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Das Mädchen, das aus der Stille kam von Bollag, Fiona (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 16.05.2014
  • Verlag: Bastei Lübbe
eBook (ePUB)
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Das Mädchen, das aus der Stille kam

Sie kam taub zur Welt, aber zunächst wusste niemand, dass Fiona nicht hören konnte. Sie musste lernen, jedes Wort von den Lippen abzulesen, hatte keine Ahnung, wie Musik klingt. Mit sechzehn bekam sie ein neu entwickeltes Implantat eingesetzt - und lebt seitdem in einer ganz anderen Welt. Fionas Buch erzählt die Geschichte einer jungen, lebenslustigen Frau, die weiß, dass Hören ein Geschenk ist - aber auch, dass die Jahre der Stille lebenswert waren. Denn damals wurde sie stark, um die Welt mit allen Sinnen zu erobern.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 223
    Erscheinungsdatum: 16.05.2014
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783838756035
    Verlag: Bastei Lübbe
    Größe: 957 kBytes
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Das Mädchen, das aus der Stille kam

KAPITEL 2

I ch bin ein Wunschkind. Meine Mutter wünschte sich ein drittes Kind ebenso sehr wie mein Vater. Meine Geschwister wünschten sich einen Spielkameraden, den sie beschützen konnten, dem sie alles erklären und erzählen durften, um das Leben zu teilen. Sie alle wünschten sich jemanden zum Liebhaben.

Ob Hören dafür wichtig ist?

Menschen, die gehörlos sind, leben wie in schalldichten Kammern inmitten des Lärms dieser Welt. Solange sie kein Implantat tragen, sind sie ausgeschlossen von dem Fluss der Gespräche und den Gesängen der Natur. Sie kennen weder das Rauschen des Windes, das Donnern der Brandung noch das Zirpen der Grillen. Sie hören auch kein hupendes Auto oder einen herandonnernden Zug. Sie spüren die Vibrationen des Schalls mit dem Körper, doch sie hören nicht, wenn sich jemand von hinten nähert und sie ruft.

Oft sind sie sich selbst überlassen und allein. Doch sie sind nicht einsam, solange sie geliebt werden.
Wenn der Schnee taut ...

Als meine Mutter spürte, dass sie schwanger war – und sie spürte es gleich –, waren sie und mein Vater überglücklich. Es war Hochsommer, und meine Geschwister waren in einem Sommercamp des Jugendbundes in den Bergen, damit meine Eltern arbeiten konnten. Meine Mutter fühlte sich wohl; sie hatte nie viel Aufhebens um ihre Schwangerschaften gemacht. Das Leben mit all seinen Verpflichtungen ging weiter wie gewohnt, auch wenn sich ein Stück vom Glück in ihrem Bauch verbarg.

Am Ende der Ferien holten meine Eltern David und Joelle ab. Die beiden hatten eine ereignisreiche Zeit in einem Camp gehabt, waren gewandert, geschwommen und hatten einige Abenteuer erlebt. Doch als sie im Auto saßen und meine Eltern ihnen erzählten, dass sie ein Geschwisterchen bekommen würden, stellte diese Neuigkeit alles Vorherige in den Schatten. Wie lange hatten sie meinen Eltern in den Ohren gelegen mit ihrem Wunsch nach einem Bruder oder einer Schwester, und endlich wurde ihnen dies erfüllt!

Der Altersunterschied zwischen David und Joelle betrug eineinhalb Jahre. Sie standen einander sehr nahe und stritten entsprechend viel, da sie miteinander wetteiferten und jeder seine Meinungen und Interessen durchsetzen wollte. Nun war David bald neun Jahre alt, und wann immer er an seinen neuen kleinen Bruder oder seine kleine Schwester dachte, fühlte er sich sehr souverän. Er würde ihm – oder ihr – die Welt erklären, und bei einem so kleinen Wesen, das er zudem würde beschützen müssen, gab es ja nun wirklich keinen Grund zur Eifersucht. Joelle war sieben; sie war ein eher stilles Mädchen, außer wenn sie mit David stritt, spielte am liebsten mit ihren Puppen und war eine richtige Leseratte. Ständig hatte sie ihre Nase in einem Buch stecken, und manchmal las sie sogar auf dem Schulweg, während des Gehens. Sie war außer sich vor Freude, nun bald mit einer "echten" Puppe spielen zu dürfen, sie zu füttern, zu wickeln und im Kinderwagen spazieren zu fahren.

"Wann ist es denn so weit? Wann kommt unser Baby zur Welt?", fragten sie aufgeregt.

"Im April", verriet meine Mutter.

"So lange?"

"Zuerst kommt der Herbst und dann der Winter. Da könnt ihr Ski fahren gehen und Schneemänner bauen. Und wenn der Schnee taut und es Frühling wird, kommt der April. Dann habt ihr einen neuen Spielkameraden."

Wenn der Schnee taut, kommt der April, und er bringt uns das neue Geschwisterchen. Dachten sie.

Hätte es doch nur bis zum April gedauert!
Wenn plötzlich das Glück sich mit Sorge vereint

Meine Mutter hatte sich

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