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Das Leben der Ursula Schulz Auf den Spuren meiner Mutter von Koletzki, Peter (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 29.03.2017
  • Verlag: Books on Demand
eBook (ePUB)
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Das Leben der Ursula Schulz

Ursula Schulz ist eine lebhafte, fröhliche Frau, die sich nicht so leicht unterkriegen lässt. Doch der Krieg macht auch ihr schwer zu schaffen. Als sie beschließt, in Posen sich eine neue berufliche Existenz aufzubauen, gelingt es ihr, eine Stellung in der Küche eines sehr guten Hotels zu finden. Bald darauf verliebt sie sich in einen österreichischen Soldaten, beide sind glücklich zusammen, obwohl sie sich nur selten sehen können. Als Ursula in den letzten Kriegsmonaten aus Posen fliehen muss, hat sie den kleinen Peter an ihrer Seite. Die Flucht von Mutter und Sohn führt nach Dresden-Roßlau, und später nach Hamburg, in die Stadt, aus der sie stammt. Der Roman erzählt die Geschichte der Ursula Schulz aus der Perspektive eines kleinen Kindes. Ein Sohn macht sich als Erwachsener auf, das Leben seiner Mutter und die ersten Jahre seines eigenen Lebens zu recherchieren. Entstanden ist dabei ein Roman voller Zeitkolorit, der einen unmittelbar in die letzten Kriegstage zurückversetzt. Ursula Schulz gelingt es, für sich und ihren Sohn eine neue zwischenzeitliche Heimat zu finden, bevor beide nach Hamburg zurückkehren. Ein eindrückliches Leseerlebnis.

Peter Koletzki, geboren 1943 in Posen, lebt seit 1948 in Hamburg. Nach der mittleren Reife begann er eine Lehre als Schiffsmakler und machte sich in diesem Beruf selbstständig. 2010 übergab er die Firma an seinen ältesten Sohn. Er bekleidet eine Reihe von Ehrenämtern, seine Hobbys sind Sport, Reisen und Schreiben.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 404
    Erscheinungsdatum: 29.03.2017
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783744841702
    Verlag: Books on Demand
    Größe: 847kBytes
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Das Leben der Ursula Schulz

Dessau-Roßlau

Als die Stadtgrenze erreicht war, nahm Heinsen eine Zählung vor. Auf drei Wagen verteilten sich vier Männer, sechzehn Frauen und zwölf Kinder.

"Wie ihr wisst, haben wir eine andere Route genommen als ursprünglich geplant", begann Heinsen. "Das war gut für uns, aber jetzt haben wir das Problem, dass wir hier von den offiziellen Versorgungsstellen nicht angenommen werden, weil wir nicht angemeldet sind. Etwa drei Kilometer von hier gibt es einen alten Gasthof. Wir können den ehemaligen Tanzsaal zum Schlafen bekommen. Dort können wir unser Gepäck ordnen und uns endlich mal wieder waschen. Dann versuchen wir, einen Platz in einem Zug zu bekommen. Bis dahin rührt sich keiner vom Fleck - sonst ist sein Platz weg. Einverstanden?" Dann sah er meine Mutter an. "Fräulein Schulz, können wir kurz miteinander reden?"

Beide tuschelten miteinander, und bald machte meine Mutter eine abwehrende Handbewegung. Danach ging das Gespräch deutlich erregter weiter. Schließlich sah es so aus, als ob meine Mutter nachgeben würde. Sie ging zum Wagen zurück, nestelte an ihrem Gepäck herum und drückte Heinsen ein kleines in Papier eingeschlagenes Päckchen in die Hand. Der Kommentar, den sie dazu abgab, schien Heinsen nicht zu erfreuen. Brüsk drehte er ab.

Lotte kam auf meine Mutter zu. "Ursel, kann ich dir helfen? Hier stimmt doch etwas nicht."

Meine Mutter sah verzweifelt aus. "Lotte, du weißt, dass ich mich dir ganz anvertraue. Und vorhin habe ich euch erzählt, wie ich für Bertl und sein Tabakgeschäft zu einer wichtigen Schaltstelle wurde. Ich habe den gesamten Tabak, der sich bei mir angesammelt hat, dabei. Glaub mir, das ist eine ganze Menge. Irgendwie hat das Heinsen im wahrsten Sinne des Wortes gerochen. So ist das halt: Ich brauche ihn, weil ich für Peterle Lebertran brauche, und er nutzt das für sich aus. Heinsen macht für mich Tauschgeschäfte. Aber langsam wächst mir das über den Kopf. Wenn wir in dem Gasthof unterkommen, wird das von mir bezahlt, mit meinem Tabak. Es gibt nichts mehr umsonst, schon lange nicht. Für alles muss bezahlt werden, und Heinsen zapft mich regelmäßig an. Ich muss hier weg, Lotte. Irgendwann kommt es zum Streit mit ihm."

Lotte war die Verwirrung anzusehen, aber sie beschloss, sich mit dieser Erklärung zufrieden zu geben. Sie wusste, dass meine Mutter eine ehrliche, verlässliche Frau war.

Stunden später erreichten unsere Wagen den Gasthof. Schwerfällig und steif gefroren stiegen alle ab und reckten und streckten sich. Die Männer begannen, das Gepäck abzuladen, während sich die Mütter mit den Kindern eine Schlafecke einrichteten. Das Besitzerehepaar hieß alle willkommen und verteilte eine dünne, aber warme Suppe. Dazu gab es Brot und ein wenig Käse. Für die Kinder war die warme Milch am wichtigsten.

Alle waren zum Umfallen müde und hatten nur einen einzigen Wunsch: warm und ohne Angst ein paar Stunden schlafen zu können.

Entschlossen zog sich meine Mutter mit Lotte und Margaretha in eine Ecke zurück. Die beiden sahen sie neugierig an.

"Ich bin so müde wie ihr und muss unbedingt endlich mal richtig schlafen. Aber ihr sollt wissen, was hier vorgeht." Sie atmete tief durch. "Von dem Tabakgeschäft, das ich von Bertl geerbt habe, habe ich euch erzählt. Alles in allem hatte ich mehr als zehn Kilo Tabak und ziemlich viele Päckchen mit feinstem Zigarettenpapier gehortet. Von dem Teil, der mir gehören sollte, habe ich nach und nach Schmuck gekauft, guten, teuren Schmuck. Das ist meine Währung, mit der ich mir und Peterle ein neues Leben schaffen möchte. Wenn jemand erfährt, was für Sachen ich hier mit mir herumtrage, muss ich um mein Leben fürchten. Inzwischen schlagen sich die Leute doch schon für ein Stück Brot den Schädel ein. Heinsen hat keine Ahnung, wie viel Tabak ich habe, er darf es auch nicht erfahren. Aber er ist hartnäckig, er wird mir keine Ruhe geben. Deshalb muss ich schauen, dass ich hier wegkomme."

Lächelnd f

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