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Ein anderes Leben von Enquist, Per Olov (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 01.11.2012
  • Verlag: Carl Hanser Verlag München
eBook (ePUB)
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Ein anderes Leben

Von einem, der als Sohn einer strenggläubigen Volksschullehrerin in einem Dorf in Schweden aufwuchs und zu einem der angesehensten europäischen Schriftsteller wurde. Per Olov Enquist erzählt seine Lebensgeschichte, als ob es die eines anderen wäre: Er studierte in Uppsala, erlebte die RAF-Zeit in West-Berlin, schrieb in München als Journalist über die Olympiade und debütierte mit seinem ersten Theaterstück am Broadway in New York. 'Wenn alles so gut ging, wie konnte es dann so schlimm werden?' - steht als Leitfrage über Enquists Biografie, die auch tief in die Alkoholabhängigkeit und an den Rand des Todes führte. Ein außergewöhnliches Buch, das sich liest wie ein zeitgenössischer Roman.

Per Olov Enquist, 1934 in einem Dorf im Norden Schwedens geboren, lebt in Stockholm. Nach dem Studium arbeitete er als Theater- und Literaturkritiker. Er zählt heute zu den bedeutendsten Autoren Schwedens. Bei Hanser erschienen unter anderem Der Besuch des Leibarztes (Roman, 2001), Der fünfte Winter des Magnetiseurs (Roman, 2002), Hamsun (Eine Filmerzählung, 2004), Das Buch von Blanche und Marie (Roman, 2005), Kapitän Nemos Bibliothek (Neuausgabe, 2006), seine Autobiographie Ein anderes Leben (2009), für die er den renommiertesten schwedischen Literaturpreis, den August-Preis, erhielt, Die Ausgelieferten (Neuausgabe, 2011) sowie Das Buch der Gleichnisse (Roman, 2013). 2003 erschien sein erstes Kinderbuch Großvater und die Wölfe; 2011 folgte Großvater und die Schmuggler. 2017 erschienen diese beiden erfolgreichen Einzeltitel als Sammelband Abenteuer mit Großvater.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 544
    Erscheinungsdatum: 01.11.2012
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783446242135
    Verlag: Carl Hanser Verlag München
    Originaltitel: Ett annat liv
    Größe: 3784 kBytes
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Ein anderes Leben

Er war nicht der einzige, der sich die Frage stellte, warum es ging, wie es ging. Das Dorf erforschte auch sich selbst. Es musste doch ein Ganzes geben. Sonst wurde man ja verrückt.

Schweden ist in dieser ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts ein Archipel von Tausenden im Waldmeer verborgenen kleinen Dörfern, Hjoggböle nicht ausgenommen. Das Dorf pflegt jedoch seine Geschichte, und die ist lang. Endlose Berichte über Armut, die besiegt wurde. Auf der Dorfversammlung am 1. Mai 1885 wurde beschlossen, dass die Witwe Lovisa Andersson zur Vermeidung von Mietkosten mit ihren Kindern im Dorf von Haus zu Haus geht. Einen Tag pro steuerpflichtige Hufe . Es sind Notjahre. Man tauscht die letzten Besitzgüter gegen Mehl. Einen Eimer, ein Fischnetz, einen Krug, ein Fell, vier Sensenstiele; bekommt dafür 12 Pfund Mehl . Kleine lustige Anekdoten, die er übergehen kann; das Protokoll der Dorfversammlung im Mai 1868 berichtet, dass der Bauer Erik Andersson in Hjoggböle zwei Jungen in den Wald schickte, um Baumrinde zum Brotbacken zu sammeln. Als die Jungen auf dem Heimweg waren, überquerten sie eine Kuhweide, die Kühe, die hungrig waren, sahen da die Jungen und ihre Baumrindenlast, stürmten auf sie zu und fraßen die Rinde auf. Die ausgehungerten Jungen konnten sich nicht verteidigen, und in den Wald zurückzugehen hatten sie nicht mehr die Kraft. Wurde Unterstützung zugesagt, 2 Pfund Mehl von der besseren Sorte, 2 Pfund von der schlechteren.

Glückliches Ende. Sie mussten jedoch ohne Rinde nach Hause gehen.

Wurde in Sjön, Hjoggböle, ein Armenhaus gebaut, bestehend aus einer Stube; wurde den Wohnungslosen übergeben . Anscheinend sind viele von ihnen Soldatenwitwen mit Kindern. Das Steinfundament des Armenhauses noch Mitte der fünfziger Jahre zu sehen. Er geht häufig dorthin, es liegt neben einer der Schutzwehren, die er als Siebenjähriger gegen die von deutschen Panzern unterstützten Infanterieangriffe plant. Das Steinfundament lag hinter dem Anwesen von Anselm Andersson; als der Fußballplatz Furuvallen dort angelegt wurde, verschwand dieses historische Denkmal.

Die lutherische Moral schon jetzt, um die Mitte des 19. Jahrhunderts, hoch. Er kann sie wiedererkennen. Beschloss die Dorfversammlung auf ihrem Treffen am 1. Mai , gemäß Paragraph 8, eine Strafe von 25 Kronen festzulegen für denjenigen im Dorf, der sein Haus als Spielstube zur Verfügung stellt; die Bußzahlung soll den Armen im Dorf zukommen .

Spielstube bedeutet Tanzlokal.

Ein Olof Enqvist ist jedoch noch nicht unter den Hilfsbedürftigen - im Gegenteil: Als das Haus und die Mühle in Forsen im Mai 1883 mitsamt dem Inventar versteigert werden, ersteht er das Haus für vier Kronen und fünf Öre. Vielleicht reißt er es ab und behält das Holz?

Ein Onkel des Großvaters. Er schreibt den Namen mit qv.

Unterhalb des grünen Hauses lag das Hobelwerk.

Er kann sich nicht erinnern, als Kind das Hobelwerk je in Betrieb gesehen zu haben. Es wurde irgendwann gegen Ende der dreißiger Jahre stillgelegt. Er versucht sich zu erinnern, aber es gelingt ihm nicht.

Das kleine Haus, das Sägenhaus, stand ja noch die vierziger Jahre über unten am Bach. Ein sehr niedriges Haus mit durchhängendem First. War es nicht nach vorn, zur Straße und zum Milchbock hin, offen? Er kann sich an keine Tür erinnern.

Schwer vorstellbar, wie die Hobelwerkstatt betrieben wurde. War am Ausgang des Sees eine Art Wasserfall gewesen, gab es einen Niveauunterschied zum Bach hin, stand dort ein Schaufelrad? Er findet ein Archiv, das Auskunft gibt: Der Motor, der das Hobelwerk antrieb, war ein 7 PS Glühkopfmotor Baujahr 1920, Modell 15. Natürlich war Wasserkraft nicht notwendig. Aber warum stand es dann gerade dort?

Hat man vielleicht das Holz auf dem Wasserweg herantransportiert?

Das Hobelwerk lag am Abfluss des Sees, und nur hundert Meter vom grünen Haus entfernt. Er ist als Kind überzeugt

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