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Endlich frei Ich bin die Tochter aus 'Nicht ohne meine Tochter'. Hier ist die ganze Geschichte. von Mahmoody, Mahtob (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 01.03.2015
  • Verlag: Bastei Lübbe AG
eBook (ePUB)
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Endlich frei

Was 1985 und 1986 im Iran geschah, wissen Millionen Leser des Weltbestsellers 'Nicht ohne meine Tochter'. Doch mit der Rückkehr in die USA war die Geschichte der damals erst vierjährigen Mahtob noch nicht ausgestanden. Jahrelang musste sie sich vor ihrem Vater verstecken, lebte unter falschem Namen, musste ihr Schicksal vor den Schulfreundinnen verschweigen - denn die Angst vor einer erneuten Entführung war groß. Wie geht Mahtob Mahmoody heute mit ihrer Vergangenheit um? In poetischen Bildern voller Kraft erzählt sie, wie sie sich von ihrer Angst befreite, sich mit ihrer iranischen Familie versöhnte und endlich ihr eigenes Leben lebt. Die Geschichte einer traumatischen Kindheit, eines Lebens in Angst - und einer außergewöhnlichen Versöhnung.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 464
    Erscheinungsdatum: 01.03.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783732506149
    Verlag: Bastei Lübbe AG
    Originaltitel: My Name is Mahtob
    Größe: 653 kBytes
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Endlich frei

K APITEL 1

Zweiunddreißig Umzüge in ebenso vielen Jahren. Der letzte war vielleicht der schönste, denn zum ersten Mal besitze ich jetzt ein eigenes Zuhause. Ich habe Wurzeln geschlagen und beschlossen, an diesem Ort zu bleiben ... zumindest ein wenig länger als bisher ... hoffentlich. Ich sitze in meinem Wintergarten, bade im Sonnenlicht, das durch die Fenster hereinflutet, und wärme mir die Hände an einem Becher dampfenden Milchkaffees. Womit habe ich dieses Glück verdient?

Draußen zwitschern die Vögel ihren Dank für ein neues, frisch gefülltes Vogelhäuschen. Der Frühling in Michigan ist herrlich. Der Schnee weicht zurück und legt die braune Erde frei, die hie und da mit gelblich grünen Grasbüscheln gesprenkelt ist. Neben mir steht ein Tischchen, das mit den Symbolen des persischen Neujahrsfestes Nouruz geschmückt ist. Das Haft Sin, wörtlich die "Sieben 'S'", da alle Bestandteile mit dem persischen Buchstaben "S" beginnen, fungiert mit seinem uralten Weisheitsschatz als eine Art Wegweiser beim Übergang von einem Jahr zum nächsten. Zu den Hauptaufgaben des Nouruz gehört die Reinigung. Die Reinigung des Geistes von negativen Gedanken, die Reinigung des Körpers und sogar die Reinigung der Wohnung.

Ich nippe an meinem Kaffee und verspüre einen Energieschub. Ich weiß nicht, ob es mit all dem Gerede über den Frühjahrsputz oder mit dem Anblick meiner Haft-Sin-Tafel zu tun hat, aber ich entschließe mich, heute die letzten Umzugskartons im Keller mit der Aufschrift "Verschiedenes" in Angriff zu nehmen. Drei Monate habe ich die Sachen geflissentlich übersehen, jetzt wird es Zeit.

Als ich die Treppe ins Erdgeschoss hinuntergehe, empfinde ich eine tiefe Freude, dass diese mit weichem Teppich belegten Stufen nun tatsächlich mir gehören. Ich verweile an den Glasschiebetüren in dem bisher unmöblierten Raum, der eines Tages mein Arbeitszimmer werden soll, und inspiziere das fast leere Beet am Rand der Terrasse. Die ersten Tulpen und Narzissen strecken ihre Spitzen durch die noch halb gefrorene Erde. Die Fliederbüsche sind noch kahl. Ich freue mich darauf, hier Blumen und Kräuter zu pflanzen, vielleicht sogar Tomaten zu ziehen. Aber noch ist es nicht so weit.

Im hinteren Teil des Kellers, abgetrennt durch eine Tür, die man ohne Weiteres zumachen und ignorieren kann, befindet sich ein nicht ausgebauter Teil des Hauses, ein ideales Versteck für allerlei Gerümpel. Noch bevor ich die Tür öffne, entfährt mir ein Seufzer. Es sind doch nur noch ein paar Kisten , sage ich mir beim Hineingehen. Wenn du das erledigt hast, geht es dir garantiert besser.

Mein Arbeitsplatz ist vorbereitet. Auf dem Klapptisch steht eine Kiste, die förmlich darauf wartet, geöffnet zu werden. Okay, schauen wir mal, was wir da haben. Verschiedenes, das stimmt: Briefe, Zeitungsausschnitte, Fotos, abgerissene Eintrittskarten, die rote Schlüsselkette, die ich bei einem Talentwettbewerb an der Highschool gewonnen habe - dies und das, Dinge, die einen ideellen Wert, aber sonst keinen oder nur wenig Nutzen haben. Deshalb ist es so schwierig, diese Kisten auszupacken. Sie sind angefüllt mit Überbleibseln aus der Vergangenheit, die nicht so ganz zu meiner Gegenwart passen, und dennoch bringe ich es nicht über mich, sie loszulassen. Während ich mich durch die diversen Schichten wühle, entdecke ich Erinnerungsstücke aus allen Phasen meines Lebens, und mir wird klar, dass ich für diese Aufgabe Zeit brauche, einen bequemen Stuhl und eine zweite Tasse Kaffee. Ich lade mir die Schachtel auf die Hüfte, knipse das Licht aus, schließe die Tür und gehe nach oben in den Wintergarten.

Das Erste, was meine Aufmerksamkeit auf sich zieht, ist ein Fotoalbum mit dunkelblauem Einband, auf dem einige Sterne und ein gelber Halbmond kleben ... denn "Mahtob bedeutet Mondlicht". Unwillkürlich muss ich schmunzeln, weil ich daran denke, wie mich meine Freunde und

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