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Der Geschmack des Wassers Der Hexenprozess von Dillenburg von Kretz, Ingrid (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 15.04.2011
  • Verlag: SCM Hänssler im SCM-Verlag
eBook (ePUB)
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Der Geschmack des Wassers

Dillenburg, 16. Jahrhundert: Schon einmal wurden Barbara Weitzel und ihre Schwester Lena in einem Hexenprozess freigesprochen, während drei Frauen brannten. Doch nun machen erneut Gerüchte die Runde ... Wieder werden die unschuldigen Frauen eingekerkert, gefoltert und vor Gericht gestellt. Doch der Prozess nimmt einen für die Zeit einmaligen Verlauf ... Eine packende Geschichte, basierend auf einem wahren Prozess.

Ingrid Kretz, geb. 1959, stammt aus Wissenbach bei Dillenburg, wo ihre Familie seit 500 Jahren ansässig ist. Bei Nachforschungen zum Familienstammbaum stieß sie auf die Geschichte von Barbara und Lena. Ingrid Kretz ist verheiratet und hat vier Kinder.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 400
    Erscheinungsdatum: 15.04.2011
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783775170277
    Verlag: SCM Hänssler im SCM-Verlag
    Größe: 3508 kBytes
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Der Geschmack des Wassers

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Dillenburg

"Der Bote hat einen Brief für Euch gebracht, verehrte Gräfin", sagte die Kammerzofe höflich, knickste und reichte Gräfin Kunigunde das silberne Tablett, auf dem ein versiegeltes Schreiben lag. Die Gräfin griff nach dem Brief und öffnete ihn mit einem spitzen Brieföffner, dessen Klinge mit ziseliertem Floraldekor versehen war und einen Griff aus ebenmäßiger Muschelkamee hatte. Sie liebte dieses Stück, das ihr vor Jahren ein Verwandter von einer Reise mitgebracht hatte.

"Elisabeth lädt uns ein", sagte sie erfreut. Ihre älteste Stieftochter Elisabeth, die seit einem Jahr mit dem 21 Jahre älteren Philip von Nassau-Saarbrücken verheiratet war, wollte in vier Wochen die Taufe ihres ersten Kindes feiern. Elisabeth war ihr fast wie eine Freundin geworden, in den drei kurzen Jahren, seit Kunigunde am Dillenburger Hof mit Graf Johann VI. verheiratet war.

Elisabeth war nur sechs Jahre älter als sie. Jetzt lebte sie im Saarbrücker Schloss mit dem Reformationsgrafen, wie er allgemein genannt wurde.

Es gab ein paar Parallelen zwischen ihrer Stieftochter und ihr selbst. Auch Elisabeth war die zweite Frau von Philip, dessen erste Gemahlin im Julmond 1581 an den Blattern verstorben war. Die Kontakte der Grafen von Nassau-Saarbrücken zur Dillenburger Herrschaftsfamilie reichten bereits zwei Generationen zurück und es blieb nicht aus, dass eine der heiratsfähigen Töchter von Graf Johann als Braut auserkoren worden war. Die Heiratspolitik des Grafen brachte ihm großen Respekt in der erlauchten Verwandtschaft ein. Er schien ein Händchen für Vermehrung der Güter zu haben und für die Erhaltung des Friedens.

Zwar hatte Graf Johann seine Älteste nicht direkt gedrängt, doch dass er sich diese Ehe wünschte, hatte er deutlich zum Ausdruck gebracht. Elisabeths ausführliche Briefe an ihre Familie im Schloss in Dillenburg ließen auf eine wachsende Zuneigung zu ihrem älteren Gatten schließen und deshalb freute sich Kunigunde besonders über die Einladung zur Taufe ihres Enkelkindes.

Es würde ihr auf der einen Seite Ablenkung verschaffen, hatte sie selbst erst vor zwei Monaten ihre kleine, neun Monate alte Tochter durch Fieberkrämpfe verloren. Auf der anderen Seite würde sie schmerzhaft an ihre Zweitgeborene erinnert werden. Wegen dieser nah beieinanderliegenden Schmerzen und Freuden horchte Gräfin Kunigunde seit Tagen in sich hinein, ob sie nicht doch wieder freudiger Hoffnung war. Ihre monatliche Blutung war ausgeblieben und hin und wieder meinte sie, eine morgendlich aufsteigende Übelkeit zu bemerken.

Ihre Gedanken wanderten zu Anna, der neunzehnjährigen Tochter des Grafen von Nassau-Saarbrücken, die sich während eines rauschenden Festes auf Schloss Ansbach in Georg, den drittältesten Sohn ihres Mannes aus erster Ehe, verliebt hatte. Die Hochzeit sollte in diesem Herbst, in der letzten Woche des Scheiding gefeiert werden. Anna würde künftig mir ihrem Gatten am Hofe des Markgrafen von Ansbach leben. Graf Georg wollte in Kürze ins Stammschloss nach Dillenburg zurückkehren, um den Ablauf der Festlichkeiten zu besprechen. Zunächst stand aber die Taufe an, zu der die große Verwandtschaft geladen war.

Die Gräfin blickte auf. "Du kannst gehen." Dann besann sie sich. "Ach, warte noch einen Augenblick! Ist meine kleine Amalia noch bei Mathilde?"

Ehrerbietig sank die Zofe wieder ein wenig in die Knie. "Soeben hat Mathilde Eure Tochter zur Amme gebracht. Wünschen Euer Gnaden Amalia später zu sehen?"

"Ich möchte jetzt alleine sein. Ich werde nach dir läuten, wenn du Amalia bringen kannst."

Rasch verließ die Kammerzofe den Raum und ließ ihre nachdenkliche Herrin allein.

Gräfin Kunigunde erhob sich von ihrem kostbar verzierten Holzstuhl und ging zum Fenster. Sie öffnete den schweren, dunklen Flügel, damit die wohlige Wärme in ihr kühles Gemach dringen konnte. An einem heißen Sommertag wie diesem war sie

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