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Brasilientagebuch von Ribeiro do Espinho, Estevão (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 12.04.2016
  • Verlag: Books on Demand
eBook (ePUB)
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Brasilientagebuch

Ein Brasilientagebuch, wie es belangloser nicht sein könnte, lädt den Leser dazu ein, sich zu freizumachen. Es konterkariert den aktuellen "Zeitgeist" und setzt einen Gegenpol zu Action und Spannung. Das Gegenteil von Spannung ist nicht Langeweile, sondern tiefe Entspannung, mit der es dem Leser gelingt, die alltägliche Reizüberflutung hinter sich zu lassen, welche die Kinder hyperaktiv werden und die Erwachsenen vor Überforderung lethargisch vor sich hin sabbern lässt. Der permanenten vollständigen Überreizung wird in diesem Buch das Konzept der systematischen Unterreizung entgegengesetzt, die dazu führt, dass das Material zunächst schockierend wirkt, da es den medial veränderten Konsumgewohnheiten diametral entgegensteht. Lässt sich der Leser aber längere Zeit darauf ein, so eröffnet sich ihm eine verlorengeglaubte Erlebenswelt, die das Wort in den Vordergrund treten lässt und seine Wirkung auf ungeahnte Weise verstärkt.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 176
    Erscheinungsdatum: 12.04.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783741247408
    Verlag: Books on Demand
    Größe: 144kBytes
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Brasilientagebuch

Dienstag 01.08.06, 14.33 Uhr in Campina Grande, Computerzeit 19.33

Die Reise hat ihr vorläufiges Ende genommen, soweit der Weg das Ziel definiert. Das Ziel ist erreicht, gestern sind wir in Campina Grande angekommen. Zuhause für V, bekanntes aber vergessenes Territorium für G, ein Ort des Abenteuers für mich. Des erinnerten Abenteuers, um genau zu sein. Des ungewollten Abenteuers. Für einen wahren Abenteurer waren mir die Ängste stets zu präsent. Trotzdem verliefen meine Reisen meist abenteuerlich, oft aus naiver Fehleinschätzung und Fehlplanung heraus. Aus der Angst, Unnützes zu tun, wurde Verschleppung. Aus der Angst vor Verschwendung wurde Verschwendung. Geld zu sparen kostete ungeahnte Energien. Teilweise war das zwar unverzichtbare Notwendigkeit angesichts begrenzter Mittel, oft aber auch protestantisches Zwangsverhalten ohne Rücksicht auf das Selbst. Über São Paulo zu fliegen, statt direkt nach Recife konnte unter Umständen Geld sparen. Die Tickets waren trotz der längeren Strecke wegen der größeren Varietät der Fluggesellschaften, die diese Metropole im Süden anflogen, oft billiger. Drei Stunden zusätzlicher Überseeflug, ein meist mehrstündiger Aufenthalt auf dem Flughafen des Moloch und ein Binnenflug, der die Strecke von Recife nach São Paulo wieder in umgekehrter Richtung zurücklegte, waren der Preis; physische Anstrengung, bis zur Erschöpfung und darüber hinaus.

Am Abend des 29.07.2006, einem Samstag, kamen wir in Recife an, nicht aus Rio oder Sao Paulo diesmal, sondern über Lissabon, nach "nur" sieben Stunden Überseeflug. Seltsam sympathisch erschien mir diesmal das "Venedig" Brasiliens, dessen zahlreiche Kanäle leider immer noch mit Abwasser gefüllt waren, im dem keine Gondoliere Touristen umherfahrend ihr Geld verdienten. Am modernisierten Flughafen lag die neue Sympathie für die oft verfluchte Stadt sicher nicht. In den letzten Jahren wurde dieser an den internationalen Standard abgepasst: Glas, Metall, polierter Stein. Zuvor hatte er mit viel rohem Beton und braunem Kunstleder den etwas muffigen Charme der 70er Jahre versprüht. Aber dieses neue Ambiente aufzunehmen, dafür hatten wir weder Zeit noch Sinn. Als wir aus dem Flugzeug stiegen, wurde bereits Gupas Buggy für uns bereitgehalten, was uns große Hoffnung machte, auch unsere Koffer bereits jetzt wiederzusehen, was nicht bei jeder Ankunft der Fall gewesen war. Auch kamen Zweifel daran auf, da der Flug von Berlin nach München verspätet gewesen war und wir gerade eben Zeit hatten, durch die Gänge des Münchener Flughafens zu hasten und direkt in das bereitstehende Flugzeug zu steigen, das uns nach Lissabon bringen sollte. Sollten die Flughafenarbeiter es wirklich geschafft haben, in dieser Zeit unsere Koffer umzuladen? Schließlich hatte das selbst ohne Zeitdruck oft genug nicht funktioniert. Unser Blick schweifte über das Rollband, an dem sich die Passagiere drängten, um ihr Gepäck auf die bereitgestellten Wagen zu werfen.

Schon einige Male hatten wir hier gestanden, bis nur noch wir oder wenige andere Reisende außer uns warteten und als das Rollband stoppte, frustriert zur Kenntnis nahmen, dass ihre Koffer nicht mehr ankommen würden. Ein Gefühl der Hilflosigkeit vermischt mit Ärger und einem unberechtigten Hoffnungsschimmer, dass das Gepäck doch noch auftauchen würde. Diesmal standen unsere zwei Koffer, der eine 25, der andere knapp zwanzig Kilo schwer, bereits am Rand des Bandes, offensichtlich von Flughafenarbeitern dort deponiert, während wir an der Passkontrolle warteten.

Ich hatte meine Immigrationserklärung im Flugzeug ausgefüllt, V und Gupa blieb das durch ihren brasilianischen Pass erspart. Tourismus wurde als Grund der Einreise eingetragen. "Business", "Kongresse" oder "Andere" standen zur Auswahl. Die Flug- und Passnummer, Nationalität und Geburtsdatum mussten angegeben werden. Eine Zollerklärung, die für alle Familienmitglieder ausfüllt werden musste, fragte unter anderem nach zu ver

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