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Charlotte und ihre Schwestern Geschichte einer Familie von 1900 bis 1955. von Boetticher, Martina (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 26.10.2016
  • Verlag: Books on Demand
eBook (ePUB)
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Charlotte und ihre Schwestern

Die Geschichte von Charlotte und ihren vier Schwestern beginnt in Breslau, dem heutigen polnischen Wroclaw und führt den Leser vom Anfang des 20. Jahrhunderts bis ins Jahr 1955. Die verschiedenen Lebenswege der Schwestern werden geprägt durch die gesellschaftlichen Bedingungen, Wirtschaftskrisen und die beiden Weltkriege. Aber es ist auch die Geschichte der großen Liebe zwischen Charlotte und dem wesentlich älteren Rittergutbesitzer und Pferdezüchter Erich. Im Januar 1945 müssen die Schwestern vor den herannahenden russischen Truppen aus der Stadt fliehen. Sie verlassen Breslau und bestehen die Flucht, jede auf sich selbst gestellt, mit ihren Kindern, um schließlich im Westen ihr Dasein unter schwierigen Bedingungen wieder aufzubauen.

Martina Boetticher lebt mit ihrem Mann und zwei Töchtern in ihrer Wahlheimat im Norden Schleswig-Holsteins. Sie arbeitet als Stadt- und Landschaftsplanerin in Hamburg. 2005 begann sie ihre schriftstellerische und journalistische Tätigkeit und hat seitdem mehrere Bücher veröffentlicht. Sie ist Mitglied der Autorinnengruppe 'Schreibweise'.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: AdobeDRM
    Seitenzahl: 264
    Erscheinungsdatum: 26.10.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783732265978
    Verlag: Books on Demand
    Größe: 693kBytes
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Charlotte und ihre Schwestern

1918

Charlotte zieht um

Der Krieg ist endlich zu Ende, aber die Mark ist nichts mehr wert. Karls Lohn reicht kaum noch, um die Familie zu ernähren. Marie versucht zu organisieren, zu tauschen, mit dem Wenigen hauszuhalten. Bohnenkaffee kann sich kaum noch jemand leisten, aber das war eigentlich auch vor dem Krieg nicht anders. Man trinkt Ersatzkaffee aus Eicheln oder Zichorienwurzeln, statt Baumwolle webt man dünnes Tuch aus Nesselfasern oder gar aus Papiergarn. Dem Volk geht es schlecht und im ganzen Reich kommt es zu Protestmärschen, Streiks, Krawallen und Plünderungen. Als der Kaiser schließlich aus dem Land flieht, werden die Verhältnisse auch in Breslau unsicher. Scharen zurückkehrender Soldaten ziehen durch die Stadt. Die Republik wird ausgerufen.

Charlotte hat die Wirren des Krieges, die zeitweilige Not, schnell vergessen. Und jetzt ist Sommer und die Frage, ob sie mit den Freundinnen Lenchen, Else und Erika ins Schwimmbad gehen darf, interessiert sie mehr, als der Versailler Vertrag und die Reparationen, die Deutschland an die Siegermächte zu zahlen hat. Ihr Leben ist geordnet und behütet, auch wenn an vielen Ecken gespart werden muss. Der Staat sorgt für seine Beamten und so bringt der Vater immer noch jeden Monat seinen Lohn nach Hause. Über ihre eigene Zukunft hat Charlotte bisher nicht sonderlich intensiv nachgedacht, und als der Vater das Thema eines Tages beim Abendessen anspricht, ist ihr, als würde sie aus einem langen schönen Traum aufwachen.

Sie ist immer sehr gerne zur Schule gegangen, und als im Krieg damit so plötzlich Schluss ist, weil alle Schulen geschlossen werden, hilft sie der Stiefmutter bei der Hausarbeit. Sobald sich alles wieder ein wenig normalisiert, besucht Charlotte die Hauswirtschaftsschule. Lenchen zieht mit ihren Eltern nach Liegnitz. Charlotte leidet unter der Trennung von ihrer besten Freundin, auch wenn sich die beiden gegenseitig hoch und heilig versprechen, ganz viele Briefe zu schreiben und immer in Verbindung zu bleiben. Erika und Else gehen inzwischen auf die höhere Schule und Charlotte trifft sie immer seltener.

Nach dem Jahr an der Hauswirtschaftsschule stellt sich nun auch für Charlotte die Frage, was aus ihr werden soll. Mit ihren sechszehn Jahren kann sie sich noch nicht recht vorstellen, dass der sogenannte Ernst des Lebens nun beginnen soll. Auch Karl will nicht wahrhaben, dass sein geliebtes Lottchen erwachsen wird. Aber wenn er mit Marie und seiner Tochter sonntags am Oderufer entlangflaniert, entgeht es ihm nicht, dass sich die jungen Männer nach dem hübschen Mädchen mit den pechschwarzen Haaren und den wasserblauen Augen die Hälse verdrehen.

Marie, die Praktische, hat die Suche nach einer Lehrstelle für Charlotte längst in die Hand genommen. Sie kennt sich aus, fragt in den Läden für Damenkonfektion, den Parfümerien, bei der Sparkasse, bei der Schneiderin, bei der Anni ihre Lehre absolviert hat und bei der sie längst eine feste Anstellung hat. Aber es ergibt sich nichts. Wer kann in diesen Zeiten schon ein Lehrmädchen gebrauchen? Alle schütteln nur den Kopf.

Da stirbt überraschend der Mann von Tante Heinze. Tante Heinze ist Karls ältere Schwester, eine sehr liebenswerte Dame, die alle gern haben. Durch den Tod ihres Mannes ist sie mit einem Mal hilflos, denn sie leidet seit langem an einer Augenkrankheit, es mag der grüne Star gewesen sein, und ist inzwischen beinahe blind. Um den Arm trägt sie eine gelbe Binde mit drei Punkten. Für die Erledigungen des täglichen Lebens, das Putzen der großen Wohnung, Einkaufen, Kochen hat sie ein Hausmädchen. Aber wer soll für sie Briefe schreiben, ihr aus der Zeitung vorlesen, mit ihr Spazierengehen und Besuche machen? Karl und Marie kümmern sich liebevoll, kommen vorbei, sooft es ihnen neben der Arbeit und dem eigenen Haushalt möglich ist. Charlotte und Wilhelmine besuchen die Tante und helfen so gut es geht. Aber all das reicht nic

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