text.skipToContent text.skipToNavigation
background-image

Denn schreiben will ich! Aus den Tagebüchern und anderen Werken von Frank, Anne (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 03.02.2016
  • Verlag: Reclam Verlag
eBook (ePUB)
17,99 €
inkl. gesetzl. MwSt.
Sofort per Download lieferbar

Online verfügbar

Denn schreiben will ich!

Das Tagebuch der Anne Frank ist weltberühmt als Dokumentation des unmenschlichen Alltags unter der Nazi-Herrschaft in den Niederlanden. Aber Anne Frank war nicht nur eine hellwache und überaus reife Chronistin ihres Alltags. Ihr größter Wunsch war es, Schriftstellerin zu werden, ein Aspekt, den 'Denn schreiben will ich!' eindrucksvoll zeigt. Im Versteck hatte Schreiben in ihrem Tagesablauf einen festen Platz, war für sie lebenswichtig. Ihr berühmtes Tagebuch schrieb sie auch im Hinblick auf eine spätere Veröffentlichung. Darin und in anderen ihrer Texte zeigt sich, wie genau die junge Frau ihre Umwelt beobachten und sprachlich fassen konnte. Ihr Werk muss man deshalb nicht nur als wichtiges zeithistorisches Dokument, sondern auch als Ausweis einer großen literarischen Begabung lesen. Die ausgewiesene Anne-Frank-Expertin und Übersetzerin Simone Schroth hat aus der niederländischen kritischen Ausgabe von 1986 eine Auswahl zusammengestellt, die alle Schaffensbereiche von Anne Frank abdeckt. Sie enthält die berühmtesten Stellen aus den Tagebüchern und vermeidet dabei alle früheren Mischeinträge aus mehreren Fassungen. Zum Teil werden verschiedene Varianten desselben Geschehens direkt hintereinander gestellt. Nun endlich lässt sich nachvollziehen, um welche Version des Textes es sich jeweils handelt. Zusätzlich wurden Kurzgeschichten und Teile aus ihrem Fragment gebliebenen Romanentwurf 'Cadys Leben' hinzugenommen. Anne Franks Werk ist, so zeigt sich hier, mehr als das Anne-Frank-Tagebuch. 'Denn schreiben will ich!' kann man als Anne Franks Lebensmotto verstehen, das ihr außergewöhnliches Werk prägt. E-Book mit Seitenzählung der gedruckten Ausgabe: Buch und E-Book können parallel benutzt werden. Simone Schroth, geb. 1974, Anne-Frank-Spezialistin und Übersetzerin aus dem Niederländischen; in ihrer Doktorarbeit setzte sie sich kritisch mit Übersetzungen der Werke von Anne Frank auseinander; ihre Neuübersetzung von Anne Franks Schriften wurde durch den Nederlands Letterenfonds mit Aufenthalten im Übersetzerhaus in Amsterdam gefördert.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 270
    Erscheinungsdatum: 03.02.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783159608808
    Verlag: Reclam Verlag
    Größe: 1040 kBytes
Weiterlesen weniger lesen

Denn schreiben will ich!

[7] Aus den Tagebüchern

[9] Vorblatt [a]

Ich werde dir, hoffe ich, alles anvertrauen können, so wie ich es noch bei niemandem gekonnt habe, und ich hoffe, dass du mir eine große Stütze sein wirst.

Anne Frank 12 . Juni 1942

[a]

Ich habe bisher eine große Stütze an dir gehabt, und auch an unserem lieben Club , dem ich nun regelmäßig schreibe; diese Art, mein Tagebuch zu führen, finde ich viel schöner, und jetzt kann ich es fast nicht erwarten, bis ich Zeit habe, in dich zu schreiben.

28 . September 1942 Anne Frank

Ich bin oh so froh, dass ich dich mitgenommen habe.

Sonntag, 14 . Juni 1942 [a]

Die Seiten, die hierauf folgen, werden, denke ich, alle vom selben Datum sein, denn ich muss dich noch über alles informieren.

Ich fange mal bei dem Augenblick an, als ich dich bekommen habe, also als ich dich auf meinem Geburtstagstisch habe liegen sehen (denn das Kaufen, bei dem ich auch dabei gewesen bin, zählt nicht mit).

Am Freitag, dem zwölften Juni, war ich schon um sechs Uhr wach, und das ist sehr begreiflich, da ich Geburtstag hatte.

Aber um sechs Uhr durfte ich noch nicht aufstehen, also [10] musste ich meine Neugierde noch bis Viertel vor sieben bezwingen. Dann hielt ich es nicht länger aus; ich ging ins Esszimmer, wo ich von Moortje (der Katze) mit Kopfstupsern willkommen geheißen wurde.

Die Zwischentüren machte ich natürlich zu. Um kurz nach sieben ging ich zu Papa und Mama und dann ins Wohnzimmer, um meine Geschenke auszupacken; an erster Stelle warst du es, was ich zu sehen bekam und was wohl eines meiner schönsten Geschenke ist. Dann einen Strauß Rosen, zwei Zweige Pfingstrosen, eine Pflanze, das waren an diesem Morgen Floras Kinder, die auf meinem Tisch standen, aber es kamen noch viel mehr.

[...]

Dann kam Hanneli mich abholen, und wir gingen in die Schule. In der Pause verteilte ich Butterkekse an Lehrer und Schüler, und dann wieder an die Arbeit.

Als ich nach Hause kam, war es fünf Uhr, denn ich war mit beim Turnen gewesen (obwohl ich nie mitmachen darf, weil ich mir dann Arme und Beine ausrenke) und hatte für meine Klassenkameraden Volleyball als Geburtstagsspiel ausgesucht. Später tanzten sie alle im Kreis um mich herum und sangen "Lang soll sie leben". Als ich nach Hause kam, war Sanne Ledermann schon da, und Ilse Wagner, Hanneli Goslar und Jacqueline van Maarsen habe ich vom Turnen mitgebracht, denn sie sind in meiner Klasse. Hanneli und Sanne waren früher meine beiden besten Freundinnen, und wer uns zusammen sah, sagte immer, da gehen Anne, Hanne und Sanne. Jacqueline van Maarsen habe ich erst auf dem Jüdischen Lyzeum kennengelernt, und sie ist nun meine beste Freundin. Ilse ist die beste Freundin von Hanneli, und Sanne geht auf eine andere Schule und hat dort ihre Freundinnen. [...]

[11] 20 . Juni 1942 [b]

Es ist für jemanden wie mich ein sehr eigenartiges Gefühl, in ein Tagebuch zu schreiben. Nicht nur, dass ich noch nie geschrieben habe, es kommt mir auch so vor, als würde später weder ich noch jemand anders die Herzensergüsse eines dreizehnjährigen Schulmädchens für wichtig halten. Nun gut, eigentlich kommt es darauf nicht an; ich habe Lust zu schreiben, und noch viel mehr, mein Herz, was allerlei Dinge betrifft, einmal gründlich und ganz und gar zu erleichtern. "Papier ist geduldiger als Menschen", diese Redensart fiel mir ein, wenn ich an einem meiner eher melancholischen Tage gelangweilt mit dem Kopf in den Händen dasaß und vor Antriebslosigkeit nicht wusste, ob ich ausgehen oder zu Hause bleiben sollte, und deshalb letzten Endes auf dem

Weiterlesen weniger lesen

Kundenbewertungen