: Lehrer und Schüler sich gegenseitig nicht im klaren. - Alle übrigen Fächer kamen, weil sie fakultativ waren, für mich nicht in Betracht.

Im deutschen Aufsatz und in deutscher Grammatik unterrichtete der gestrenge Direktor selbst. - "Den besten Aufsatz haben

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