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Fräulein Else von Schnitzler, Arthur (eBook)

  • Verlag: neobooks Self-Publishing
eBook (ePUB)
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Fräulein Else

Else verlebt unbeschwerte Urlaubstage in einem norditalienischen Kurort, bis ein Expressbrief von ihrer Mutter aus Wien eintrifft. Der Vater ist in ernsten Schwierigkeiten - nur eine größere Summe kann ihn noch vor dem Zuchthaus retten. Else soll einen älteren Kunsthändler um das Geld bitten; doch der stellt eine ungeheuerliche Bedingung ... Arthur Schnitzler (1862-1931), österreichischer Schriftsteller

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 42
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783847660217
    Verlag: neobooks Self-Publishing
    Größe: 526 kBytes
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Fräulein Else

Arthur Schnitzler: Fräulein Else (Novelle, 1924)

"Du willst wirklich nicht mehr weiterspielen, Else?" - "Nein, Paul, ich kann nicht mehr. Adieu. - Auf Wiedersehen, gnädige Frau." - "Aber, Else, sagen Sie mir doch: Frau Cissy. - Oder lieber noch: Cissy, ganz einfach." - "Auf Wiedersehen, Frau Cissy." - "Aber warum gehen Sie denn schon, Else? Es sind noch volle zwei Stunden bis zum Dinner." - "Spielen Sie nur Ihr Single mit Paul, Frau Cissy, mit mir ist's doch heut' wahrhaftig kein Vergnügen." - "Lassen Sie sie, gnädige Frau, sie hat heut' ihren ungnädigen Tag. - Steht dir übrigens ausgezeichnet zu Gesicht, das Ungnädigsein, Else. - Und der rote Sweater noch besser." - "Bei Blau wirst du hoffentlich mehr Gnade finden, Paul. Adieu."

Das war ein ganz guter Abgang. Hoffentlich glauben die Zwei nicht, dass ich eifersüchtig bin. - Dass sie was miteinander haben, Cousin Paul und Cissy Mohr, darauf schwör' ich. Nichts auf der Welt ist mir gleichgültiger. - Nun wende ich mich noch einmal um und winke ihnen zu. Winke und lächle. Sehe ich nun gnädig aus? - Ach Gott, sie spielen schon wieder. Eigentlich spiele ich besser als Cissy Mohr; und Paul ist auch nicht gerade ein Matador. Aber gut sieht er aus - mit dem offenen Kragen und dem Bösen-Jungen-Gesicht. Wenn er nur weniger affektiert wäre. Brauchst keine Angst zu haben, Tante Emma . . .

Was für ein wundervoller Abend! Heut' wär' das richtige Wetter gewesen für die Tour auf die Rosetta-Hütte. Wie herrlich der Cimone in den Himmel ragt! - Um fünf Uhr früh wär' man aufgebrochen. Anfangs wär' mir natürlich übel gewesen, wie gewöhnlich. Aber das verliert sich. - Nichts köstlicher als das Wandern im Morgengrauen. - Der einäugige Amerikaner auf der Rosetta hat ausgesehen wie ein Boxkämpfer. Vielleicht hat ihn beim Boxen wer das Aug' ausgeschlagen. Nach Amerika würd' ich ganz gern heiraten, aber keinen Amerikaner. Oder ich heirat' einen Amerikaner und wir leben in Europa. Villa an der Riviera. Marmorstufen ins Meer. Ich liege nackt auf dem Marmor. - Wie lang ist's her, daß wir in Mentone waren? Sieben oder acht Jahre. Ich war dreizehn oder vierzehn. Ach ja, damals waren wir noch in besseren Verhältnissen. - Es war eigentlich ein Unsinn die Partie aufzuschieben. Jetzt wären wir jedenfalls schon zurück. - Um vier, wie ich zum Tennis gegangen bin, war der telegraphisch angekündigte Expressbrief von Mama noch nicht da. Wer weiß, ob jetzt. Ich hätt' noch ganz gut ein Set spielen können. - Warum grüßen mich diese zwei jungen Leute? Ich kenn' sie gar nicht. Seit gestern wohnen sie im Hotel, sitzen beim Essen links am Fenster, wo früher die Holländer gesessen sind. Hab' ich ungnädig gedankt? Oder gar hochmütig? Ich bin's ja gar nicht. Wie sagte Fred auf dem Weg vom 'Coriolan' nach Hause? Frohgemut. Nein, hochgemut. Hochgemut sind Sie, nicht hochmütig, Else. - Ein schönes Wort. Er findet immer schöne Worte. - Warum geh' ich so langsam? Fürcht' ich mich am Ende vor Mamas Brief? Nun, Angenehmes wird er wohl nicht enthalten. Express! Vielleicht muss ich wieder zurückfahren. O weh. Was für ein Leben - trotz rotem Seidensweater und Seidenstrümpfen. Drei Paar! Die arme Verwandte, von der reichen Tante eingeladen. Sicher bereut sie's schon. Soll ich's dir schriftlich geben, teuere Tante, dass ich an Paul nicht im Traum denke? Ach, an niemanden denke ich. Ich bin nicht verliebt. In niemanden. Und war noch nie verliebt. Auch i

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