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Gegessen 13 Jahre zwischen Bulimie und Magersucht - und wie ich endlich heilte von Vukovic, Sonja (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 09.09.2016
  • Verlag: Bastei Lübbe AG
eBook (ePUB)

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Gegessen

In Deutschland leiden immer mehr Mädchen und Jungen in immer jüngeren Jahren an Essstörungen. Eine davon war Sonja Vukovic, sie litt dreizehn Jahre an Anorexie und Bulimie. Mit ihrer eigenen Geschichte offenbart die heute Einunddreißigjährige schonungslos die Schrecken einer Essstörung, die sie fast ihr Leben gekostet hätte. Immer auf der Grenze zwischen Rausch und Krankheit führt Vukovic uns tief in ein Unheil hinein, in das jeder von uns stürzen könnte - und zeigt, wie sie es in ein gesundes und glückliches Leben schaffte.

Sonja Vukovic schreibt so fesselnd, dass man als Leser geradezu süchtig danach wird, zu erfahren, wie ihre Geschichte weitergeht. Zwischen Scheitern und Sehnen, Verzweiflung und Erwartung bricht Vukovic Tabus, macht Betroffenen Hoffnung und legt den Finger in die Wunde der Gesellschaft, die dem Rausch huldigt, Süchtige aber verachtet.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 320
    Erscheinungsdatum: 09.09.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783732529698
    Verlag: Bastei Lübbe AG
    Größe: 815 kBytes
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Gegessen

I. die fassade fällt

Als mich das Klopfen aus einem seichten Schlaf holt, streicheln bereits die ersten Sonnenstrahlen durch die Rollläden hindurch warm mein Gesicht. Die inzwischen fünftgrößte Stadt der USA, Phoenix, liegt mitten im sogenannten Valley of the sun , der Sonora-Wüste, die mit ihren rund 320000 Quadratkilometern von Mexiko bis Niederkalifornien und bis hierher, dem südwestlichen Teil von Arizona, reicht.

Um sechs Uhr morgens steht die Sonne schon steil und strahlt dann im Durchschnitt 13 Stunden am Tag, 325 Tage im Jahr. Zehn Monate lang bringt der Sommer Bedingungen, die bei uns in Europa als Klimakatastrophe gelten würden: Wenn man nicht aufpasst, bleibt Straßenteer an den Schuhen kleben, Wasser verdunstet quasi noch beim Auskippen, und viele Wagen fahren mit kaputten Reifen oder ohne Scheibenwischer, weil die Strahlen der Sonne das Gummi zerstören.

Alles, was ein Dach und Türen hat, ist darum auch mit Air Conditioning ausgestattet. An manchen Tagen ziehen Klimaanlagen in der Region mehr als die Hälfte des Stroms im Bundesstaat Arizona.

Für mich sind die Räume wie Kühlschränke.

Ich war schon immer ein Sonnenkind, und seit ich als Austauschschülerin hier lebe, nutze ich jede Gelegenheit, um draußen zu sein. Auch bei 40 Grad. Die McFinns, meine Gasteltern, schütteln lächelnd den Kopf, wenn sie mich von drinnen aus auf der Veranda oder im Garten hinter dem Haus lernen oder Sport machen sehen. Zur Hitze kommt eine Luftfeuchtigkeit von bis zu 50 Prozent hinzu, das macht jede Bewegung anstrengend, man schwitzt schnell.

Mir gefällt das. Mir gefällt alles hier - vor allem die Gewissheit, dass jetzt endlich alles anders wird. Dass ich nicht mehr an ihn denken muss. Nicht mehr an die Scham. Und vor allem: kein Fressen und kein Kotzen mehr. Stattdessen Sport und lernen. Und was soll ich sagen? Es geht. Wahnsinn, es geht wirklich!

Gabbie, Tom und ihre Tochter July sind alle drei fat . So nennen sie sich selbst: fett.

Sie sind warmherzige, lebenslustige Genussmenschen. Ich mochte sie auf Anhieb sehr!

Am ersten Tag bei ihnen zu Hause staunte ich nicht schlecht, als jeder für sich allein eine Familienpizza aß. Als ich sie probierte, verstand ich aber, wieso man davon kaum genug bekommen kann. Der Boden war sehr dünn und knusprig, der Rand weich und von einer unglaublich leckeren Öl-Würzmischung überzogen. Über scharfer, feiner Salami und knackigen Zwiebeln zerliefen drei verschiedene Sorten Käse. So eine Pizza hatte ich bis dahin noch nie gegessen. Dieser Mischung aus salzig-süßem Hefeteig und fettig-deftigem Belag konnte auch ich nicht widerstehen. Und noch im selben Moment, als ich mir ein weiteres Stück nahm, obwohl ich bereits satt war, graute mir schon vor dem, wovor meine Austauschorganisation Building Bridges (BB) uns gewarnt hatte: In der Vorbereitung auf das Austauschjahr hatten sie uns darauf hingewiesen, dass die Körper von Jugendlichen oft einige Monate brauchen, um sich an das Essen und das ungewohnte Klima zu gewöhnen. Ihre Haut wird oft pickelig und viele kommen mit zehn oder sogar mehr Kilos zusätzlich zurück aus den USA. Vor allem Letzteres eine Horrorvorstellung!

So wollte ich nicht enden. Die vergangenen zwei Jahre hatte ich zu hart meinen "Babyspeck" bekämpft, wie ihn meine Mutter und meine Oma gern nannten. Gut 15 Kilo hatte ich zu viel auf den Hüften gehabt.

Das Schwitzen und der Sport in der Hitze sollen mir gegen das Ansetzen neuer Pfunde helfen. Ich suche geradezu nach jeder Gelegenheit, Wasser, Kalorien und Gifte zu verlieren, viel Flüssigkeit nachzutrinken und, so weit mein heller Hauttyp das zulässt, Farbe zu gewinnen. Gebräunt sieht man schlanker aus.

Am Abend creme ich mich mit diesen süßen Vanille-Après-Lotions ein, die es hier in den überdimensionierten Grocery Stores gibt. In den USA haben Hygiene-A

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