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Ein Ire in Paris Roman von Baker, Jo (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 23.04.2018
  • Verlag: Knaus
eBook (ePUB)
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Ein Ire in Paris

Über die Kraft des Schreibens - Samuel Becketts Kriegsjahre Als der Zweite Weltkrieg ausbricht, hält sich der Schriftsteller in seinem Elternhaus in Irland auf. Die Mutter ist froh, sie möchte den Sohn immer in ihrer Nähe wissen. Trotzdem verlässt der junge Mann seine sichere Heimat und kehrt zum Künstlerkreis um James Joyce und Marcel Duchamp und zu seiner Geliebten nach Paris zurück. Als seine Freunde nach und nach verschwinden, schließt er sich der Résistance an. Jo Baker nähert sich dem rätselhaften Samuel Beckett über die dunklen Jahre seiner künstlerischen Anfänge und zeigt, wie die entbehrungsreichen Kriegsjahre und das endlose Warten auf ein Ende sein Werk prägten, das Jahrzehnte später weltbekannt wurde. Jo Baker wurde in Lancashire geboren und studierte an der Oxford University und der Queen's University in Belfast, wo sie ihre Leidenschaft fürs Schreiben entdeckte. Seither veröffentlichte sie fünf Romane, die ihr in der Presse viel Lob einbrachten. Mit 'Im Hause Longbourn' gelang ihr der internationale Durchbruch. Jo Baker lebt mit ihrer Familie in Lancaster.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 352
    Erscheinungsdatum: 23.04.2018
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641201524
    Verlag: Knaus
    Originaltitel: A Country Road, A Tree
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Ein Ire in Paris

1

Greystones, County Wicklow

September 1939

In seinem Magen rumort es. Seine Hand zittert, und zwischen den Augen spürt er ein leichtes, unangenehmes Stechen. Die Sonne fällt schräg durchs Fenster und bricht sich in geschliffenem Glas und Tafelsilber. Geblendet verzieht er das Gesicht. Alle anderen haben schon gefrühstückt, und die Reste sind mehr oder weniger kalt.

"Soll ich nach mehr Bacon klingeln?"

Er schüttelt den Kopf, was wehtut.

Der Alkohol scheint immer notwendig, scheint immer die Lösung zu sein. Allerdings schwindet diese Gewissheit beim Trinken; er trinkt bis zum Ekel, und jetzt, einige schlaflose Stunden und einen höllischen Brand später, schwitzt er den Whiskey aus und schluckt bitteren Speichel, während er Butter auf kalten Toast streicht und sie dabei jede Bewegung verfolgt, jedes Zucken registriert. Sie scheint den Whiskey und das Elend zu wittern. Deshalb löchert sie ihn, stochert nach Lösungen.

"Und Eier? Möchtest du Eier essen?" Sie steht schon. "Ich sage Lily, dass sie dir welche machen soll."

Er antwortet zu schnell, was an der aufsteigenden Übelkeit liegt: "Nein. Danke."

Sie setzt sich wieder. "Aber du musst doch etwas essen."

Er beißt in eine Ecke seines Toasts und legt ihn wieder aus der Hand. Er kaut und schluckt. Er isst doch.

"Ich meine etwas Gehaltvolles. Nahrhaftes. Nicht nur Toast."

"Ich mag Toast."

"Du isst wie ein Spatz. Bist du krank? Du bist nicht krank."

Wie ein Spatz ... warum nicht wie ein Reiher oder ein Papageientaucher oder ein Basstölpel: ein einziges Schnappen und Stechen, Schütteln und Schlingen; essen wie ein Adler oder ein Falke, der seine Beute zu Boden schleudert und zerrupft. Eulen schlucken ihr Nachtmahl als Ganzes herunter und würgen anschließend einen Brei aus Knochen und Fell hoch. Er zerkleinert seine Toastscheibe und isst noch ein Bröckchen: Vielleicht isst er ja wie ein Pinguin?

Oben schlägt etwas hart auf den Boden: eine Bürste oder ein Schuh. Er zuckt zusammen, doch er schaut nicht auf, während sie, für einen Moment abgelenkt, zu den Rissen in der Decke hochblickt. Ihr Ausdruck wird weicher. Man hört Stimmen und laute Schritte. Eine Tür schlägt zu.

"Die schaffen es noch, dass das ganze Haus über uns zusammenbricht."

Stabil ist es wirklich nicht, dieses kleine, gemietete Haus am Hafen mit seinen klappernden Fenstern und rauchenden Kaminen. Damit die Wände nicht einknicken und ihr das Dach nicht auf den Kopf fällt, stopft sie die Zimmer mit Gästen voll, seinen Kusinen Sheila und Mollie und Sheilas Mädchen, Jill und Diana - all den Töchtern, die seine Mutter nicht bekommen hat. Von Abreise will sie nichts hören, sosehr der Sommer auch dahinschwindet. Es fegt kein kalter Wind. Der Sommer wird nicht enden. Es gibt keine Wolken.

"Diese Mädchen." Sie lächelt kopfschüttelnd.

Er schluckt den nächsten Toastbissen hinunter; sie gießt sich eine Tasse Milchkaffee ein. Ein kleiner, glänzender Tropfen sammelt sich am Rand der Tülle, und beide schauen zu, wie er herunterläuft. Als er gerade seinen Stuhl zurückschieben will, blickt sie auf: "Ach, übrigens, neulich habe ich in der Stadt einen Freund von dir getroffen. Reizender Junge. Mediziner. Kann mich jetzt beim besten Willen nicht an seinen Namen erinnern. An der Portora Royal müsste er ein paar Jahrgänge unter dir gewesen sein."

Er weiß, wen sie meint. "Das war bestimmt Alan Thompson."

"Ach, ja, Doktor Thompson, genau. Er schlägt sich sehr gut."

"Bestimmt."

Und war damals in Enniskillen ein farbloser Frosch in den trüben Wassern der Erne; in der Bibliothek immer mittendrin, wenn flüsternd Köpfe zusammengesteckt wurden, weiße Cricketkleidung, reumütig-freches Lächeln; auch später im Medizin-Studium am Trinity immer mitten im Getümmel, wenn eine Meute den Hof überquerte, mit Weinflaschen bewaffnet und von Zigarrenrauch umweht. Schien imme

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