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Eden-Express Die Geschichte meines Wahnsinns von Vonnegut, Mark (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 11.08.2014
  • Verlag: Berlin Verlag
eBook (ePUB)
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Eden-Express

Juni 1969: Die zähen Jahre am College sind vorbei. Mark Vonnegut, Sohn des berühmten Schriftstellers Kurt Vonnegut, zieht es in die Wildnis. Mit seiner Freundin Virginia und ein paar College-Freunden will er der Welt, in der er lebt und an der er (ver)zweifelt, entfliehen. Mit einem VW Käfer geht es ans Ende der Zivilisation, in eine entlegene Region Kanadas. Eindringlich und humorvoll erzählt Vonnegut vom harten und entbehrungsreichen Leben in der Kommune auf einer kleinen Insel ohne Elektrizität, 18 Kilometer per Boot von der nächsten Straße entfernt. Die Freunde beschäftigen sich hauptsächlich mit sich selbst. Doch irgendwann fängt Mark an, Stimmen zu hören. Die Hippie-Utopie gerät mehr und mehr zum Alptraum - einem Horrortrip, der am Valentinstag 1971 in der Gummizelle einer psychiatrischen Klinik endet. Nach intensiver Behandlung und vielen Rückschlägen wird Vonnegut schließlich geheilt und beginnt ein neues Leben - in die Kommune kehrt er nie wieder zurück. Das Buch gilt längst als Klassiker. Nun erscheint es, mit einem Vorwort von Kurt Vonnegut versehen, zum ersten Mal auf Deutsch.

Mark Vonnegut, geboren 1947, ist ein amerikanischer Kinderarzt und Autor. Er ist der Sohn des Schriftstellers Kurt Vonnegut und seiner ersten Frau Jane Cox. Im Vorwort seines 1975 erschienenen Buches beschreibt er sich als "Hippie, Sohn eines Helden der Alternativkultur mit einem BA in Religionswissenschaften und einer genetischen biochemischen Disposition für Schizophrenie". Vonnegut studierte Medizin an der Harvard Medical School und arbeitet heute als Kinderarzt in Quincy, Massachusetts.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 384
    Erscheinungsdatum: 11.08.2014
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783827076526
    Verlag: Berlin Verlag
    Größe: 582kBytes
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Eden-Express

1
HOFFNUNGSVOLL REISEN

Hoffnungsvoll zu reisen ist besser, als anzukommen .
R. L. Stevenson

JUNI 1969: ABSCHLUSSFEIER SWARTHMORE. In der Nacht zuvor hatte jemand mit weißer Farbe vorne an die Bühne "Und jetzt?" gemalt. Die Hausmeistertruppe hatte es zwar pflichtbewusst mit roten, weißen und blauen Tüchern verhängt, aber wir alle wussten, es war da. Da saßen wir nun, verzogen kaum eine Miene und hörten uns an, wie toll ausgebildet wir seien und wie wir nun die Welt retten sollten usw. Die meisten von uns trugen Armbinden, um alle Welt wissen zu lassen, was wir von diesem Krieg hielten. "Was für ein bombiger Haufen Moralapostel", dachte ich. "Wenn man uns jetzt auf die Menschheit loslässt, können Korruption und das Böse ja einpacken."

Zum Zeitvertreib und um herauszufinden, wo ich stand, auf der Suche nach irgendeinem Anhaltspunkt dafür, was zum Teufel ich als Nächstes tun sollte, hatte ich meine eigene Abschiedsrede geschrieben.

"Mitabsolventen des Jahrgangs ' 69 , Eltern, Lehrkräfte usw., seid gegrüßt. Hier sitzen wir nun an einem tollen sonnigen Junitag, um den Abschied von 207 tollen jungen Männern und Frauen von dieser tollen Hochschule feierlich zu begehen. Was mich immer begeistert, wenn ich mir eine Gruppe wie diese hier ansehe, ist die Tatsache, wie sehr Menschen sich angestrengt haben, um euch Gutes widerfahren zu lassen. Allein die finanziellen Kosten eurer Ausbildung sind gigantisch, aber damit noch längst nicht genug. Seit Generationen sind in eurem Namen zahllose Opfer erbracht worden. Die Liste ist endlos. Sie reicht vom Zweiten Weltkrieg bis zum Verzicht auf Butter zugunsten von Margarine. Immer gab es für euch nur das Beste, von der Schwangerenvorsorge bis zu den Uniprofessoren. Eure Großeltern, Eltern, Lehrer und andere haben jede Menge Nachtschichten eingelegt, um herauszufinden, wie man euch das Leben angenehmer machen könnte. Und eines der Dinge, auf die sie kamen, war ein Studium der Geisteswissenschaften, ohne das man heute ja einfach nicht mehr klarkommt.

Ihr seid im Großen und Ganzen kein besonders dankbarer Haufen. Ein Großteil von euch fühlt sich sogar komplett verschaukelt und ist der Auffassung, ein Studium der Geisteswissenschaften sei ein Haufen Scheiße. Hat das Gefühl, um vier kostbare Jahre gebracht worden zu sein. Und vollkommen unangemessen finde ich eure Bitterkeit nicht. Da sitzt ihr nun hier mit euren lächerlichen einundzwanzig Jahren und könnt nichts Richtiges außer Dampfplaudern. Aber lasst mich betonen, was für fantastische Dampfplauderer ihr seid. Die meisten von euch haben genügend oberflächliches Wissen gesammelt und die Taschenspielertricks des Gewerbes verinnerlicht, um praktisch mit jedem über alles plaudern zu können. Das ist einer der Gründe, warum ihr bei den Partys eurer Eltern so große Nummern seid. Ein richtig guter Dampfplauderer zu werden, das ist alles, worum es bei einem geisteswissenschaftlichen Studium geht.

Nun, wie gesagt, so ganz fehl am Platz finde ich eure Bitterkeit nicht. Denn zum einen hat nicht einer von euch auch nur den blassesten Schimmer, was er als Nächstes tun soll. Damit ihr aber nicht allzu sehr verbittert, lasst mich euch sagen, dass die Erkenntnis, dass ein Hochschulstudium ein Haufen Scheiße ist, wahrlich keine kleine Lektion ist. Es gibt viele Menschen, die das nicht wissen. Tatsächlich wissen es wahrscheinlich die meisten nicht. Und um diese Lektion zu lernen, gibt es zweifelsohne keinen besseren Ort als das College. Jedenfalls könnt ihr euch mit dem Gedanken trösten, dass ihr in Euren späteren Leben weder Zeit verschwenden noch euch lächerlich machen werdet, w

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