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Der Sommer, in dem F. Scott Fitzgerald beinahe einen Kellner zersägte von Walton, Emily (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 14.03.2016
  • Verlag: Braumüller Verlag
eBook (ePUB)
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Der Sommer, in dem F. Scott Fitzgerald beinahe einen Kellner zersägte

Was passiert, wenn F. Scott Fitzgerald, Ernest Hemingway, Dorothy Parker und Pablo Picasso ihren Sommerurlaub in einem südfranzösischen Fischerdorf verbringen? Der Champagner fließt in Strömen, Eifersucht und Neid brodeln und die wilden Partys enden immer öfter im Exzess. Ausgerechnet Fitzgerald, dem Chronisten der Goldenen Zwanziger, wird dieser Sommer zum Verhängnis. März 1926 in Juan-les-Pins, Südfrankreich: F. Scott Fitzgerald steht auf dem Höhepunkt seiner Karriere. Im Vorjahr ist sein Roman Der große Gatsby erschienen, nun läuft das Stück mit großem Erfolg am Broadway, auch eine Filmanfrage aus Hollywood steht in Aussicht. Hier, an der Côte d'Azur, nimmt er die Arbeit an seinem nächsten Buch auf, mit dem er endgültig zum größten amerikanischen Schriftsteller der Gegenwart avancieren will.

Emily Walton, geboren 1984 in Oxford, schloss in Wien ihre Studien in Journalismus und Germanistik ab. Sie arbeitet als Journalistin und Autorin (Mein Leben ist ein Senfglas, 2012) für eine Vielzahl deutschsprachiger Medien, überwiegend in den Bereichen Kultur, Wissenschaft und Reise. Zuletzt hat sie eine Reihe an Reiseführern veröffentlicht, darunter Straßburg abseits der Pfade bei Braumüller (2015). Ihre Recherchen für dieses Buch führten sie nach Princeton, New York, Paris und Antibes.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 168
    Erscheinungsdatum: 14.03.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783992001538
    Verlag: Braumüller Verlag
    Größe: 1221 kBytes
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Der Sommer, in dem F. Scott Fitzgerald beinahe einen Kellner zersägte

2

Gerald Murphy stützt seinen schlanken Körper auf einem Rechen ab. Einen großen Teil des Strands von La Garoupe hat er schon von Algen und Treibgut befreit. Täglich kommt er hinunter in die kleine Bucht, um den Strand präsentabel zu machen - für seine Frau Sara, für seine drei Kinder Honoria, Baoth und Patrick und für seine Gäste.

Er müsste es nicht tun. Der Strand gehört ihm nicht, er ist öffentlich zugänglich. Seine Familie und Freunde könnten auch in seinem riesigen, von mehreren Gärtnern gepflegten Garten entspannen, der in der Mitte des Caps oberhalb des Strands liegt. Ein 7500 Quadratmeter großes Grundstück, in dessen Herzen eine neu renovierte Villa steht, müsste ausreichen, um ein paar Decken auszubreiten und Liegen aufzustellen. Aber Gras ist eben nicht Sand. Gemüsebeete ersetzen kein Meer. Und wenn es schon eine kleine, menschenleere Bucht gibt, nur wenige Gehminuten vom Garten entfernt, wäre es wahrlich dumm, diese nicht zu nützen.

Gerald zieht mit dem Rechen saubere, gerade Linien in den Sand. Seine Bewegungen sind routiniert, haben geradezu etwas Meditatives an sich. Doch der Sohn eines renommierten, in New York ansässigen Lederwarenhändlers ist nicht der spirituelle Typ. Er ist ein Ordnungsliebhaber; ein Mann, der in Listen, Karten und Tagesplänen denkt, als würde er ein Skript für sein Leben schreiben.

Punkt 1 auf der Tagesordnung: Strand rechen.

Näher ist der achtunddreißigjährige Mann aus Boston der Landschaftsplanung, die er für eine kurze Zeit in Harvard studierte, nicht gekommen. Auch sein Yale-Studium braucht er für das Leben hier auf dem Cap nicht wirklich. Die Zeit an der Universität ist eine Phase in seinem Leben, an die er sich ungern erinnert. Gerald war weder ein herausragender Student noch Sportler und musste durch gesellschaftliche Aktivitäten auf sich aufmerksam machen: Er wurde Mitglied von Delta Kappa Epsilon , kurz DKE, der exklusivsten Studentenverbindung auf dem Campus. Auch als Manager der studentischen Schauspiel- und Musiktruppe Apollo Glee Club verschaffte er sich Ansehen. Er fand viele Bekanntschaften, schloss aber kaum Freundschaften und fühlte sich fremd. Vergeudete Jahre, findet er, wenn er jetzt, Jahre später, an das Studium an der amerikanischen Ostküste zurückdenkt.

Und doch verdankt er sein Glück hier, an diesem kleinen Strand von La Garoupe, in gewisser Weise Yale. Es ist schwer zu sagen, ob sich seine Wege sonst mit denen von Cole Porter gekreuzt hätten, jenem jungen, talentierten Musiker, den er für den Glee Club gewann. Ob sie jemals so gute Freunde geworden wären, dass sie gemeinsam auf Urlaub fahren würden?

1922 macht Cole gerade seine Anfänge als Musiker und ist noch weit entfernt von seinen großen Erfolgen am Broadway. Seinen Hang für ausgefallene Urlaubsziele hat er bereits und er entscheidet sich in diesem Sommer für einen Aufenthalt in Südfrankreich. Er kennt die Gegend aus seiner Zeit als Soldat im Ersten Weltkrieg. Das Cap d'Antibes ist eine wesentlich klügere Wahl als jene der Murphys. Gerald und Sara folgen in diesem Sommer, ganz entgegen ihrem sonst so avantgardistischen Stil, der Masse. Wer in Paris etwas auf sich hält, "übersommert" und verbringt die heißen Monate am Ärmelkanal. Die Normandie ist die französische Version von New Yorks Hamptons - ein Ferienparadies der Gutsituierten am Ostzipfel von Long Island, das Gerald und Sara beide nur zu gut aus Jugendjahren kennen. Saras Vater, Frank Wiborg, hat schon früh ein riesiges Anwesen in dieser vielversprechenden Sommerdestination erworben und Gerald war ein häufiger Gast der Wiborg-Schwestern. Der Unterschied zwischen den Hamptons und der französischen Atlantikküste ist unübersehbar: In der Normandie sind die Chancen auf ungetrübten blauen Himmel, wärmende Sonnenstrahlen und ruhiges Meer deutlich geringer als an

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