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Eine Kindheit in der Provence Marcel / Marcel und Isabelle von Pagnol, Marcel (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 03.07.2017
  • Verlag: Piper Verlag
eBook (ePUB)
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Eine Kindheit in der Provence

Die Kindheitserinnerungen Marcel Pagnols in einem Band zum Sonderpreis. In den Wiesen und Hügeln der Provence mit ihren Zikaden und ihrem Lavendelduft verlebt der elfjährige Marcel einen Sommer voller Schönheit und Abenteuer. Da bricht jäh ein schwarzgelocktes Geschöpf in das Ferienidyll: Es ist das Mädchen Isabelle, das ihn die Qual früher Leidenschaft erfahren lässt. Marcel Pagnol, geboren am 28. Februar 1895 in Aubagne bei Marseille und am 18. April 1974 in Paris gestorben, studierte Literaturwissenschaft in Aix en Provence und war von 1946 an Mitglied der Académie française. Seine ersten großen Erfolge hatte er ab 1928 mit Theaterstücken, danach wandte er sich dem Filmschaffen zu. Erst mit sechzig Jahren begann er, seine Jugendgeschichte aufzuschreiben, mit der er Weltruhm erlangte: 'Eine Kindheit in der Provence' umfasst die beiden weltberühmten Klassiker 'Marcel' (1957) und 'Marcel und Isabelle' (1958).

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 464
    Erscheinungsdatum: 03.07.2017
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783492977463
    Verlag: Piper Verlag
    Größe: 699 kBytes
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Eine Kindheit in der Provence

Der Ruhm meines Vaters

Ich bin in der Stadt Aubagne geboren, unter dem von Ziegen gekrönten Garlaban, zur Zeit der letzten Ziegenhirten.

Der Garlaban ist ein riesiger Turm aus blauen Felsen, der sich am Rand von Plan de l'Aigle erhebt, dieser unermeßlichen, felsigen Hochebene, die das grüne Huveaune-Tal beherrscht. Der Turm ist etwas breiter als hoch: aber da er in sechshundert Meter Höhe aus dem Fels ragt, steigt er sehr hoch in den Himmel der Provence, und zuweilen ruht eine weiße Juliwolke sich auf seinem Gipfel aus.

Er ist noch kein Berg, aber er ist auch kein Hügel mehr: er ist der Garlaban, wo die Späher des Marius Reisigbündel anzündeten, als sie im Dunkel der Nacht auf der Sainte-Victoire Feuer aufflammen sahen: der rote Vogel flog in der Juninacht von Hügel zu Hügel, bis zum Felsen des Capitols, um Rom zu verkünden, daß seine Gallier in der Ebene von Aix hunderttausend teutonische Barbaren erschlagen hatten.

Mein Vater war das fünfte Kind eines Steinmetz' aus Valréas bei Orange.

Die Familie war seit mehreren Jahrhunderten dort ansässig. Woher kamen sie? Ohne Zweifel aus Spanien, denn in den Gemeindebüchern fand ich die Namen Lespagnol, später Spagnol.

Außerdem waren sie seit Generationen Waffenschmiede und härteten ihre Schwerter in den Wassern des Ouvèze: wie jeder weiß, ein vornehmlich spanischer Beruf.

Da aber die Notwendigkeit, Mut zu zeigen, immer im umgekehrten Verhältnis zur Entfernung steht, die die Kämpfer voneinander trennt, wurden Dolch und Säbel bald von Gewehr und Pistole abgelöst. Nun betätigten sich meine Vorfahren als Feuerwerker, das heißt, sie fabrizierten Schießpulver, Bleikugeln, Stahl und Raketen.

Einer von ihnen, ein Urgroßonkel, wurde eines Tages in einer Funken-Apotheose durch das geschlossene Fenster seiner Werkstatt geschleudert, inmitten kreisender Sonnen und einer Garbe von Wunderkerzen.

Er starb nicht daran, aber auf seiner linken Backe wuchs kein Bart mehr. Deshalb nannte man ihn bis zu seinem Tode 'Le Rousti' - der Geröstete.

Möglich, daß infolge dieses aufsehenerregenden Unfalls die nächste Generation beschloß - ohne auf Patronen und Raketen zu verzichten - sie nicht mehr mit Schießpulver zu füllen; sie wurden Pappfabrikanten, und das sind sie noch heute.

Was für ein schönes Beispiel lateinischer Weisheit: mit Stahl, diesem schweren, harten Material, wollten sie nichts mehr zu tun haben, auch mit Pulver nicht, denn das verträgt nicht einmal die Nähe einer Zigarette. Also widmeten sie ihren Unternehmungsgeist der Pappe, einem leichten, weichen und keineswegs explosiven Material.

Aber da mein Großvater nicht der älteste Bruder war, erbte er die Kartonfabrik nicht und wurde Steinmetz, warum, weiß ich nicht. Als Geselle zog er durch Frankreich und ließ sich dann in Valréas nieder, später in Marseille.

Er war klein, breit in den Schultern und hatte starke Muskeln.

Als ich ihn kannte, hatte er lange, weiße Locken, die bis auf seinen Kragen fielen, und einen schönen gekräuselten Bart.

Seine Züge waren fein, aber energisch, und seine schwarzen Augen glänzten wie Oliven.

Seine Autorität gegenüber seinen Kindern war beängstigend, und seine Beschlüsse waren unwiderruflich. Doch seine Enkelkinder flochten Zöpfe in seinen Bart oder steckten ihm Bohnen in die Ohren.

Mit großem Ernst erzählte er mir manchmal von seinem Handwerk oder vielmehr von seiner Kunst, denn er war Steinmetzmeister.

Die Maurer schätzte er nicht besonders. "Wir errichten Mauern aus zugeschnittenen Steinen", sagte er, "ein Stein muß sich genau in den anderen fügen, durch Zapfen, Stifte, Holzpfriemen und Falzbeine zusammengehalten. Natürlich gießen wir auch Blei in die Ritzen, um ein Verrutschen zu verhüten. Aber die Fugen werden so sorgfältig damit gefüllt, daß man außen nichts sieht. Die Maurer dagegen nehmen die Steine, wie sie kommen, und verstopfen die Spalten mit einem Haufen Mörtel. Auf

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