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Das Staatskind Ein Ausnahmefall?. von Binger, Giulia (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 09.06.2015
  • Verlag: novum pro Verlag
eBook (ePUB)
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Das Staatskind

Mirjam ist acht Jahre alt, als ihre Mutter Evelyne am Abend des Weihnachtstages 2009 stirbt. Die genauen, zum Tod führenden Umstände bleiben bis heute mysteriös. Vieles blieb und bleibt ungeklärt. Mirjam kommt zu Evelynes Eltern in Obhut. Doch nach einigen Monaten, die Mirjam mit den Großeltern auf ihrem Weingut in der Toskana verbringt, steht für alle die Rückkehr in die Schweiz bevor - und damit der Anfang einer Odyssee durch staatliche und andere Instanzen, die heute noch nicht zu Ende ist. Die negativen Auswirkungen der staatlichen Machtausübung verändern das Kind zunehmend und werden geflissentlich verdrängt. Unnötige fürsorgerische Zwangsmaßnahmen, die ganze Familien zerstören können, Gewinnstreben und die Bereicherung Einzelner stehen im Vordergrund. Das Vertrauen in den Vorzeigestaat Schweiz wird bei dieser Lektüre zutiefst erschüttert. Es kommt der Verdacht auf, dass eine nächste Generation die unprofessionelle Trennung vieler Kinder von ihren Familien und deren Zuweisung in öffentliche und private Anstalten aufzuarbeiten haben wird, wie dies bei der gegenwärtigen Auseinandersetzung mit der Verdingkinder-Tragik vor 60-70 Jahren der Fall ist.

Die Autorin wurde 1940 in der Schweiz geboren, war jahrelang Geschäftsführerin einer Privatschule und führt ab 1990 gemeinsam mit ihrem Mann ein erfolgreiches Weingut in der Toskana.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 244
    Erscheinungsdatum: 09.06.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783990387139
    Verlag: novum pro Verlag
    Größe: 375kBytes
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Das Staatskind

Auf die falschen Pferde gesetzt

Auch wenn die Tage ihren regelmäßigen Lauf nehmen, wenn unsere kleine Welt unverändert scheint, arbeitet es in unseren Köpfen und Seelen wie in einem Bienenkorb. Mit anderen Worten: Der Hergang am 25. Dezember und was darauf folgte, lässt uns keine Ruhe, und eines Tages raffe ich mich auf, mehr Aufklärung zu verlangen. An einen unserer Familie, vorab meinem Exmann, sehr verbundenen Juristen sende ich folgenden Brief:

"Betrifft: Meine Tochter Evelyne.

Lieber R.

meines Wissens hat mein Ex-Mann kurz nach Evelynes unerwartetem Hinschied am 25. Dezember mit Dir Kontakt aufgenommen, um von Dir Mithilfe zur Gewährleistung einer einwandfreien Aufklärung zu erbitten. Ich selbst war mit allem Anfallenden in der unmöglichsten Zeit des Jahres so beschäftigt, dass ich erst heute Zeit finde, meine Fragen, Zweifel, Feststellungen zu notieren.

Bitte teile uns mit, ob Du im Zusammenhang mit der Aufklärung von Evelynes Tod ein Mandat übernehmen würdest. Du könntest mir einen entsprechenden Vordruck per E-Mail senden und ich würde diesen unterschrieben per Fax und das Original per Post an Dich zurücksenden.

Hier muss ich vorausschicken, dass Harry und ich daran sind, unser Weingut zu veräussern, d. h. Ende Februar, anfangs März findet die Unterzeichnung des Vorvertrages beim Notar statt, anschliessend sind wir noch für den ganzen Monat März zwecks Übergabe und Einführung auf dem Weingut und kehren dann in die Schweiz zurück. Wohin, ist im Moment noch nicht entschieden, da die Vormundschaftsbehörde Bischofszell über Mirjam berät und uns möglicherweise zu ihrem Vormund macht. Bischofszell schliessen wir aus, da wir dahin keinerlei Beziehungen haben, allenfalls kommt Botthighofen infrage, da auch Andres, Mirjams Götti, da wohnt und wir uns in der Obhut etwas abwechseln könnten.

Da möglicherweise auch der Vater Silvio von Italien aus Rechte geltend machen könnte, wird die Situation nicht einfacher. Er hat wegen des Besuchsrechts bereits mit Anwalt gedroht, obwohl da ein gültiges Frauenfelder Gerichtsurteil vorliegt. Dass das Kind ihm anvertraut würde, ist aus meinem Gesichtspunkt ausgeschlossen (Details bei Bedarf).

Das ist die Ausgangslage.

Nun zu Evelynes Tod.

Wir hatten ein normales Mutter-Tochter-Verhältnis mit wöchentlichen Anrufen und monatlichen Besuchen oder Treffen, manchmal auch Ferien hier in Italien (mit Gesprächen über das Kind, den Partner, Gesundheit usw., auch manchmal über Intimeres, was halt Frauen zusammen sprechen). Sicher hatten wir beide auch unsere Geheimnisse, aber ich darf sicher sagen, dass ich Evelyne gekannt habe.

Ich glaube Folgendes nicht:

1. Den Aussagen von Paul R., ihrem Partner (Protokoll seiner Vernehmung einsehbar beim Bezirksamt Bischofszell).

2. Dass Evelyne sich in irgendeiner Weise selbst etwas angetan hätte. Dafür war ihr Verantwortungsgefühl gegenüber ihrem Kind und die gegenseitige Bindung (vielleicht die Einzige, die sie im Moment gekannt hat) zu gross.

Hier muss ich einfügen, was ich bis jetzt weiss.

Evelyne ist irgendwann am 25. Dezember, wahrscheinlich abends, gestorben. Tags zuvor hatten wir im Haus von Andres in Bottighofen glücklich und zufrieden Weihnachten gefeiert. Evelyne und Paul R. sind um ca. 11.15 Uhr nach Hause gefahren. (Alle Personen mit Ausnahme des Arztes, die mit der Aufklärung des Falles betraut sind, waren wegen des Feiertages Ersatzleute.)

Das Protokoll habe ich nicht gesehen. Meine Kenntnis basiert auf den Aussagen von Andres, der sich nach dem Anruf Pauls direkt nach Bischofszell begeben hat und dem stellvertretenden Statthalter D. (Tel., 079 ...), der in einem meiner ersten Anrufe sagte , Evelyne hätte schon 7/8 ihrer Antidepressiva etc., die der Arzt ihr über die Festtage verschrieben hätte, geschluckt und sei wahrscheinlich sehr alkoholisiert gewesen. Die Todesursache sei Er

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