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Das Leben Friedrich Hölderlins von Michel, Wilhelm (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 12.11.2015
  • Verlag: Reese Verlag
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Das Leben Friedrich Hölderlins

Das Leben Friedrich Hölderlins, von den frühen Kinderjahren bis zum Leben in der Umnachtung, Hölderlins deutsche Bedeutung und seine Bedeutung für die Nachwelt, hier wird es kenntnisreich beschrieben. 'In dem Michelschen Buch las ich noch auf dem Rückweg und las abends daraus vor, staunend und oft bewundernd.' (Rainer Maria Rilke) 'Hölderlin ist, wie sein Empedokles, ein Fall, wo ein schicksalverhängtes Lebensungenügen der Zeit in einer großen Persönlichkeit biographische Wirklichkeit wird und sich so eine Lösung erarbeitet. Die Not der Gemeinschaft wird Lebensnot eines großen Individuums und gelangt in diesem zum Bewußtsein und zum Ausdruck, sie erzeugt geistesgeschichtliche Tendenz. Die Not der Gemeinschaft, der Hölderlins Leben als Paradigma, als heilbringendes Opfer und als rettende Weisung zugeordnet war, stellte sich in vierfacher Erscheinung dar. Sie war gegeben als die aus der kritisch-idealistischen Philosophie erwachsene Problematik, als das Klaffen zwischen Bewußtsein und Leben, Denken und Sein, zwischen Geist und Natur, zwischen Ich und Welt; somit als Kampf um die Einheit des Menschen unter den Fragestellungen der Zeitphilosophie. Sie war zweitens gegeben als die geschichtliche Problematik Deutschlands, d. h. als die Lebensnot des deutschen Volkes, das in der Einklemmung zwischen den Positionen der politischen Leiblichkeit und dem Lebensdrang des Nationalgeistes um sein Volks-Ich einen beispiellosen Kampf zu kämpfen hatte: Problematik einer unerfüllten Zeit mit dem Zerfall des alten Reiches, wo das Falsche, nämlich der freigesetzte Teil, politisch wirklich war als partikulare Staatlichkeit, das Wirklichste aber, nämlich das Zentrale, das Reich chimärisch. Sie war drittens gegeben als die Einklemmung zwischen der Idee der Freiheit (Revolution) und der Idee der Bindung an Bestehendes, eine Einklemmung, die die Geister zwischen Hoffnungen und Enttäuschungen hin und her warf.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 578
    Erscheinungsdatum: 12.11.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783959800228
    Verlag: Reese Verlag
    Größe: 793 kBytes
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Das Leben Friedrich Hölderlins

Einführung: Herkunft und Eltern

Die Stammesgliederung des deutschen Volkes hat seit alten Tagen Gewicht und lebendige Bedeutung. Gerade bei dem Stamme, dem Friedrich Hölderlin angehört, bei den Schwaben, leuchtet das hervor. Von den umgebenden Stämmen Süddeutschlands - vom Norden nicht zu reden - hebt sich ihr Wesen sehr bestimmt ab. Namentlich ist seit alters die schwäbische Greistesregung mit charaktervollen Zügen hervorgetreten. Ein breites Natur- und Volksgefühl zeigt sich in diesem Stamm, doch stets in eigenartiger Verbindung mit einer grüblerisch-ideellen, ich-betonten Gesamtrichtung. Sie liegt der schwäbischen Willensausbildung (Zähigkeit, Treue, bis zu dem vielberufenen schwäbischen Eigensinn) zugrunde, und sie stiftet andrerseits jene reich ausgebauten schwäbischen Denk- und Dichtungswelten, in denen die wagemutige Spekulation und die reine kindliche Seele gleichzeitig ihr Recht durchsetzen. Um nur die jedem geläufigen Namen zu nennen: Denker wie Hegel, Schelling, Oetinger, Dichter wie Schiller, Uhland, Kerner, Mörike bezeugen den außerordentlichen schwäbischen Beitrag zum deutschen Geistesleben. Eine steilere Ichgestalt, ein unzugänglicheres Innenleben, ein unmittelbareres Verhältnis zu den ewigen Bezugspunkten Gott, Natur, Idee zeichnet die Welten dieser Männer aus.

Auch bei Hölderlin ist durch sein Schwabentum vieles, was sein Wesen und sein Schicksal ausmacht, schon benannt oder doch angeleuchtet, namentlich jenes Verwiesensein auf das innere Gesetz, das Vorwiegen der von innen her wirkenden Bestimmungsgründe seiner Weltbearbeitung. Ebenso kann man als ein Stammeserbe Hölderlins die innige Naturbeziehung nennen, die ja jener Innerlichkeit keineswegs entgegengesetzt, sondern ihre erste reine Ausatmung ist. Scheint Natur auch zum "Außen" zu gehören, so wirft sie doch der Innerlichkeit keinen realen Widerstand entgegen, wie es die eigentliche Menschenwelt immer tut. Vielmehr nimmt die "Natur" alle Innerlichkeit liebend in sich auf und fügt sich, mitklingend und seelenhaft, ihrem Gesetz, ihrer Forderung. Die Rückbeziehung Hölderlinischer Wesenszüge auf sein Schwabentum findet sich oft schon bei seinen Zeitgenossen, angefangen von Schiller, der ihn "seinen liebsten Schwaben" nannte, bis zu dem Tischlermeister Zimmer, bei dem er im Tübinger Hölderlinturm seine letzten Jahrzehnte verlebte und der die "Hartnäckigkeit", mit der Hölderlin in seinem unfaßlichen kranken Wesen verharrte, erklären zu dürfen glaubte: "Ja, dafür ischt er a Schwab; was a Schwab ischt, das ischt er gründlich" (Äußerung zu dem Schriftsteller F. Gustav Kühne im Sommer 1836).

Hölderlins Vorfahren erscheinen enggeschart im Landschaftsraum des schwäbischen Stammes. Der erste bezeugte Ahne, Hans Hölderlin (1525-1585) war Bürgermeister und Vogtamtsverweser in demselben Städtchen Nürtingen, in dem Hölderlin seine Kindheit verlebt hat. Neuerdings hat Hans Wolfgang Rath (in noch ungedruckten Forschungen) savoyardische Vorfahren der Familie nachzuweisen gesucht. Wie dem auch sei, die Urkunden zeigen die Vorfahren väterlicherseits durchgehends im schwäbischen Land. Wiederholt erscheinen unter ihnen Geistliche; der Beruf eines Klosterhofmeisters, d. h. eines Verwalters der Einkünfte von ehemaligen Klostergütern für die protestantische Kirchenbehörde, kommt in mehreren Generationen vor. Klosterhofmeister war auch der Vater des Dichters, Heinrich Friedrich Hölderlin (1736-1772) in Lauffen am Neckar, dessen felsen- und strombelebtes Landschaftsbild, mit alter Geschichte bedeutsam durchwirkt, von großem Reiz ist. Mit dem Ort ist die rührende Legende des heiligen Kindes Regiswindis verbunden. Ihr zu Ehren entstand 990 ein Benediktinerinnenkloster, das 1551 eingezogen und seitdem von einem Klostervogt für das Stuttgarter Konsistorium verwaltet wurde. Das Kloster verfiel; der schöne Kirchenbau war zu Hölderlins Zeit schon längst Ruine. Heute steht auch das Verwaltungsgebäude, das Hölderlins G

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