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Die Maler aus der Ostbahnstraße Aus dem Leben von Hans und Lea Grundig von Birnbaum, Brigitte (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 12.11.2013
  • Verlag: EDITION digital
eBook (ePUB)
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Die Maler aus der Ostbahnstraße

Endlich ist es Hans und Lea gelungen: Für wenig Geld können sie ein Atelier beziehen, zwei lichte Räume in einem Mietshaus an der Ostbahnstraße, vier Treppen hoch. Der Blick geht über das Bahnhofsdach, Lärm dringt herauf, und der Qualm der Loks weht gegen das schlecht verkittete Fenster. - Eine schmutzige, verrußte Gegend, doch das stört die beiden nicht. Endlich werden sie ungehindert arbeiten können, malen und zeichnen, und sie werden leben in eigenen vier Wänden. Es ist das Jahr 1930 und eine schwere Zeit für die angehenden Künstler. Noch sind Hans und Lea Grundig unbekannt, wer Geld hat, kauft ihre Bilder nicht, und die Grundigs wissen, warum das so ist. Fürs erste hilft ein Kunstpreis weiter, ein paar hundert Mark, doch bald schon sind die Kassen wieder leer, und das wird nicht die einzige Sorge für Hans und Lea sein ... Sachkundig im Detail, lebendig und engagiert in der Schilderung von Leben und Werk, erzählt Brigitte Birnbaum von einem Künstlerehepaar, das den Schwierigkeiten des Alltags nicht nachgibt und mit seinen Bildern etwas bewirken will in dem alles beherrschenden Konflikt der Zeit: Es naht das 'Tausendjährige Reich'.

Brigitte Birnbaum Geboren 1938 in Elbing/Westpr., 1945 Flucht über Berlin nach Mecklenburg, Abitur, Ausbildung als Apothekenhelferin, Studium am Institut für Literatur in Leipzig (Diplom), Antiquarbuchhändlerin. Seit 1968 freischaffende Schriftstellerin in Schwerin. Seit 1969 Mitglied im Schriftstellerverband der DDR, seit 1974 Mitglied im Bezirksvorstand, seit 1978 Mitglied im Vorstand des DSV. Nach seiner Auflösung Mitglied des VS/IG Medien, 2001 ausgetreten. Sie lebte von 1960 bis 2003 in Schwerin, seit 2003 in Hamburg, seit 2013 wieder in Schwerin. Auszeichnungen: 1977: Fritz-Reuter-Preis des Bezirkes Schwerin 1985: Kunstpreis der Gesellschaft für Deutsch-Sowjetische Freundschaft Bibliographie: Bert, der Einzelgänger, Der Kinderbuchverlag, Berlin 1962 Reise in den August, Der Kinderbuchverlag, Berlin 1967 Leute von Karvenbruch (Mitautorin am Szenarium), DFF 1968 Tigertod, Fernsehfilm für Kinder, DFF 1969 Pawlucha, Fernsehfilm für Kinder, DFF 1970 Nur ein Spaß, Fernsehfilm für Kinder, DFF 1971 Der Hund mit dem Zeugnis, Der Kinderbuchverlag, Berlin 1971 Wer ist Fräulein Papendiek?, Fernsehfilm für Kinder, DFF 1972 Tintarolo. Ein Buch für Kinder über Käthe Kollwitz, Der Kinderbuchverlag, Berlin 1975, Tallinn 1980, Berlin-West 1981 Winter ohne Vater, Der Kinderbuchverlag, Berlin 1977 Ab morgen werd ich Künstler, Kinderbuch über Heinrich Zille, Berlin 1978, Tallinn 1987, Berlin-West 1986 Alexander in Zarskoje, Kinderbuch über Alexander Puschkin, Der Kinderbuchverlag, Berlin 1980 Löwen an der Ufertreppe, Der Kinderbuchverlag, Berlin 1981 Das Siebentagebuch, Der Kinderbuchverlag, Berlin 1985 Kathusch, Jugendbuch über Käthe Kollwitz, Der Kinderbuchverlag, Berlin 1986 Fragen Sie doch Melanie!, Der Kinderbuchverlag, Berlin 1987 Von einem, der auszog, neue Eltern zu suchen, Der Kinderbuchverlag, Berlin 1989 Der Maler aus der Ostbahnstraße, Jugendbuch über Hans und Lea Grundig, Der Kinderbuchverlag, Berlin 1990 Das Schloss an der Nebel, Erzählung, Landesverlags- und Druckgesellschaft mbH Mecklenburg & Co. KG, Schwerin 1991 Spaziergänge durch Güstrow, Ein Stadtführer, Verlag Reinhard Thon, Schwerin 1992 Welche Stadt hat schon 7 Seen? in: Kleine Bettlektüre für liebenswürdige Schweriner, Scherz Verlag, Berlin/München/Wien 1993 Wider die kleinen Mörder, Kiro-Verlag, Schwedt 1994 Fontane in Mecklenburg, Demmler Verlag, Schwerin 1994 Ernst Barlach. Annäherungen, Demmler Verlag, Schwerin 1996 Noch lange kein Sommer, Verlag Reinhard Thon, Schwerin 1998

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 234
    Erscheinungsdatum: 12.11.2013
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783863944353
    Verlag: EDITION digital
    Größe: 432 kBytes
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Die Maler aus der Ostbahnstraße

Für Hans und Lea wurde alles noch schlimmer. Schriftlich wurde der Volksgenosse Grundig zur maßgebenden Stelle befohlen. Um zehn Uhr vormittags hatte er sich zwecks Klärung einer Angelegenheit einzufinden. Sie rätselten herum. Vage hoffte Lea, ihm würde erlaubt, zu arbeiten. 'Das wäre eine andere Abteilung', erinnerte sich Hans. Er putzte die Schuhe auf Hochglanz, kämmte sich sorgfältig, um einen guten Eindruck zu machen. Lea wollte ihn begleiten. Er redete es ihr aus. Hans Grundig hatte recht. Es war eine andere Abteilung. Der Beamte in Zivil, ein gepflegter Mittvierziger, bot ihm höflich vor seinem Schreibtisch einen Stuhl an. Ließ sich die schriftliche Einladung, wie er die Aufforderung nannte, zeigen und legte sie, nachdem er einen flüchtigen Blick darauf geworfen hatte, zu anderen Papieren. Hans betrachtete die sortierende Rechte des Mannes und dachte: Er hat schöne Hände. Diese wohlgeformte Rechte schob ihm ein Formular zu. 'Um es Ihnen zu erleichtern, habe ich alles für Sie ausgefüllt. Bitte! Sie brauchen nur zu unterschreiben.' Fragend blickte Hans ihn an, dann das Formular, auf dem er in gotischen Buchstaben die Scheidung von seiner jüdischen Ehefrau Lea Grundig, geb. Langer, beantragte. 'Mein Herr!', fuhr Hans hoch. Er fühlte, wie sein Blut in den Schläfen pochte. 'Ich bin ein deutscher Mann ...' 'Deshalb wird es höchste Zeit, sich von der Rassenschande zu reinigen und wieder vollwertiges Mitglied unserer Volksgemeinschaft zu werden', sagte der Beamte leise und ohne Schärfe. '... Und als deutscher Mann gab ich einer Frau mein Wort, und das gilt, bis dass der Tod uns scheide!' Grundig stand auf und ging. 'Das wird Folgen für Sie haben.' Jetzt sprach der Beamte ein wenig lauter. Hinter der nächsten Hausecke holte Lea Hans ein. Sie war ihm gefolgt. Allein hatte sie es zu Hause nicht ausgehalten. Er war froh, dass sie da war, fragte sich nicht einmal wieso. Sie nahmen sich bei den Händen, wie Kinder, die sich fürchten. Dass es sich nicht um die Arbeitsgenehmigung gehandelt hatte, erriet sie unschwer. Schweigend gingen sie Seite an Seite, trieben weiter und weiter ab, nach einem stillen Winkelchen suchend, bis sie zu einem alten Friedhof kamen. Zwischen eingesunkenen Gräbern, abgekippten Kreuzen und ungestutzt wuchernden Rosen fanden sie eine verwitterte Bank. Ihre Rückenlehne hing herunter, doch das Sitzbrett trug die beiden noch, leicht und mager wie sie waren. Flüsternd, als fürchte er, sogar das Rotkehlchen in der Hecke belausche ihn in böser Absicht, erzählte er von dem gemeinen Ansinnen. Während er Lea ansah, entdeckte er, dass sie in den Augenwinkeln Falten bekam. Durch meine Schuld, dachte er und schämte sich, als ich sie heiratete, hatte sie kein einziges Fältchen. Ich hab mein Schwarzes schlecht gehütet. 'Scheidung?', sagte Lea, umklammerte mit den Armen ihr rechtes Knie und wiegte sich leicht auf und ab, 'Scheidung, wie die sich das vorstellen, Witsch. Wir zwei haben doch nur ein Herz, das uns am Leben erhält.' So unzertrennlich sie sich fühlten, die Unruhe blieb. Und die Gefahr wirkte. Hans hatte nun mal keine Nerven wie Stricke. Lea ängstigte sich um ihn, und sie litt darunter, jeder Willkür ausgesetzt zu sein. Wie gewöhnlich schlug ihre Verzweiflung in Arbeitswut um. Damit wollte sie ihn anstecken. Dass er aufhörte zu grübeln, warum sich die Menschen so gleichgültig gegeneinander verhielten. Warum sie zum Beispiel diesem Lumpen Hitler er laubten, ihn, Grundig, zwingen zu wollen, seine Frau zu verteufeln, die er über alles liebte. Jener Beamte, dieser miese Helfershelfer, war doch selbst verheiratet. Ganze Tage verbrachte Hans, ohne sich zu rühren, in diesen Gedanken, und sie verursachten ihm Übelkeit und Magenschmerzen. Er wird ihr noch wegsterben. Eines Morgens, gleich nach dem Frühstück, Hans spülte die Tassen, begann Lea alles aus der Mäuseecke hinter dem Rahmengelumpe hervorzuzerren. 'Suchst du was?' Hoffentlich nicht eine der Platten, die, in die Dresdner

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