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Gabriele Münter Im Bann des Blauen Reiters von Schröder, Stefanie (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 19.02.2015
  • Verlag: Verlag Herder GmbH
eBook (ePUB)
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Gabriele Münter

Ihre Kunst hat sie unsterblich gemacht, ihre Schicksale waren oft bewegend, schmerzlich, außergewöhnlich. In Zeiten, in denen Frauen nicht selbstbestimmt über ihr Leben entscheiden konnten, gingen sie ihre eigenen Wege, verstießen gegen Konventionen, oft gegen den Willen ihren Familien. Sie liebten intensiv, wurden verletzt und suchten nach ihren eigenen Ausdrucksformen - in der Kunst ebenso wie im Leben. Vier leidenschaftliche Frauen, die großen Mut bewiesen haben. Vier spannende Porträts, um diese Frauen zu ehren.

Stefanie Schröder hat Germanistik und Geschichte studiert. Romanbiografien zu Gabriele Münter und Paula Modersohn-Becker. Zuletzt: "Ein starkes, verwundetes Herz - Niki de Saint Phalle. Ein Künstlerleben".

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 272
    Erscheinungsdatum: 19.02.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783451804823
    Verlag: Verlag Herder GmbH
    Größe: 3717 kBytes
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Gabriele Münter

3.

Erster Abend in Bonn in der Dechenstraße 5 mit Schwester Emmy, mit Georg Schroeter, Emmys Mann, und mit Bruder Carl. Mary, Carls Frau, war heute daheimgeblieben im Bonner Talweg 16. Ja, wenn man eine berühmte Konzertsängerin heiratet! Mary musste sich erholen vom Gesangsunterricht, den sie den ganzen Nachmittag über erteilt hatte. Emmy hatte die Ankunft ihrer Schwester ohne viel zu fragen hingenommen. Wie üblich. Emmy war es ein Rätsel, was die Kleine am Malen und Zeichnen derart faszinierte, dass sie immer wieder einen neuen Anlauf nahm. Trotzdem schien Gabriele sich nicht besonders wohl zu fühlen. Lief ruhelos durchs Haus, die schmalen Lippen noch schmaler als sonst, scharf zusammengekniffen im runden Gesicht.

Als die Geschwister mit der Mutter noch in Koblenz lebten und die zwanzigjährige Ella im Mai 1897 zum Zeichen- und Malstudium nach Düsseldorf ging, sich in der Pension eines norwegischen Malers einquartierte, war es Carl, ihr älterer Bruder, gewesen, der die Schwester unterstützte, endlich eine Sache intensiv zu betreiben. Emmy hatte man seinerzeit nicht bewegen können, sich als Lehrerin ausbilden zu lassen. Nach der Selekta war sie von der Schule abgegangen.

Carl, der Charly, klopfte seiner Schwester Ella auf die Schulter. Er, Fabrikant und Kaufmann, besaß eine Kieselquarzwäscherei mit Dampfbetrieb und eine Kalksandziegelfabrik in Duisdorf bei Bonn. Seine beiden Schwestern hatte er nach dem Tod der Mutter nach Bonn geholt. Emmy war nun verheiratet mit dem Privatdozenten Dr. habil. Georg Schroeter. Aber was macht unsere Ella? Er hob der Kleinen das Kinn hoch, gab seiner Stimme einen wohlwollend herablassenden Ton: Kein Kandidat in Aussicht, kein Bewerber um Ellas Hand? Emmy spöttelte: Ella liebt nur ihre Malerei. Warum nicht?, hätte Ella jetzt erwidern sollen, doch sie schoss los: "Pah, wenn ich den Passenden nicht finde, ich bin so auch sehr zufrieden und glücklich. " Einen Druckschmerz spürte sie hinter der Schläfe. Hielten die großen Geschwister wieder zusammen? Bildeten eine geschlossene Front, in die Ella plötzlich einbrechen und losschießen konnte.

Wie Großvater Friedrich! Alle wussten, wie wütend der Großvater werden konnte und dass er denjenigen kurzerhand rauswarf, der nicht das vertrat, was er für richtig hielt.

War Gabriele so? Viel zu sehr alleingelassen als jüngstes Kind in dieser erwachsenen Familie, war sie nicht redegewandt, manchmal verunsichert. Darauf allerdings, dass sie immer die Wahrheit sagte, konnten die anderen vertrauen. Ella Münter lügt nicht, hieß es. Nur, dass sie dabei unerbittlich war, machte sie unbequem. Wie soll man die Kleine nur aushalten, stöhnte Emmy, wenn Gabriele auf schonungslose Offenheit drang.

Georg lenkte Gabriele ab. Was hatte die kleine Schwägerin in München erlebt? War nicht das Prinzregententheater gerade eröffnet worden? Ella liebte doch Theater und Opern, und München wollte Richard-Wagner-Stadt werden. Richtig, und im April feierten die "Elf Scharfrichter", das war ein satirisches Kabarett, einjähriges Bestehen. Scharfrichternamen gaben sich die elf Begründer, ließen ihr Kabarett als Verein eintragen, umgingen so die Zensur, und man brauchte keinen Eintritt zu bezahlen, nur eine Gebühr für Garderobe, raffiniert, was! Gabriele fuhr fort, die Plakate mit den Holzschnitten wären ihr sofort aufgefallen. Robert Hüsgen, Bildhauer und Mitglied im Kabarett, hatte sie angefertigt. Und weil er auch unterrichtete, hätte sie sofort einen Holzschnittkurs bei ihm belegt.

Es war gut, dass eine Kunststudentin aus Düsseldorf Gabriele München schmackhaft gemacht hatte. So war sie im Mai 1901 in München in die Pension Bellevue in die Theresienstraße 30 gezogen. Aber so einfach, wie sich manch einer das vorstellte, war es nicht für eine Frau, etwas lernen zu wollen. Welch ein Glück, dass im Jahr 1882 mutige und finanzkräftige Frauen eine private Damenakademie gegründet hatten, den "Künstlerinnenverein", wo sic

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