text.skipToContent text.skipToNavigation

Ein falscher Traum von Liebe Der lange Weg aus der Hölle meiner Kindheit von Birkhoff, Christine (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 17.03.2009
  • Verlag: Bastei Lübbe AG
eBook (ePUB)
6,99 €
inkl. gesetzl. MwSt.
Sofort per Download lieferbar

Online verfügbar

Ein falscher Traum von Liebe

Vom Vater fast totgeschlagen, von der Mutter verachtet und seelisch gequält: Die kleine Christine ist froh, als ihr neuer Stiefvater Jürgen sich als Erster und Einziger auf ihre Seite stellt. Vielleicht gibt es das doch noch: Familienglück.

Doch Jürgens Liebe ist nicht das, was sie zu sein scheint. Immer öfter will er mit Christine allein sein, und immer mehr isoliert er sie von ihren Freunden. Als er in seinem neuen Haus ein 'Liebesnest' für sie einrichtet, beginnt eine Tortur für das Mädchen, aus deren Klauen sie sich erst zwanzig Jahre später befreien kann.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 444
    Erscheinungsdatum: 17.03.2009
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783838700380
    Verlag: Bastei Lübbe AG
    Größe: 1844 kBytes
Weiterlesen weniger lesen

Ein falscher Traum von Liebe

KAPITEL 2
Jürgen und Margot

I m Bekanntenkreis meiner Eltern gab es ein Ehepaar, Jürgen und Margot. Jürgen war selbstständiger Unternehmer und besaß eine Firma, die Transformatoren und Batterieladegeräte produzierte. Margot war Mutter und Hausfrau, und dieser Umstand allein veranlasste meine Mutter zu ständigen Hetzereien. Meine Mutter war der Auffassung, dass Nurhausfrauen allesamt faule und geldgeile Weiber seien, die den ganzen Tag nichts anderes täten, als sich die Fingernägel zu polieren. Und Margot? Ja DIE hatte es natürlich NUR auf Jürgens Geld abgesehen, war ohnehin strohdoof und wäre ohne diesen fantastischen Mann niemals auf einen grünen Zweig gekommen. Dass Jürgen und Margot zwei Söhne hatten, die Margot zu erziehen hatte, und dass Margot sich ausschließlich allein um den großen Haushalt kümmerte, waren Gegebenheiten, die meine Mutter verächtlich zur Seite schob.

Jürgen und Margot gehörten zur wohlhabenden Bürgerschaft unserer Kleinstadt. Sie besaßen eine Eigentumswohnung in einem neu erbauten und damals als "chic" geltenden Hochhaus. Ihre Wohnung war auffallend teuer eingerichtet, und eine riesige Couchlandschaft aus cremefarbenem Leder war der Mittelpunkt des Wohnzimmers. Weiche chinesische Teppiche lagen groß und üppig auf dem Parkettboden, und überall funkelte und glitzerte es. Da standen kristallene Gläser und Karaffen in den Regalwänden, das Schlafzimmer war eine einzige Spiegellandschaft, und die Wasserhähne im Bad und dem Gäste-WC leuchteten goldfarben. Jürgen fuhr als Einziger in unserer Stadt einen vornehmen, bordeauxfarbenen Jaguar, und Margot kurvte mit einem wuchtigen Volvo durch die Straßen. Beide waren immer sehr elegant gekleidet: Margot war Stammkundin in der teuersten und elitärsten Boutique der Stadt und fiel mit ihrem extravagant-teuren Stil überall auf. Damals war die Gruppe Baccara populär, und Jürgen legte oft die Platte Sorry, I'm a lady auf und schwärmte vor seinen Söhnen, seiner Frau, meinen Eltern und mir, wie sehr "seine Margot" doch Ähnlichkeit mit einer der beiden Sängerinnen habe. Die Ehe schien völlig intakt zu sein.

Jürgen trug immer ganz fein aussehende Stoffhosen und superweiche Rollkragenpullover. Ich fasste diese Pullis gern an und ließ mich auch gern von Jürgen in den Arm nehmen.

"Das ist Kaschmir, eine ganz teure Wolle", erklärte mir Jürgen mit seiner tiefen und ruhigen Stimme. "Kaschmir ist so teuer, weil die Kaschmirziege im Himalajagebirge wohnt und das Unterfell mit der Hand gezupft wird."

Mit acht Jahren wollte ich am liebsten auch so einen weichen Pullover, und meinen ersten Schal aus Kaschmir schenkte mir Jürgen wenige Jahre später zu meinem zwölften Geburtstag. Außerdem roch Jürgen sehr gut und besaß unzählige Herrendüfte der erlesensten Marken. Alles an ihm erschien so unglaublich gepflegt und vornehm. Er trug den Schnauzer ganz gerade und korrekt gestutzt, das leicht graumelierte Haar modisch kurz, und er erzählte mir, dass er seine Haare selber schneiden würde, weil er das besser könnte als jeder Friseur.

Wow!, habe ich damals gedacht, gibt es irgendetwas, was dieser Mann nicht kann?

Wann immer ein Elektrogerät kaputtging, schleppten meine Eltern den Föhn oder den Toaster, die Super-8-Kamera oder den Projektor mit zu Jürgen und Margot. Jürgen saß dann in unendlicher Geduld bei Margot und meinen Eltern am Tisch in seinem hellbraunen Ledersessel und reparierte so ganz nebenbei irgendein Gerät. Genauso gab es kein Spielzeug, das Jürgen nicht wieder in Ordnung bringen konnte! Nicht nur uns

Weiterlesen weniger lesen

Kundenbewertungen