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Die Mühle vom Roten Strumpf Nachforschungen über ein Handwerk von Borchert, Jürgen (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 27.01.2014
  • Verlag: EDITION digital
eBook (ePUB)
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Die Mühle vom Roten Strumpf

Wie kommt man nach Dabel? Gemeinsam mit dem Feuilletonisten Jürgen Borchert, der Mitte der achtziger Jahre des vorigen Jahrhunderts anfangs eigentlich nur ein Porträt des bekannten Müllermeisters Fritz Döscher und seiner Holländerwindmühle schreiben soll, macht sich der Leser auf den Weg. Wie sich herausstellt, ist die Mühle nicht schwer zu finden und so schwer ist es auch nicht, mit Fritz Döscher ins Gespräch zu kommen - über seine Mühle, über seine Vorfahren und über seinen zu DDR-Zeiten geführten energischen Kampf für den Erhalt seiner Mühle als technisches Denkmal. Aber Jürgen Borchert wäre nicht der Feuilletonist Jürgen Borchert, wenn aus dem anfänglichen Auftrag, ein Porträt von Fritz Döscher zu schreiben, nicht das Porträt eines ganzen Berufsstandes geworden wäre. Und am Ende wissen der Schriftsteller wie der Leser jede Menge mehr über die Mühle von Dabel, über die Geschichte, die Konstruktion und die Funktion von allerlei Mühlen und über mecklenburgische Geschichte im Allgemeinen und im Besonderen sowieso. Herausgekommen sind ebenso vergnügliche wie informative Nachforschungen über ein Handwerk und ein Zeitdokument der besonderen Art. Jürgen Borchert wurde 1941 in Perleberg geboren. Er erlernte den Fotografenberuf und studierte Bibliothekswesen in Berlin und Leipzig. Seinen dritten Beruf, die freie Schriftstellerei, übte er seit 1980 aus. Sein Thema war Norddeutschland. Insbesondere lag ihm Mecklenburg am Herzen: Kulturgeschichte, Biografisches, das Verhältnis von Mensch und Landschaft... Er lebte bis zu seinem Tode im Jahre 2000 in Schwerin. Er bekam den Fritz-Reuter-Preis (1982; 1988) und den Johannes-Gillhoff-Preis (1994).

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 164
    Erscheinungsdatum: 27.01.2014
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783863946975
    Verlag: EDITION digital
    Größe: 335 kBytes
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Die Mühle vom Roten Strumpf

So schön sie ist, die Geschichte des Müllers von Sanssouci, so ist sie aber doch leider von vorn bis hinten erfunden. Diese Feststellung indes trifft auch auf andere schöne Geschichten nicht gerade selten zu. Nicht dass solche Geschichten dadurch schlechter würden: Wüsste man von Anfang an, dass Fantasie im Spiele ist, könnte man den Einfallsreichtum des Geschichtenerfinders viel besser würdigen. Erzählt wird die Anekdote meist so, dass Friedrich Zwo, als er Sanssouci errichten ließ, sich über die unschöne und lärmende Mühle geärgert und dem Müller mit gewissem Nachdruck den Verkauf an den Fiskus vorgeschlagen habe. Der Müller habe darauf nur geantwortet: "Ja, Majestät, wenn das Berliner Kammergericht nicht wäre!", und F. II. habe daraufhin klein beigegeben. Das Berliner Kammergericht, bereits 1516 gegründet und oberste juristische Instanz Brandenburg-Preußens, war unter den Königen mehrfach neu geordnet und mit höchsten Befugnissen ausgestattet worden, und auch Friedrich II. war auf diese seine "unabhängige" Rechtsprechungsanstalt nicht wenig stolz. Vaterländisch betrachtet, konnte daher die Anekdote gar nicht anders enden - stellte sie doch den Gerechtigkeitssinn des Königs ebenso unter Beweis wie die angebliche Rechtssicherheit der Untertanen nach dem Motto: Was Recht ist, muss Recht bleiben. Aber schon Johann Georg Ritter von Zimmermann hat in seinem Buch "Über Friedrich den Großen und meine Unterredungen mit ihm" im Jahre 1788, als die Ereignisse um die Mühle noch gar nicht so lange zurücklagen beziehungsweise noch im Gange waren, die Sache ganz anders erzählt: "Eine Windmühle, die dem König sehr missfiel, stand dicht über der Orangerie zu Sanssouci. Er ließ darum dem Besitzer sagen, er verspreche ihm ein sehr beträchtliches Geschenk an Gelde und an einem anderen Orte drei (!) sehr schöne Windmühlen, wenn es ihm beliebe (!!), dem König diese Mühle abzustehen. Trotzig und schnöde erwiderte der Müllermeister: Meine Windmühle hat mich und meine Kinder nun lange ernähret, und ich habe auch da eine schöne Aussicht; also will ich auf meiner Windmühle leben und sterben! Mit dieser Antwort begnügte sich der König (!!!), und der Müller behielt seine Mühle." Die eingeklammerten Ausrufezeichen habe ich hinzugesetzt - sie markieren die Stellen, wo Devotion in Geschichtsklitterung umschlägt. Geht man nun der Sache auf den Grund, stellt man staunend fest, dass eigentlich alles ganz anders gewesen ist - beide Zitate, sowohl das vom Kammergericht als auch die "schnöde" Antwort des Müllers nach Zimmermann, sind niemals in dieser Form gefallen. Die Akten sagen die Wahrheit. Zum Ersten handelt es sich nicht um den, sondern um die Müller von Sanssouci. Der erste hieß Grävenitz; er erbaute mit Erlaubnis König Friedrich Wilhelms I. die Mühle im Jahre 1737. Er beschwerte sich später, dass durch den Bau des Schlosses und den hohen Baumwuchs des Parkes ihm der Wind genommen sei. Der Alte Fritz aber, der erst gesonnen war, dem Manne zu helfen und ihm anderswo eine Mühle zu schenken, änderte seine Meinung, denn die Mühle gefiel ihm, weil sie dem Schloss zur Zierde gereichte. Also änderte sich nichts, bis Grävenitz 1763 seine Mühle an einen Müller namens Kallatz verkaufte, der jedoch bankrott machte, wodurch 1764 ein neuer Besitzer einzog. Der hieß Vogel und verpachtete seinerseits wieder an einen Mann mit dem schönen Namen Hering. Als Friedrich II. starb und Friedrich Wilhelm II. zur Regierung gelangte, warf der Vogel den Hering aus dem Pachtvertrag und mahlte wieder selbst. Später betrieb seine Witwe die Mühle noch eine Weile, bis auch sie zur Grube fuhr und die Erben den inzwischen prächtig ausgebauten Holländer versteigerten. Den Zuschlag erhielt der Müller Walsleben. Dessen Nachfolger hieß Meyer, er trat 1843 in seine Geschäfte ein. Alle diese Müller - Grävenitz, Kallatz, Vogel, Hering, wieder Vogel, Vogel-Witwe, Walsleben und Lehnsmüller Meyer - haben seit der Erricht

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