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Cabo da Roca Fels der Entscheidung von Kraemer, Katharina (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 20.07.2016
  • Verlag: Books on Demand
eBook (ePUB)
5,99 €
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Cabo da Roca

Katharina beginnt nach der Trennung von ihrem gewalttätigen Ehemann im Norden Portugals ein neues Leben. Es soll eine gänzlich unerwartete Wendung nehmen. Ein zufälliger Besuch aus der "alten Heimat" löst in ihr erste homoerotische Empfindung aus. Die Begegnung mit einer Matrone am Cao da Roca bringt es auf den Punkt: Es ist gleichgültig, wen du liebst, wenn du es mit ganzem Herzen tust. Das Zusammentreffen mit einer "reiferen Lesbe" weckt nicht nur erotische Fantasien. "Du musst für dich herausfinden, was du denkst und fühlst. Ich habe es dir gleich angesehen, nur musstest du es ansprechen." "Wie kann man das sehen? Ich habe kein Schild um." Am Ende stehen das innere und äußere Coming-Out. Katharina Kraemer, geboren 1964 am Niederrhein, lebt heute mit ihrer Lebenspartnerin und zwei Hunden im Süden Ungarns. Eine Vielzahl an Geschichten ist entstanden, mal nachdenklich, mal humorvoll. Neben Veröffentlichungen in mitunter gemeinnützigen Anthologien, erschienen einige Kurzgeschichten in Literaturzeitschriften. Im Juni 2016 erschien ihre Autobiografie 'Cabo da Roca - Fels der Entscheidung"

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 108
    Erscheinungsdatum: 20.07.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783741212581
    Verlag: Books on Demand
    Größe: 734 kBytes
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Cabo da Roca

Das Haus unter den Pinien

Jahrelang lag das Haus verlassen an die steilen Felsen der Costa Verde gelehnt. Trotz der an die Klippen brandende See strich der Wind sanft über die alten Mauern des Hauses und verlor sich in den knorrigen Pinien oberhalb der felsigen Bucht.

Der Atlantik breitete sich majestätisch vor mir aus, als ich das erste Mal in der Bucht stand. Damals hatte ich mir in bunten Farben ausgemalt, hier meinen Lebenstraum zu verwirklichen: vom Schreiben zu leben. Wie gern wollte ich mit gezücktem Stift und frei dahinschweifenden Gedanken dasitzen, unabhängig und doch gefördert von einem vermögenden Mäzen.

Irgendwann bleibe ich hier, schwor ich.

"Wer verirrt sich schon hierher? Niemand", meinten sie, als ich den Vertrag unterschrieb, die Eigentümer wollten das Haus loswerden. Ich schüttelte den Kopf: "Niemand ist nicht richtig. Ich habe, was ich wollte."

Mich hielt nichts mehr. Ich packte meine Koffer und zog hierher. Trotz der unsicheren Aussichten, denn meine Zukunft - beruflich wie privat - lag hinter dem silbrig schimmernden Horizont verborgen. Skeptisches Kopfschütteln meiner Familie begleitete mich und meine wenigen Habseligkeiten zum Umzugsauto.

"Ich denke, es muss sein. Allemal besser, als das Gewesene. Es ist doch egal, wie und wo auf der Welt ich lebe. Und für mich selbst mag es auch inspirierend sein."

Weit weg von all den belastenden Geschehnissen der Vergangenheit begann mein neues Leben.

"Es findet sich. Vielleicht."

Das nächste Dorf war wenige Kilometer die Küste entlang in einer Lagune, in der ein gutes Dutzend Kutter vor Anker lagen. Ein Laden, eine Post und eine Bierbar und wenige Dutzend Häuser, vor denen die Fischer ihre Netze oder auch den Kabeljau zum Trocknen aufhingen. Die Frauen verkauften auf dem Markt der nächsten Stadt oder an eine Konservenfabrik, was die Männer nachts gefangen hatten. Ab und zu hörte man einen Hund anschlagen oder das Kikeriki eines Hahnes. Die Jugend kehrte ihrem Dorf früher oder später den Rücken und kam nur wenige Male im Jahr zu Besuch oder kehrten gar nicht mehr zurück. Den Gedanken, dass sich hier Tourismus wie in anderen Regionen etablierte, der die Menschen festgehalten aber zugleich auch Unruhe gebracht hätte, fand ich eine traurige Vision. Wer wusste denn, was die nächsten Jahre brachten.

Santa, meine alte Schäferhündin, war meine einzige Gesellschaft. Sie lag mir zu Füßen und hörte aufmerksam zu, was ich ihr aus den Skripten vorlas. Besonders bei witzigen Szenen, die ich ihr wie ein Schauspiel präsentierte, schien sie ganz Ohr. Manchmal verzog sie die Lefzen zu einem schiefen Grinsen. In ihrem Fell entdeckte ich schon den einen oder anderen Silberfaden. Wie lange würde sie mich noch begleiten? Bisweilen hatte Santa Glück und schleppte einen toten Hasen an. Ich lobte sie nicht ganz freiwillig, lag es doch an mir, den Kadaver zu entsorgen. Es schien ihre Art, um meine Anerkennung und Liebe zu werben.

Heute hatte sie gottlob weniger Glück bei ihrer 'Jagd' gehabt. Sie verzog sich beleidigt. "Morgen ist auch noch ein Tag. Vielleicht hast du dann mehr Glück."

Die Tage hatten ihren eigenen Lauf, wie Ebbe und Flut, nur zuweilen eintönig. Aber ich liebte mein Leben und meine Freiheit. Die hatte ich nicht nur in meiner kurzen Ehe schmerzlich vermisst. Diese Zeit lastete schwer auf meiner Seele, trotzdem war ich von ihrem plötzlichen Ende überrascht worden. "Lieber ein Ende mit Schrecken, als ein Schrecken ohne Ende. Besser jetzt als nach zwanzig Jahren." Der Anwalt mochte ja Recht haben, doch je länger sich das Verfahren zog, desto weniger Abstand bekam ich. Die Scheidung war noch nicht einmal eingereicht. Aber das war nicht mein Problem, er hatte die Trennung herbeigeführt, jetzt sollte er sehen, wie er zurechtkam. Mir wäre ein kurzer Prozess lieber gewesen. Allein um vergessen und neu beginnen zu können. Andererseits verschaffte mir der Unterhalt eine ge

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