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Drei Monate Wie ich alle Prognosen in den Wind schlug und mit Humor und Geduld die Statistik der Onkologie zum Wanken brachte von Burkhardt, Susanne (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 17.10.2016
  • Verlag: Books on Demand
eBook (ePUB)
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Drei Monate

Gerade einmal drei Monate nach meinem 35. Geburtstag erfahre ich die niederschmetternde Diagnose: CUP-Syndrom Mammacarcinom, Adenocarcinom mit einer Lebenserwartung von gerade einmal, da kommt die ja Zahl schon wieder, drei Monaten. Nach anfänglicher Kaninchenstarre sammele ich all meine Kräfte und rebelliere. In der folgenden Zeit lehre ich die Leber-Metastasen das Fürchten und so wird aus drei Monaten eine halbe Ewigkeit. 32 Monate nach der Anfangsdiagnose erzähle ich nun meine Geschichte und ich sage Euch allen: Habt Mut wie ein Löwe und behaltet vor allen Dingen Euren Humor.

Eine ganz normale junge Frau mit ganz normalem Leben erkrankt und wird vor die wohl größte Herausforderung ihres Lebens gestellt. Sie muss den Kampf aufnehmen gegen einen als unbesiegbar scheinenden Gegner - Krebs in Form von über dreihundert Lebermetastasen. Mit Humor und Durchhaltevermögen, Kampfgeist und ein wenig Frechheit gelingt ihr, was niemand für möglich hielt: Sie drängt die Metastasen zurück und erobert sich selbst wieder ein fast normales Leben, auch mit Krebs. Dieses Buch ist der Autorin ein Teil der Verarbeitung und soll anderen Patienten Mut machen, den Kampf mit dem als unbesiegbar geltenden Gegner Metastasen aufzunehmen.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: AdobeDRM
    Seitenzahl: 204
    Erscheinungsdatum: 17.10.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783848282630
    Verlag: Books on Demand
    Größe: 542kBytes
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Drei Monate

Von Wärmflaschen und Brathähnchen

Im kleinen Kreiskrankenhaus werde ich sehr sehr nett empfangen. Ich sitze auf einen Drahtbank im Warteraum und eine junge freundliche Ärztin hockt vor mir und schaut mich treuherzig an.

Bei dem von mir geschilderten Anfangsverdacht kündigt sie mir an, dass sie mich von der Abteilung Innere erst einmal an die Chirurgie übergebe. Im Zweifelsfalle kommen die Mitarbeiter dort dann auf sie zurück, falls ich doch ein Patient für die Innere sei. Auf jeden Fall wünscht sie mir alles Gute und streichelt mir über den Arm.

Dass wir uns bald wieder sehen werden, hofft wohl wirklich keine von uns beiden.

Der aufnehmende Chirurg zweifelt ziemlich schnell an meinem Verdacht und wird immer stiller. Ich liege auf einer Pritsche hinter einem Vorhang, mein Mann steht nervös hinter dem Arzt und schaut verzweifelt. Wieder glitscht Froschlaich auf meinem Bauch, routiniert fährt der Arzt hoch und runter, drückt hier und da und brummt. Schwestern mit Gesundheitslatschen laufen durch den Raum. Er ruft seinen Chefarzt zur Rate, der glitscht dann auch. Gesprächiger werden sie nicht, nur unruhiger... Mein Humor löst sich gerade in Luft auf...Das kommt mir jetzt doch alles verdächtig vor.

Dafür werden die Ärzte immer mehr...Noch ein Arzt, von der Inneren, wie prophezeit. Dann noch dessen Chefarzt. Die Stimmung wird immer frostiger...Die Galle ist es wohl nicht.

Dann geht alles ganz schnell... Stationär, Schmerzmittel, Bluttests, Untersuchungen, Roggenmischbrot mit Käse und Tee. Es ist der 16.08.2010.

Die Ungewissheit, das Nichtverstehen der Situation, das Begreifen der drohenden Katastrophe zerfressen mich und unsere ganzes Umfeld. Wie geplant kommt mein Bruder Markus bei mir, leider halt im Krankenhaus, vorbei, sein so herbeigewünschter Besuch steht unter so schlechtem Stern.

Um die Anspannung etwas zu lindern, bitte ich den mich behandelnden Arzt, mich nicht noch unnötig zu quälen. Mit der Ungewissheit leben zu müssen, ist für mich schlimmer, als seinen Gedankengängen zu folgen und somit die Untersuchungen und Schlussfolgerungen besser zu verstehen. "Bitte schweigen Sie nicht drei Tage und lassen dann eine Bombe platzen!", bitte ich ihn. "Ich kann mit Problemen umgehen, aber die Ungewissheit ist für mich Folter.". Ich bin hier irgendwie im falschen Film. Ich weiß nur, hier läuft war ganz schön schief.

Schweren Herzens verrät er mir mit leiser Stimme seinen Verdacht. "Leberentzündung, Zirrhose, Amöbe oder Krebs...", haucht er.

Ich bin platt. Das Ausmaß dämmert mir so langsam... Der Spaß ist vorbei - jetzt wird es ernst.

Von den Schwestern bekomme ich Lorazepam, Beruhigungsmittel. Ich kenne die Tabletten, denn sie brachten mich schon einmal trotz fürchterlicher Flugangst heil in den Türkei-Urlaub und zurück. Sie sind eine Wunderwaffe und dämpfen die mich aufzufressen drohende Angst ein wenig. Sie können den Kloß im Hals und die Ameisen im Bauch ein wenig in Schach halten. Leider halten sie auch meine Aufnahmefähigkeit und mein Gehirn ganz schön in Schach.

18.08.2010.

Ich erfahre die Diagnose.

"Das Schlimmste, was wir befürchtet hatten. Es ist Krebs".

"Scheiße!", sage ich, "Ich hab gehofft, es sei die Amöbe. Das wäre wenigstens witzig gewesen...!". Meine Stimme versagt.

"Ja", antwortet er, "das hab ich auch gehofft, wir zwei wären in die Zeitung gekommen, das hatten wir hier noch nie...!". Seine Stimme wackelt. Sein Kinn zittert. Er sitzt auf meinem Bett und knetet die Hände... "Wissen Sie, Sie sind nur 6 Jahre jünger als ich...".

Ich heule. Mein Mann heult. Der Arzt heult.

Ich verbringe noch fast zwei Wochen im Krankenhaus, die Suche nach dem Primärtumor bleibt erfolglos.

Nur eins ist klar, die Leber ist voll Metastasen. Voll. Wie eine Traubendolde in Leberform. Und ich war noch so munter gewesen drei Tage vorher. War Stadtläufe mitgelaufen. Klettern gewesen. Fit wie ein Wiese

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