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Bevor ich's vergessen könnte Ein Bericht aus meiner Zeit von Jacob, Klaus H. A. (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 15.12.2016
  • Verlag: Books on Demand
eBook (ePUB)
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Bevor ich's vergessen könnte

Klaus H. A. Jacob zieht mit seinem Lebensbericht den Leser in den Bann. Er blickt zurück auf ein wechselvolles Leben, geprägt von jähen Umbrüchen in der Kindheit und Jugend. Der Zweite Weltkrieg, die Begegnungen mit britischen und ukrainischen Kriegsgefangenen, das Kriegsende, die Deportation der Familie in die Sowjetunion, die Rückkehr in die DDR, der 17. Juni 1953 in Halle, Studium, Flucht in die BRD und seine Tätigkeit als Augenarzt in Äthiopien stellen wichtige Etappen seines Lebensweges dar und spiegeln die Entwicklung seiner Persönlichkeit wider. 'Bevor ich`s vergessen könnte' ist eine persönliche Lebensgeschichte, einfühlsam und lebendig geschildert. Klaus H. A. Jacob, pensionierter Augenarzt und über viele Jahre engagiert in einer Entwicklungshilfeorganisation tätig, verknüpft Erinnerungen mit Ereignissen. So entsteht eine sympathische Familiengeschichte von den Anfängen in den 30er Jahren des letzten Jahrhunderts bis in die Gegenwart.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: AdobeDRM
    Seitenzahl: 276
    Erscheinungsdatum: 15.12.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783732218653
    Verlag: Books on Demand
    Größe: 17250kBytes
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Bevor ich's vergessen könnte

Kindheit in Leipzig, Halle an der Saale und Stolberg im Harz

D eutschland war 1936, in meinem Geburtsjahr, kein demokratisches Land. Die Nationalsozialisten hielten es unter ihrem Führer Hitler fest im Griff, der in diesem Jahr die faschistische "Achse Berlin-Rom" mit Mussolinis Italien gründete. Mit Japan wurde der sogenannte Antikominternpakt gegen den Kommunismus beschlossen. Es war auch das Jahr der Olympischen Spiele in Deutschland. Durch Rüstungsaufträge florierte die Wirtschaft.

Am 11. Januar, kurz nach Mitternacht, wurde ich in Leipzig geboren, sehnlichst erwartet von den Eltern, auch von meiner über fünf Jahre älteren Schwester Irene, genannt Reni. Seit Renis Geburt im August 1930 hatte sich die Familie nicht vergrößert. Aber die Zeiten waren damals sehr schwierig, und der Vater war lange arbeitslos.

Möglicherweise habe ich noch eine erste schattenhafte Erinnerung an die Wohnung in der Könneritzstraße, in der ich im obersten Stockwerk eines Mietshauses geboren bin. Dort war ein Laufgitter, das mich schmerzlich von meiner Mutter getrennt hielt, während sie ihre Hausarbeit erledigte . Meine Taufkirche war die Bethanienkirche gleich um die Ecke. Diese Kirche besuchte ich erstmals wieder nach 66 Jahren und erfuhr, dass sie erst zwei Jahre vor meiner Taufe fertiggestellt worden war. Ihr vom damaligen Zeitgeschmack geprägter Baustil überraschte und beeindruckte mich.

Noch im Juli 1936 zog die Familie nach Taucha bei Leipzig um. Dort wohnten wir in einer hellen Neubauwohnung mit Balkon in der damaligen Büchner-Straße. Ich erinnere mich an eine Wiese mit einem Platz zum Wäscheaufhängen hinter dem Haus. Die mit mir fast gleichaltrigen, später berühmt gewordenen Kessler-Zwillinge sollen in der Nachbarschaft gewohnt haben. Ihre schönen Beine dürften aber damals noch genauso unbeholfen wie meine gewesen sein.

Hier wurde alljährlich der sogenannte Tauchsche gefeiert, ein Volksfest in Karl-May-Manier. Jeder bekam irgendetwas Indianisches angezogen oder aufgesetzt, und so sehe ich noch heute meine Schwester Reni als kleine Squaw mit einem farbigen Stirnband, in dem am Hinterkopf eine bunte Feder steckte, neben meinem Kinderwagen gehen. Auf der Festwiese standen große Wigwams, und auch sonst gab es alles, was zum Indianerleben gehört.

Meine eigentliche Heimat aber sollte ab 1939 Halle an der Saale werden. Wir bezogen dort die Hochparterrewohnung eines Jugendstilhauses in der Krosigkstraße, der späteren Geschwister-Scholl-Straße, nahe dem Zoo.

Das Wohnen in Mietshäusern war damals noch eine recht kommunikative Angelegenheit. Man pflegte das gute nachbarschaftliche Miteinander. Familie Stolle wohnte unterm Dach. Die Frankes im zweiten Stock sind mir besonders durch den Sohn Fredi noch in Erinnerung, der mit seinem Chemie-Hobby immer Interessantes zu bieten hatte, oft verbunden mit lautem Knalleffekt. Herr Sachse war Schuhmacher mit einer kleinen Werkstatt neben unserem Hauseingang. Ich sah ihm gern beim Arbeiten zu, auch wenn er nicht allzu gesprächig war. Aber ich mochte den Geruch des Leders und des Klebstoffes. Im Krieg, als Metall anderweitig gebraucht wurde, nagelte er die Sohlen übrigens mit zwei Reihen Holznägelchen fest. Und das soll gar nicht mal so schlecht gehalten haben, weil die Nägel durch ihr Aufquellen noch fester wurden. In der gehobenen Klasse der Schuhanfertigung werden sogar heute noch Holznägelchen mitverwendet.

Dann waren da noch Peters, die Vermieter, und Schlossers, der SA-Mann mit seiner sonnig-freundlichen Frau. Von den sieben Mietparteien waren erstaunlicherweise vier kinderlos. Das gab es also auch damals schon.

Fredi Frankes Mutter war eine kräftige Frau mit rosigem Teint. Als ich ihr im Hof beim Brennholzspalten für den Badeofen zuschaute und sie in leicht gebückter Stellung ihr Dekolleté zeigte, rief ich als Vierjähriger aufgeregt über den ganzen Hof meiner Mutter zu: "Frau Franke hat

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