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Eine Kuh macht Muh, viele Kühe machen Mühe Geschichten einer furchtlosen Landtierärztin von Brandl, Astrid (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 17.09.2013
  • Verlag: Piper
eBook (ePUB)
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Eine Kuh macht Muh, viele Kühe machen Mühe

Ihre Patienten sind ohne Ausnahme unbekleidet, treten nach ihr und bringen Astrid Brandl regelmäßig in "beschissene" Situationen. Doch es muss schon mehr passieren, damit die Tierärztin aus den Gummistiefeln kippt. Zwischen Milchkuh und Miezekatze erlebt sie tierische Geschichten - da kann es schon mal passieren, dass man bei einer Grippe versehentlich die Schweinemedizin schluckt ...

Astrid Brandl, geboren 1976 in Trostberg, lebt im Chiemgau und ist promovierte Tierärztin und Landwirtin aus Leidenschaft. Zur Entspannung schert sie Kühe und schreibt als Kolumnistin für das Magazin MUH.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 272
    Erscheinungsdatum: 17.09.2013
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783492960540
    Verlag: Piper
    Größe: 1435kBytes
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Eine Kuh macht Muh, viele Kühe machen Mühe

EINE VERABREDUNG Die Luft in dem langen Flur war stickig, das Licht schwach, fast schummrig. Ein Fenster wäre schön gewesen. Mein Gegenüber war nicht viel größer als ich, aber aus der knienden Perspektive kam er mir doch unheimlich groß vor. In Wirklichkeit hatten mich seine schmalen Schultern überrascht, seine Hände wirkten dafür umso gröber. Er blickte auf mich herab. Ich vermied es, ihn anzusehen, aber aus den Augenwinkeln konnte ich erkennen, dass sich sein schwarzer Schopf nicht bewegte. Sein Blick war starr auf mich gerichtet. Ich spürte den harten Boden unter meinen Knien. Wie lange dauerte das jetzt schon? Mein Zeitgefühl hatte ich verloren, konnte die Dauer nur am zunehmenden Schmerz in meinen Beinen abschätzen. Eine Viertelstunde vielleicht? Mindestens ... Ich hatte vor ihm niederknien müssen, um besser hantieren zu können. Vor einer ganzen Weile schon. Langsam hatte ich das Gefühl keine Luft mehr zu bekommen. Wo war der verdammte Hoden? Wir waren um zwei Uhr verabredet gewesen. Mein Vormittag war ruhig verlaufen, wenig Arbeit, die Mittagspause wie geplant. Genügend Ruhe, um mich auf den Termin um zwei einzustimmen. Genügend Zeit, um gegen die Nervosität anzukämpfen. Oder mich so richtig reinzusteigern. Ich hatte alle möglichen Eventualitäten durchgespielt, wieder und wieder. Bloß keine bösen Überraschungen riskieren. Wir beide waren pünktlich erschienen. Er hatte draußen auf mich gewartet. Seine linke Hand ruhte auf dem Kopf eines großen Schäferhunds, der neben ihm saß. Die üblichen Begrüßungsfloskeln, höflich aber distanziert. Zusammen sind wir ohne weitere Worte durch eine kleine Tür ins Innere des Gebäudes gegangen. Sofort umfing mich unangenehm warme, schwül-stickige Luft, die es mir schwer machte, ruhig weiterzuatmen. Er ging mit dem Hund voraus. In einem langen Flur schienen wir angekommen zu sein. Mindestens acht oder zehn Türen gingen von dem schmalen Korridor ab - alle geschlossen. Hie und da drangen gedämpfte Geräusche hinter den Türen hervor. Mehr nicht. Es war unerträglich warm, und obwohl ich mich sorgfältig vorbereitet hatte, schlug mir das Herz plötzlich bis zum Hals. Vor einer der Türen in der Mitte blieb er stehen, bedeutete mir auf dem Flur zu warten und verschwand. Die Tür schloss sich hinter ihm. Der Hund hatte neben mir Position bezogen und lauschte mit gespitzten Ohren und leicht schief gelegtem Kopf dem Treiben hinter der Tür. Kurze Zeit später vernahm ich aufgeregtes, schrilles Quieken, ehe die Tür wieder aufging und er herauskam - mit einem kreischenden Ferkel auf dem Arm. Das war er also - mein erster Binneneber. Ein männliches Schweinchen mit einem kleinen anatomischen Fehler: Einer, oder vielleicht auch beide Hoden waren lieber im Inneren des Bauches geblieben, anstatt schön luftig zwischen den Beinen zu baumeln. Deshalb konnte er, der Bauer, dieses Schweinchen nicht selbst kastrieren, wie sonst durchaus üblich. Und genau deshalb war jetzt mein Einsatz gefragt. Ich sollte den abtrünnigen Hoden im Bauch aufspüren und entfernen. Meine absolute Schweine-Premiere. Seit ich in der Praxis arbeitete, hatte ich noch nie ein Schwein behandelt und schon gar nicht in einer derart delikaten Angelegenheit. Deshalb war ich jetzt doch etwas nervös. Aber nachdem ich mir schon Stunden zuvor den Ablauf des Eingriffes gebetsmühlenartig vorgesagt hatte, war ich in meinen Handgriffen einigermaßen sicher. Das Narkosemittel hatte ich schon griffbereit, und stellte damit als Erstes den ohrenbetäubenden Lärm ab, den das Ferkel verbreitete. Nicht lang, dann schwieg das Schweinchen. Welche Wohltat! Für die Operation sollte ich das Ferkel nach Anweisung meines Chefs mit dem Kopf nach unten aufhängen. Meist hatten die Bauern eine Vorrichtung für diesen Zweck in petto. Nachdem das Schweinderl also friedlich schlummerte, erkundigte ich mich, wo wir das Tier jetzt aufhängen könnten. 'Ach, des halt ich immer so fest!', meinte der Bauer. Aha. Ja, er wird's wo

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