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Geschichte einer Liebe: Adele Schopenhauer und Sibylle Mertens von Steidele, Angela (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 13.10.2012
  • Verlag: Insel Verlag
eBook (ePUB)
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Geschichte einer Liebe: Adele Schopenhauer und Sibylle Mertens

Adele Schopenhauer, Schriftstellerin, Künstlerin und Schwester des Philosophen Arthur Schopenhauer, und die "Rheingräfin" Sibylle Mertens-Schaaffhausen verband eine Liebesbeziehung, die leidenschaftlicher, turbulenter und skandalöser nicht hätte sein können. Angela Steidele, geb. 1968, Dr. phil., erforscht die Geschichte der Frauenliebe vor Erfindung der "Homosexualität" (1869). Ihrer Dissertation "Als wenn du mein Geliebter wärest." Liebe und Begehren zwischen Frauen in der deutschsprachigen Literatur 1750-1850 (Stuttgart: Metzler, 2003) folgte die Biographie der letzten Frau, die in Europa wegen der so genannten Unzucht mit einer anderen Frau hingerichtet wurde: "In Männerkleidern." Das verwegene Leben der Catharina Margaretha Linck alias Anastasius Lagrantinus Rosenstengel, hingerichtet 1721 (Köln: Böhlau, 2004). Das Buch wurde mit dem Gleim-Literaturpreis ausgezeichnet. Ihr erster Titel im Insel Verlag, Geschichte einer Liebe: Adele Schopenhauer und Sibylle Mertens erzählt von der wechselvollen Beziehung zweier Frauen an der Schwelle zur lesbischen Identität der Moderne. Angela Steidele lebt, schreibt und gärtnert in Köln.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 334
    Erscheinungsdatum: 13.10.2012
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783458768906
    Verlag: Insel Verlag
    Größe: 5720 kBytes
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Geschichte einer Liebe: Adele Schopenhauer und Sibylle Mertens

Der Dom ist mein Vaterhaus:
Die Schaaffhausens in Köln

S ibylle Schaaffhausen wurde am 29. Januar 1797 in Köln geboren. Ihr Elternhaus stand in der Trankgasse 25, gleich beim Dom. Heute befindet sich dort die geschäftige Leere des Bahnhofsvorplatzes. Der Dom war damals eine traurige Bauruine. In den Fugen und Ritzen des gotischen Chors spross das Unkraut, Lang- und Querhaus sowie der Nordturm fehlten. Auf dem südlichen Turmstumpf stand seit dem Baustopp im frühen 16. Jahrhundert ein altertümlicher Kran, Symbol des Niedergangs der einstmals größten Stadt nördlich der Alpen. Reisende wähnten sich in einer Art Freilichtmuseum avant la lettre; zwischen den spitzgiebeligen Häusern, den romanischen Kirchen, Klöstern und Kapellen schien das Mittelalter stehen geblieben zu sein. Im engen Straßenlabyrinth drängten sich die Warenträger und Mönche, Lehrbuben und Marktfrauen, Handwerksgesellen und Priester, Pilger und Händler, stolperten über Hühner vorbei an den offenen Halbtüren der Läden, der Kaffeeröstereien und den Ständen der Appeltiffen , die gebacke Birren , fresch geleute Nöß und gekochte Kruschteien 1 anboten. In ihre Rufe mischten sich die gröbsten Ausdrükke, die infamsten Schimpfwörter, ging man ohne milde Gabe an einem der so genannten Professionsbettler vorbei. An den Straßenecken besaßen sie ihre gesicherten Stationen, die erblich sind, und vom Vater auf den Sohn, von der Mutter auf die Tochter fortgehen. 2 Das Lärmen der Straße, das Hämmern und Sägen und Zischen der Handwerksbetriebe übertönte das Jammergeschrei der Schweine, das Stöhnen der Schafe und Kälber, die man alle auf offener Straße schlachtet und zurecht macht. In den zumeist ungepflasterten Straßen kam man kaum voran, wurde doch aller nur denkbare und undenkbare Abfall und Unrath ungescheut vor den Häusern ausgeschüttet, der an manchen Stellen, selbst mitten in der Stadt oft hügelhoch angewachsen. In der Straßenmitte wurde ein Bach durch eine gemauerte Rinne geleitet, die Cloake der ganzen Nachbarschaft, an den Hauswänden ließ man zu allen Tageszeiten die Küchencascaden, vulgo Spülsteine, in allen Höhen vom Boden ihre Brühe auf das Plaster plätschern, und zwar ganz schonungslos gegen die Vorübergehenden. 3 Die Colonia Claudia Ara Agrippinensum hatte schon bessere Zeiten gesehen.

Die wirtschaftliche Schlagader der Stadt pulsierte seit der Antike am Hafen. Dort lagen die Artikel von tausend und tausend Rubriken; die Zukkerfässer, die Kaffeeballen, die Kästhürme, die Tücher, die Hölzer und Produkte des Nordens! – Das ist ein Gewirr, eine Geschäftigkeit, ein Ueberfluß über alle Begriffe. Hier knarren die ächzenden Krahnen, dort krachen die rollenden Lastwägen, hier klirren die Ketten, dort girksen die beladenen Kasten und Pakfässer. 4 Gelöscht wurden die Waren von zwei steinernen Krähnen, die ihre riesigen Schnäbel in die Luft streckten; langsam dreht sich knarrend und stöhnend das große Gangrad, von Menschen, den so genannten "Eichhörnchen" getreten. 5

Auch Wildhäute aus dem fernen Südamerika wurden hier gelöscht und in die Commissions- u. Speditionshandlung der Witwe Maria Sibilla Schaaffhausen geb. Knaben am Mühlenbach 4 gebracht. Wie Johanna Schopenhauer zeitgleich auf ihrer Europareise in Brabant beobachtete, war die kaufmännische Tätigkeit von Frauen in katholischen Handelsstädten damals keine Seltenheit. Die Schaaffhausens – der Name wird auf dem langen Dop-pel-A beto

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