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Geboren als Frau - Glücklich als Mann Logbuch einer Metamorphose von Flütsch, Niklaus (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 01.07.2016
  • Verlag: Wörterseh Verlag
eBook (ePUB)
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Geboren als Frau - Glücklich als Mann

Niklaus Flütsch kam 1964 in Zürich zur Welt. Als Bettina. Das Kind trug alle äußeren Zeichen eines Mädchens, wurde von seiner Umgebung auch eindeutig als solches wahrgenommen, fühlte sich aber als Junge. Im Alter von vier Jahren bat es seine Mutter, sich die langen Haare schneiden zu dürfen. Die Enttäuschung, dass mit den fallenden Haaren nicht automatisch ein Zipfelchen zwischen seinen Beinen wuchs, war immens. Über seine Seelennot redete das Kind nie, auch nicht in der Pubertät. Es arrangierte sich so weit wie möglich mit seiner weiblichen Hülle, studierte später Medizin und wurde Gynäkologin. Im Alter von 46 Jahren schließlich entschied sich Niklaus, so der neue Name, zur Transition. Im nun folgenden Prozess sprach er das erste Mal über seine Not. Mit seinen Eltern, seinen Geschwistern, seinen Patientinnen, seinen Freundinnen und Freunden, seinen Arbeitskolleginnen und -kollegen. Er setzte alles auf eine Karte und war bereit, alles zu verlieren, um endlich zu werden, was er im Grunde immer schon war. Heute blickt Niklaus im Spiegel endlich in das Gesicht, das seine Seele schon immer haben wollte. Niklaus Flütsch, geb. 1964, kam als Mädchen zur Welt und wusste schon als Kleinkind, dass er ein Junge sein wollte. Ein Traum, den er sich erst Jahrzehnte später erfüllte. In seinem Buch schreibt er: 'Ich habe immer schon gewusst, dass mein Inneres Erleben nicht zu einem weiblichen Körper passt. So habe ich in letzter Konsequenz schließlich meinen Körper meiner männlichen Identität angepasst. Dieser Prozess war extrem befreiend und entsprach einem Gefühl, wie wenn ich nach langem Umherirren im Dunkeln endlich nach Hause gefunden hätte.' Niklaus Flütsch betreibt in Zug eine gynäkologische Praxis und ist als Geburtshelfer am Zuger Kantonsspital tätig. Daneben begleitet er transidente Menschen auf ihrem Weg, schreibt Fachartikel und hält Vorträge und Workshops im In- und Ausland. Ursula Eichenberger, geb. 1968 in Zürich, war bis 2006 Redaktorin beim 'Tages-Anzeiger' und ist heute als Buchautorin - für den Wörterseh-Verlag schrieb sie 2016 auch 'Der Weichensteller' - sowie für Non-Profit-Organisationen tätig. Als die Idee an sie herangetragen wurde, an einem Buch über Niklaus Flütsch mitzuarbeiten, den sie im 'Tages-Anzeiger' anlässlich der Lancierung des Buches 'Das Geschlecht der Seele - Transmenschen erzählen' (Elster Verlag) porträtiert hatte, bat sie um Bedenkzeit. Rückblickend sagt die Autorin: 'Von Niklaus auf seine Lebensreise mitgenommen worden zu sein, ist ein Geschenk - inhaltlich wie menschlich.' Ursula Eichenberger lebt in Zürich.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 256
    Erscheinungsdatum: 01.07.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783037635643
    Verlag: Wörterseh Verlag
    Größe: 1136 kBytes
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Geboren als Frau - Glücklich als Mann

Logbuch einer Metamorphose

Meine Beine baumeln vom Coiffeurstuhl, die Hände liegen auf einer karierten Wachsschürze, es riecht nach Shampoo und Haarspray. Ich bin aufgeregt und voller Vorfreude. Endlich ist es mir gelungen, Mama zu überreden, mir die Haare schneiden zu lassen. Keine Frisuren mehr, keinen Rossschwanz, keine Zöpfe, Haarspangen, keine Bändchen mehr und dergleichen. Kurz, ganz kurz soll das Haar werden, eigentlich am liebsten ein Bürstenschnitt. Doch die Friseuse will mir partout keinen Stufenschnitt schneiden. "So schöne glatte schwarze Haare, das wäre doch jammerschade!" Mir bleibt nichts anderes übrig, als mich auf einen Kompromiss einzulassen; ich glaube aber noch immer, dass mein Plan aufgeht.

Ich bin vier Jahre alt, und ich weiß genau: Buben und Mädchen unterscheiden zwei Dinge– die Länge der Haare und ein Zipfeli zu haben oder eben nicht. Während meine kürzeren Haare geföhnt werden, frage ich meine Mutter, ob es jetzt endlich so weit sei und ich nun auch ein Zipfeli kriege. Mein Plan ist nicht, über einen Penis zu einem Buben zu werden. Ein Bube bin ich schon. Als das fühle ich mich, seit ich denken kann. Doch ich bin eben ein Bube mit langen Haaren und ohne Penis. Ich will aber ein Kind sein mit Penis. Der ist bei mir leider vergessen gegangen. In meiner Vorstellung bin ich einfach mit den falschen Geschlechtsorganen zur Welt gekommen. Aber das lässt sich beheben.

Im Lärm des Föhns versteht Mama meine Frage nicht. Schließlich schaltet die Coiffeuse das Gerät aus, was meinem Nachhaken noch mehr Gewicht verleiht. "Mama, kriege ich nun auch ein Zipfeli?" Stille. Das erschrockene Gesicht meiner Mama werde ich nie vergessen. Nach einer Pause lacht sie verlegen. "Nein, nein, mein Liebes, wo denkst du denn auch hin?!" Meine Welt bricht zusammen.

- - - 1968

Neuland. Es ist ein Sprung ins Wasser, ohne zu wissen, ob ich überhaupt schwimmen kann. Doch ich sehe mich selbst als Mann. Ganz klar. Diese Vorstellung weckt Vorfreude. Ich werde mich wohlfühlen in meinem veränderten Körper.

Aber wie wird das Umfeld reagieren? Wird man mich als Mann wahrnehmen und akzeptieren? Werde ich überhaupt so männlich aussehen, dass die Leute mich als Mann erkennen? Was mache ich, wenn ich keinen Bart bekomme? Was mache ich, wenn ich keinen Bart bekomme und dafür eine Glatze? Wenn die Stimme hoch bleibt und ich aussehe wie ein schlechter Transvestit? Renne ich nicht einfach einer Idealfigur nach?

Ich versuche, ein Problem aus der Welt zu schaffen, und kreiere zwanzig neue.

Zweifel über Zweifel. Ich habe riesige Angst, einen nicht wiedergutzumachenden Fehler zu begehen. Ich habe Angst, dass ich dem, was auf mich zukommt, nicht gewachsen bin; Angst dass mich der Mut verlassen könnte und ich in mein altes Leben zurückkehren werde.

- - - März 2010

Ein lauer Sommerabend, die Luft schwirrt, Mücken tanzen in den letzten Sonnenstrahlen, Grillen zirpen, das Gras ist frisch gemäht. Ich stehe mit meinem Lieblingscousin, seinem Bruder und meinem Onkel auf dem Feld. Mein Onkel ist Bauer und sein Hof für mich ein Paradies. Stoppeln und Halme zwicken mich heftig in die nackten Fußsohlen, doch ein Indianer kennt keinen Schmerz. Ich fühle mich rundum aufgehoben in dieser Männergruppe, habe meine kurzen dunkelgrünen Lieblingshosen an, spüre die Sonne auf meiner nackten Brust. Ich bin eins mit meinem Leben.

Da beschließt mein Onkel, in den Bach zu pinkeln. Gleich darauf machen es ihm meine beiden Cousins nach. Das kann ich auch! Ich

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