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Henriette oder die schöne Sängerin Eine Geschichte unserer Tage von Rellstab, Ludwig (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 04.09.2015
  • Verlag: e-artnow
eBook (ePUB)
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Henriette oder die schöne Sängerin

Dieses eBook: 'Henriette oder die schöne Sängerin' ist mit einem detaillierten und dynamischen Inhaltsverzeichnis versehen und wurde sorgfältig korrekturgelesen. Ludwig Rellstab (1799-1860) war ein deutscher Journalist, Musikkritiker und Dichter. Zeitweilig benutzte er das Pseudonym Freimund Zuschauer. Mit seinem Roman Henriette oder die schöne Sängerin debütierte Rellstab 1826 auch als Schriftsteller. In diesem Werk verarbeitete er auf satirische Weise die Karriere der Sängerin Henriette Sontag. Da er dabei aber auch den britischen Gesandten in Berlin verspottete, wurde dieses Buch zum Politikum, was Rellstab mit zwölf Wochen Festungshaft auf der Spandauer Zitadelle büßen musste. Aus dem Buch: 'Einige Augenblicke herrschte ein leises Schweigen. Werner stand auf und ging im Zimmer auf und nieder, wie wenn er mit einem großen Entschluß kämpfte. Endlich trat er wieder zu Henrietten. Sie trocknete mit ihrem Tuch die Thränen, und sah ihn, so freundlich sie vermochte, an. 'Nun wissen Sie Alles; lassen wir das nun ruhen. Ist es nicht thöricht, daß wir einen so seltenen, vertraulichen Abend so trüben Betrachtungen widmen wollen? Sie hätten mir etwas vorlesen, oder mit mir Musik machen sollen. Ich habe manches, was ich sehr liebe, vielleicht seit Jahren nicht gesungen. Doch Sie sehen ja gar so ernst aus? Was ist Ihnen?''Henriette,' sprach Werner mit tief bewegter Stimme, 'ich könnte Ihnen noch einen Ausweg zeigen, der Sie einem Stande entnähme, den Sie, wie ich überzeugt bin, nicht um seinetwillen erwählt haben. Ich weiß Jemand, der für Ihre Geschwister sorgen könnte, und Ihnen, wenn auch nur einen eingeschränkten, doch sicheren, ruhigen, der Weiblichkeit ganz angemessenen Wirkungskreis zu bieten vermöchte.' Henriette sah ihn ahnend an; sein Händedruck wurde stärker; sie neigte sich ihm sanft entgegen; er rief heftig: 'Wollen Sie die Meine seyn?' und sie sank an sein Herz.'

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 122
    Erscheinungsdatum: 04.09.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9788026843948
    Verlag: e-artnow
    Größe: 523 kBytes
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Henriette oder die schöne Sängerin

3. Kabale und Liebe.

Inhaltsverzeichnis
Wir machen einen Morgenbesuch bei der schönen Caroline, die als erste Sängerin bisher der Liebling der Residenz gewesen war. Mein Gott, in welchem Zustande treffen wir die Unglückliche an! In Thränen aufgelöst, das schöne Gesicht in ihr Tuch verbergend liegt sie matt auf der Chaiselongue und scheint mehr von ihrem Kummer zu träumen als darüber zu denken. Ein reizender Anblick, wenn er nur nicht so schmerzlich wäre. Wer pocht? Es ist Auguste, Carolinens Freundin, die erste Liebhaberin des Theaters. "Guten Morgen, geliebteste Freundin," ruft sie mit ihrer bezaubernden Stimme - "aber ums Himmels willen, was ist Dir? Was hast Du? Du bist ja ganz entstellt?"

Caroline. Wie Auguste, du fragst noch? Du heuchelst selbst eine ruhige heitere Miene? Geh, Geh! Was sollen wir uns gegen einander verstellen. Glaubst Du, ich halte Deine Heiterkeit für natürlich?

Auguste. Aber meine liebe Caroline, was sollte mir denn fehlen, ich bin so vergnügt. -

Caroline. "Ich bin ja so selig, so glücklich, so fröhlich!" O Du falsche Freundin! Man sieht, daß Du eine Schauspielerin bist. Ach ich bin freilich nur eine Sängerin, die bringen es nicht so weit in der Verstellungskunst.

Auguste. Liebe, ich begreift Dich nicht.

Caroline. Das ist mir zu arg. Nein für so falsch, so ohne Zutrauen gegen deine beste Freundin, hatte ich Dich nicht gehalten. - Riegle die Thür zu, daß uns niemand hören kann. - Auguste, willst! Du mich wirklich glauben machen, der gestrige Abend brächte Dich nicht aus Deinem Gleichmuth?

Auguste. Ach Du meinst den Triumph der kleinen Sängerin, die, wie heißt sie doch gleich, Henriette, glaube ich. Was thut das mir? Wir haben so verschiedene Fächer . -

Caroline. Aber ihr habt nicht so verschiedene Liebhaber. Glaubst Du, daß Dir die Deinigen treu sind? - Ha, hab ich den reizbaren Fleck getroffen? Sieh wie Du roth und blaß wirst. Auguste, komm an meine Brust, sey offen gegen mich; wir wollen unsern Herzenskummer gegen einander ausschütten. Ich bin in Verzweiflung (Sie weint.)

Auguste. Ja Caroline, ich muss gestehen, auch ich habe Erfahrungen gemacht. O wir unglücklichen Frauen! O, die falschen leichtsinnigen Männer!

Caroline. So gefällst Du. mir, so bist Du meine Leidensgefährtin. Laß uns gegenseitig alles erzählen, und dann überlegen, was zu thun ist. Schon vorgestern, stell Dir vor, kam kein einziger meiner täglichen Verehrer zu mir. Alle waren sie in die Probe gegangen, wo die Henriette zum erstenmal sang.

Auguste. Ach, mein Leiden fing schon einen Tag früher an. Denke Dir, ich spiele die Julie. In den Sperrsitzen sehe ich meine alten treuen Verehrer, die Räthe, Wicke und Hemmstoff und den Abbe. Sie wenden kein Auge von mir. Jede meiner Bewegungen, ich machte den stummen Knaben, wurde beklatscht. Aber im zweiten Akt, was geschieht? Das Gerücht verbreitet sich, die neue Sängerin sey angekommen, sie sitze oben im ersten Rang. Von dem Augenblick an sind alle Perspective, die bis dahin auf mich gezielt hatten, nach der Loge gerichtet. Kein Mensch achtet mehr auf mich, und die größten Effecte meiner Rolle gingen unbeachtet vorüber. Ich war außer mir!

Caroline. Nun höre mein Schicksal. Vorgestern, wie gesagt, kam niemand. Aber gestern! Schon um Eilf ließ sich der Major Longtrain bei mir melden. Ich empfing ihn mit den Worten: Schon so früh Herr Major? Ein recht willkommenes unverhofftes Ereigniß. Ich vermuthete Sie erst um Zwölf! O meine schöne Caroline, erwiderte er, wer kann die Zeit erwarten, zu Ihnen zu kommen. Apropos, werden Sie heut im Theater seyn? Die neue Sängerin ist ganz bezaubernd.

Auguste. Wie, das sprach er so rasch hinter einander fort?

Caroline. Das war eben mein Aerger! Ich merkte ihm auch an, daß er zerstreut war, und endlich bricht er gar schon nach einer

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