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Das Schiff ohne Steuer (Historischer Roman) Das Deutsche Reich der Bismarckzeit - Politischer Roman von Stratz, Rudolf (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 26.07.2016
  • Verlag: e-artnow
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Das Schiff ohne Steuer (Historischer Roman)

Dieses eBook: 'Das Schiff ohne Steuer (Historischer Roman)' ist mit einem detaillierten und dynamischen Inhaltsverzeichnis versehen und wurde sorgfältig korrekturgelesen. Aus dem Buch: '...Bismarck ... Bismarck ... immer Bismarck ... Es macht einen schon ganz nervös, dies ewige: Bismarck! Ich gebe zu, es war eine Hundearbeit, Deutschland zu einen. Aber es nun weiter zu regieren, ist keine Kunst bei der beispiellosen und dauernden Gunst der Verhältnisse! Bismarck ist doch nun einmal ein Hinterpommer - ein genialer Hinterpommer ... ein übermenschlicher Hinterpommer, aber eben ein Hinterpommer! Wir müssen aus Hinterpommern heraus! Aus dieser göttlichen Einseitigkeit heraus! Hinaus in die Welt! Übers Meer! Es wird ein Sturm durch alle Winkel pfeifen. Man wird Steuerleute für das Reichsschiff brauchen, wenn die neue Zeit kommt! Na ... und da ... unter anderen ... ein gesetzter Jüngling wie ich ... bestens empfohlen ... Geld ... na ... spielt bekanntlich bei mir Gott sei Dank keine Rolle ... Verbindungen mit Gott und der Welt ... Nur ein einziges Manko ...' Rudolf Stratz (1864-1936) war ein erfolgreicher Romanschriftsteller, Theaterkritiker und Essayist.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 359
    Erscheinungsdatum: 26.07.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9788026867074
    Verlag: e-artnow
    Größe: 827 kBytes
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Das Schiff ohne Steuer (Historischer Roman)

II.

Inhaltsverzeichnis
Unter den Linden in Berlin zuckte der Tamdourstock der aufziehenden Schloßwache, wehten die roten Roßschweife über den Schwalbennestern der Hoboisten, klingelten die Glöckchen am Schellenbaum, schmetterte die Trompete, donnerte die Pauke. Steinerne Rüstungen und Helme standen auf den Zinnen des Zeughauses vor dem blaßblauen Herbsthimmel, eroberte französische Geschütze unten im Kastanienwäldchen. Der Alte Fritz ritt ragend auf seinem ehernen Roß, umschildert von seinen Generalen. Der Große Kurfürst lenkte drüben auf der Brücke seinen Bronzehengst über gefesselte Feinde. In weißem Marmor gleißten die Kämpfergruppen auf der Schloßbrücke. Vier Pferde bäumten sich aus dem Brandenburger Tor vor dem Streitwagen der Viktoria. Aus hoher, aus dem Erz feindlicher Kanonen gegossener Säule breitete weithin die Siegesgöttin die goldenen Flügel vor dem Herbstbunt des Tiergartens. Die Denkmäler von Feldherren überschatteten den Schloßplatz. Ein Wehen von Siegen war über der breiten Triumphstraße der Linden, der Ruhm ritt unsichtbar vor den weißbebuschten Helmen der heranmarschierenden Gardegrenadiere im Sparta an der Spree.

Zwei Paukenschläge bollerten in das Rasseln der Kalbsfelle. Das schrille Zwitschern der Pikkolos lockte. Der Knauf des Stabshoboisten flog flimmernd in die Luft. Die Musik setzte vor dem Alten Palais brausend und feierlich ein: "Heil dir im Siegerkranz ..."

Hunderte von Menschen standen da. Sie hatten schon seit einer Stunde gewartet. Die Herren schwenkten die Hüte, die Damen wehten mit Tüchern, die Kinder hoben die Hände. Begeisterte Augen schauten zu dem linken Eckfenster zur ebenen Erde empor.

Ein greiser General, ein General in Purpur, war hinter der hohen Scheibe erschienen. Kaiser Wilhelm der Siegreiche stand jetzt, 1887, im einundneunzigsten Lebensjahr. Menschen und Völker waren hinter ihm verweht. Die einst an seiner Seite in den Freiheitskriegen gestritten, die ihm im tollen Jahr 48 zur Flucht nach England verholfen, die hinter ihm in Eichenlaub und Jubel als Sieger von Düppel, Königgrätz und Sedan durch das Fahnenmeer von Berlin eingezogen, sie blickten fast alle schon von oben, von der großen Armee her auf die neue Reichshauptstadt nieder. Vor seinem weißen Haupte war die Zeit stillgestanden, als sei er ihr Gleichnis und ihr Ausdruck. Es war nicht der einzelne, gebeugte Greis im offenen, blauen Überrock mit den scharlachroten Generalsklappen, dem weißen Stehkragen und der unvorschriftsmäßigen weißen Weste darunter, den man dort sah - es war das alte Preußen selber, das auf sein Volk hinabschaute. Seine Augen waren freundlich und blau und immer noch klar. Eine unbeirrbare, hellsehende Nüchternheit umfloß das farbige Bild des alten Herrn im dunklen Rahmen des Fensters. Ein ausgeglichenes, nicht von Sieg, sondern von Pflicht erfülltes Menschenleben leuchtete im letzten Gipfelrot.

"... fühl in des Thrones Glanz
Die hohe Wonne ganz,
Liebling des Volks zu sein ..."

Die Menge sang zur Musik mit. "Zurück!" brüllten die berittenen Schutzleute und lenkten die Pferdebrust gegen die heranschwellende Begeisterungsflut. "Zurück!"

"Heil, Kaiser, dir"

Drüben verschwand der alte General gleich einer zeitlosen, mahnenden Vision. Kaiser Wilhelm hatte sich, wie alltäglich um die Mittagsstunde, seinem Volke gezeigt und sich wieder zurückgezogen. Das Eckfenster war leer. "Auseinandergehen!" heulten die Schutzleute in Tönen, die man nur in Berlin und sonst nirgend auf der gesitteten Erde vernahm. Die Menge, in der alle deutschen Mundarten sich freudig mischten, strömte gehorsam wie eine Herde Schafe in schwarzem Gerinnsel über die Linden und den Opernplatz davon und löste sich im herbstlich übersonnten Alltag auf.

Der Geheime Legationsrat Doktor Alfons von Spängler-Colosimo hatte in Ehrfurcht vor dem Allerhöchsten Herrn die Elfenbeinglatze entblößt und das bandlose Einglas mit einem geübten Ruck

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