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Flügel zitternd im Wind Neue überarbeitete Auflage von Schlenzig, Christiane (eBook)

  • Verlag: Books on Demand
eBook (ePUB)
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Flügel zitternd im Wind

Drei Generationen, drei Wirklichkeiten und doch fiktiv. Der Mittvierziger als Sohn, als Vater, eine unglückliche Liebe, erzählt von seiner Flucht in den achtziger Jahren mit dem Schlauchboot über die Ostsee in den Westen. Die Tochter im Hier und Jetzt, Fragen stellend und nach der Mutter suchend. Die Großmutter lebt von Erinnerungen an ihre große Liebe im Umbruch der Zeit. Zehn Geschichten, jede eine Erzählung für sich und doch romanartig miteinander verbunden. Erzählungen aus den schützenden Nischen einer Diktatur. Der Roman verbindet Familienschicksal zu einem bildnerischen Ganzen, in dem die Grenzen zwischen Vergangenheit und dem Heute verschwimmen. Es sind die kleinen atmosphärischen Beschreibungen, sowie die spannend geschriebene, lyrische Erzählweise der Autorin, die das Buch so lesenswert machen.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 188
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783750465916
    Verlag: Books on Demand
    Größe: 395 kBytes
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Flügel zitternd im Wind

Draußen und drinnen

Im Treppenhaus war das Licht ausgegangen. Er stand im Dunkeln auf dem letzten Treppenabsatz und tastete sich langsam an der Wand zum Lichtschalter nach oben. Mit fahriger Hand suchte er das Schlüsselloch. Die Tür sprang auf, er war zu Hause. Im Korridor warf er den Schlüssel auf das Tischchen, den Mantel über den Garderobenständer, ging in die Küche und füllte Wasser in den Kocher. Es war ein anstrengender Tag gewesen. An Essen mochte er gar nicht denken, so ging er mit seinem Teetopf ins Wohnzimmer, schaltete den Fernseher ein, und indem er sich in den Sessel setzen wollte, sah er das rote Lämpchen des Anrufbeantworters. So stellte er die Tasse ab, schlappte zum Telefon und drückte auf die rote Taste: Eine neue Nachricht, heute zwanzig Uhr zehn. Er schaute auf seine Uhr. Julia konnte es nicht gewesen sein. Sie saß zu dieser Zeit noch im Flieger nach Zürich.

Stille. Das Band sagte nichts, jedoch meinte er ein Atmen zu hören, dann kam der Piepton. Schade, eine Stimme von außen, außerhalb dieser verteufelt anstrengenden Arbeitswelt, wäre ihm willkommen gewesen. Julia ... beim Gedanken an sie, überkam ihn eine verzehrende Sehnsucht, der überwältigende Wunsch, ihre Stimme zu hören.

Er drückte noch einmal auf das Briefsymbol: Telefonnummer unbekannt, und nach der Ansage hörte er deutlich das tiefe Ein- und Ausatmen ...

Der nächste Arbeitstag war weniger anstrengend. Er war am Nachmittag schon zu Hause und hatte für das Wochenende eingekauft, in der Hoffnung, dass sie kommt. Julia hatte so eine geheimnisvolle Art, ihn auf angenehme Weise zu überraschen ...

Bevor er in die Küche ging, schaute er zum Telefon, wo das Rot erneut aufdringlich blinkte, als wolle es sich an seiner Abwesenheit rächen. Er ließ die Einkaufbeutel fallen: Eine neue Nachricht ... Wieder nur ein hastiges Ein- und Ausatmen. Seltsam. Wer war das?

Am Abend saß er mit einem Glas Wein am Fernseher und sah die Tagesschau im Ersten: Die Regierenden verhandelten über die Ausweitung des Euro-Rettungsschirmes, und gerade, als der Finanzminister zu reden beginnen wollte, summte Rolfs Telefonmelodie dazwischen.

Ärgerlich erhob er sich, lief durch die Wohnung, suchte, wurde nervös. Der Hörer lag in der Küche unter den Einkaufsbeuteln. Als er ihn endlich in den Händen hielt, schaltete sich der Anrufbeantworter ein. Er hätte die stumpfsinnig monotonen Worte unterbrechen können, jedoch irgendetwas hielt ihn davon zurück ... bitte hinterlassen Sie eine Nachricht ... atemlose zitternde Stille, dann ein Räuspern. An eine Hinterlassenschaft von Nachrichten war man wohl nicht interessiert ...

Er dachte an Kriminalfälle.

Bevor er am Abend noch einmal die Wohnung verließ, schaute er nach, ob auch alle Fenster geschlossen waren und drehte den Schlüssel im Schloss zweimal herum. Indem der Fahrstuhl durch die Etagen fiel, überlegte er, was man tun konnte. Bedrängung der Privatsphäre. Datenschutz. Wann greift eigentlich in solch einem Fall die Polizei ein?

Er sah die Lichter der Stadt. Leuchtreklame wölbte sich über die Straße. Schattengestalten in den Fensterkreuzen.

Er lief eine reichliche Stunde ziellos umher. Julia - er spürte ein Verlangen. Ihr Lächeln und die Verzauberung ihrer Stimme, die nicht durch ihre Worte, sondern durch das Schiefergrau ihrer Augen im Dunkeln aufzuleuchten schienen.

Weit nach Mitternacht war er wieder in seiner Wohnung, im Dunkel des Zimmers suchte er nach einem roten Blinklicht. Doch da war nichts.

Am nächsten Morgen, er hatte schlecht geschlafen und stand unter der Dusche, ließ kaltes Wasser über Gesicht und Schultern rieseln, da hörte er wieder sein Telefon. In ein Badetuch gewickelt stürzte er ins Wohnzimmer. "Hallo Julia", und er atmete den Duft ihrer Haare, lieblich, frisch, mit einer schwachen Note von Lavendel ... "Hallo, hier ist Krummbiegel, Paul Krummbiegel", wie zerbrochen

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