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Den Himmel berühren Meine Geschichte von Trauer und erneutem Glück von Bosshard, Barbara (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 01.07.2016
  • Verlag: Wörterseh Verlag
eBook (ePUB)
4,99 €
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Den Himmel berühren

Was passiert, wenn die geliebte Partnerin mit einer Brustkrebsdiagnose nach Hause kommt? Wie geht das Leben weiter, wenn die Krankheit viel Raum und Platz fordert? Wie lässt sich der Tod aushalten, wenn die geliebte Frau nach vierundzwanzig gemeinsamen Jahren stirbt? Wie lässt sich Abschied nehmen? Wie wichtig ist es zu trauern? Wie können Endlichkeit und Tod akzeptiert werden? Wie fühlt es sich an, langsam wieder ins Leben zurückzufinden? Barbara Bosshard erzählt, ohne zu beschönigen, von einem langen gemeinsamen Weg, der von Liebe, Glück und Hoffnung, aber auch von Leid, und Trauer geprägt war. Und schließlich erzählt die Autorin davon, wie eine neue Liebe sie wieder glücklich werden ließ, ohne dass Judith, die Verstorbene, dabei in Vergessenheit gerät. Das Buch 'Den Himmel berühren' ist eine hoffnungsvolle Geschichte, die berührend aufzeigt, wie man an schwierigen Situationen wachsen kann, und in welcher weder der Tod noch die lesbische Liebe der Autorin ein Tabu sind. Barbara Bosshard, geb. 1951, ist Journalistin und mit einem Teilzeitpensum Ausbildnerin beim Schweizer Fernsehen. Als Redaktorin war sie für verschiedene Sendungen tätig, darunter auch für die 'Rundschau', das Nachrichtenmagazin '10 vor 10' und die Abteilung Kultur. Als Dokumentarfilmerin realisierte sie verschiedene Filme zu gesellschaftlichen Themen. Unter anderem begleitete sie Überlebende des Attentats von Luxor während deren Trauerjahr und dokumentierte den Alltag von alten Menschen im Altersheim. 'Nicht still stehen - Gespräche zum letzten Lebensabschnitt' mit einer 94-jährigen Frau ist ihre jüngste filmische Arbeit. 1998 erkrankte ihre langjährige Lebenspartnerin an Brustkrebs und starb zehn Jahre später. Aus den Notizen, die die Filmerin und Autorin während dieser Zeit und während ihrer intensiven Trauerarbeit gemacht hat, ist das Buch 'Den Himmel berühren' entstanden. Heute lebt sie mit ihrer neuen Lebenspartnerin in Zürich und am Bodensee.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 252
    Erscheinungsdatum: 01.07.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783037635056
    Verlag: Wörterseh Verlag
    Größe: 1489 kBytes
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Den Himmel berühren

Ich beginne, dem Leben langsam wieder zu vertrauen. Zuerst nur sachte - dann verabschiedet sich, je länger die Zeit ohne Rückfall dauert, die permanente Angst immer mehr aus meinem Alltag. Mit jedem Tag ohne erneute Schreckensmeldung liegen die Rückfälle um einen Tag weiter zurück. Ich beziffere den komplikationsfreien Abstand zum Ausgangspunkt zuerst in Wochen und dann in Monaten. 24 Monate nach dem dritten Eingriff beginne ich, Judith wieder vermehrt in meine Zukunftsplanung miteinzubeziehen. Auch unser gemeinsamer Radius wird sukzessive größer. Judith bleibt zwar misstrauisch, trotzdem kommen Lachen und Lust auf Neues auch bei ihr zurück.

Wir wandern, und der zweite Wald in unserer unmittelbaren Nähe gehört wieder uns. Wir können erneut wählen zwischen rechts und links der Limmat, zwischen Zürichberg und Üetliberg; zwischen Kummerwald und Fitnesswald. Der eine behält seine Aufgabe als Ort unserer Problembewältigung, der andere wird mit seinem steil ansteigenden Weg zur Teststrecke für Judiths körperliche Verfassung.

Nach dreißig Monaten hat sie auch wieder Kraft und Energie. Zwar nicht mehr so wie früher, als wir zusammen in Kuba, Mexiko und den USA gewesen waren, dennoch sind wir glücklich, dass wenigstens ein Teil davon zurück ist und sie in den Bergen wieder Schritt halten mag. Nach 36 Monaten Stabilität und Ruhe verbringen wir hin und wieder auch ein verlängertes Wochenende außerhalb der Stadt; weg von Lärm, Stress und, je nach Jahreszeit, Nebel oder Hitze. 2004, im Sommer, schaffen wir sogar, was sich Judith seit langem gewünscht hatte und sich ihrer Schwäche wegen nicht mehr zutraute - wandern in Etappen, immer weiter, so wie ich es zu Beginn ihrer Krankheit gemacht hatte, als ich im Engadin allein unterwegs war.

Für unsere mehrtägige Wanderung wählen wir das Gebiet des Alpsteins. Seine Schönheit hatte ich bei meiner Fernseharbeit entdeckt: Vor einem Jahr war ich für die Sommerserie "Bsuech in..." im Rheintal und in diesem Zusammenhang mit der Seilbahn zur Stauberenkanzel hochgefahren. Das Panorama, das sich mir da eröffnet hatte, war überwältigend. Schon damals hatte ich gehofft, diese Bergwelt mit seinen schroff und steil abfallenden Felswänden einmal mit Judith entdecken zu können. Nun wird auch mein Traum wahr.

Ich bin glücklich und nervös wie ein Kind, als wir unsere Rucksäcke tatsächlich packen und uns keine böse Überraschung kurz vor unserem Vorhaben, so wie früher oft, scheitern lässt. In meinen Rucksack stopfe ich alles Schwere - Bücher, Toilettenartikel, Proviant und Wasser. Judith überlasse ich das Leichtere und Voluminösere - Fleece, Leibchen, Regenjacken. Vom Ausgangspunkt in Brülisau wandern wir in einer ersten Etappe zum Berggasthaus Bollenwees. Wir beziehen unser Zimmer mit Blick zum Fälensee. Am Abend essen wir die beste Rösti unseres Lebens. Sie ist so gut, dass ich mich Jahre später, bei meinem zweiten Besuch, noch immer daran erinnern werde.

Die Nacht ist so dunkel und die Sterne so hell, dass Judith nicht darauf beharrt, auch noch die Fensterläden zu schließen. Ich ziehe nur die Vorhänge. Am frühen Morgen erwache ich beim ersten Licht und fotografiere vom Bett aus die Spiegelung der geröteten Bergspitzen auf der noch schwarzen Oberfläche des Bergsees. Nach dem Frühstück ziehen wir weiter. Unser nächstes Ziel ist die Meglisalp.

Unterwegs fotografiere ich viel: die Alplandschaft, überall belebt von Kühen. Aber vor allem muss ich immer wieder Judith im Bild festhalten; wandernd, stehend, sitzend. Und auch, als wir im Berggasthaus Meglisalp das Eckzimmer bezogen haben, wie sie sich im Bett ausruht und liest - eingekuschelt unter der gewölbten Decke mit seinem rot-weiß karierten Überzug. Diese Momente will ich nie mehr vergessen. Judith hat dafür wenig Verständnis. "Erlebtes kannst du nicht abbilden. Nimm es auf in deinem Kopf." Wie recht sie damit hat. Wenn ich die Fot

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