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Herzblut von Stratz, Rudolf (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 26.07.2016
  • Verlag: e-artnow
eBook (ePUB)
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Herzblut

Dieses eBook: 'Herzblut' ist mit einem detaillierten und dynamischen Inhaltsverzeichnis versehen und wurde sorgfältig korrekturgelesen. Aus dem Buch: '...Nun bitte aber deutlich, Herr Hauptmann! Meine Geduld ist zu Ende!' 'Meine auch!' Der Hauptmann Ansold hatte bis. her langsam und bedächtig überlegt gesprochen. Jetzt, wo die Hitze über ihn kam, konnte er die Worte nicht mehr wählen - er stieß sie abgebrochen, beinahe stotternd heraus: 'Wenn meine Frau von mir, weil sie sich so unglücklich fühlte, fortgegangen wäre, zu einem guten, ehrenhaften, anständigen Mann - ich liebe sie immer noch, in meiner Art - aber gerade darum hätte ich mich schließlich fügen müssen und Ja und Amen gesagt. Aber daß da einer daherkommt wie Sie und sie mit allem Vorbedacht toll macht und dann hier in Berlin aufs Pflaster schmeißt und denkt, so - nun könn' er ruhig seiner Wege gehen und anderswo von vorn anfangen - ne, Herr von Wölsick - ne - ne - so lasse ich mich nicht abspeisen ... ich bin Offizier ...' Rudolf Stratz (1864-1936) war ein erfolgreicher Romanschriftsteller, Theaterkritiker und Essayist.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 236
    Erscheinungsdatum: 26.07.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9788026867067
    Verlag: e-artnow
    Größe: 910 kBytes
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Herzblut

II

Inhaltsverzeichnis
Jakobes Brief erreichte den Hauptmann Ansold am Abend des dritten Manövertags, als er in einem kleinen verregneten märkischen Nest mit seinem Freunde, einem anderen Kompaniechef, in einem kahlen Stübchen zusammen saß, fror, rauchte, auf die Quartiermacher schimpfte und nach der Uhr sah, ob das Gepäck denn noch nicht käme und man sich endlich menschlich machen und zum Essen gehen könne. Draußen dämmerte es. Der ewige Gleichschritt immer neu einrückender Truppenteile dröhnte auf dem nassen Pflaster, Batterien rasselten und schüttelten langsam vorbei, irgendwo in der Nähe putzten Regimentsmusiker ihre feucht gewordenen Blechinstrumente und entlockten ihnen sonderbare, kurze, heulende Probetöne, der Bursche war verschwunden, um die Pferde Gott weiß wo unterzubringen, und Leopold Ansold, der sonst während des Manövers immer in besonders guter Laune war, ging unwirsch im Zimmer auf und nieder, und sein Gefährte, der Häuptling der Sechsten, gähnte nur, weil er zu faul war, zu reden, und sich außerdem Mittags wütend über den Major geärgert hatte. Eine Weile schwiegen beide und horchten mißgestimmt auf das Prasseln der Regentropfen, die der Herbstwind gegen die Scheiben trieb, und dabei hellte sich das Gesicht des Hauptmanns Ansold ein wenig auf. Da nahte der Feldwebel - das war doch etwas - nun kam die Geschichte allmählich in Gang, und er nickte dem Eintretenden freundlicher als sonst zu und warf einen Blick auf die Dienstsachen, die jener brachte, und auf einen Brief mit den Schriftzügen seiner Frau, der obenauf lag, und öffnete den zerstreut. Eigentlich hätte er es lieber nachher getan - die militärischen Angelegenheiten gingen vor - er wollte auch nur dem Feldwebel Zeit lassen, seinen abgebrochenen Bleistift wieder zu spitzen - und dann sagte er plötzlich dumpf vor sich hin: "Wa - was?" und ließ die Hand mit dem Schreiben sinken und stand da und rührte sich nicht mehr.

Sein Untergebener wagte nicht, ihn anzureden. Endlich begann er doch: "Herr Hauptmann, der Herr Stabsarzt sagt, das sei gar kein Knöchelbruch, womit der Einjährige Funk sich dicke täte, sondern einfach 'ne Sehnenzerrung und ..." aber da verstummte er schon wieder, so sonderbar geistesabwesend sah ihn sein Kompaniechef an und so wunderlich murmelte er: "So .. so .. der Funk ... schön ... gehen Sie nur wieder, Krause, mit allen Ihren Wischen!" und kaum war der Feldwebel aus dem Zimmer, so schnallte der Hauptmann sich seinen Säbel um, stülpte den Helm auf, fuhr in die feuchten Handschuhe, den feuchten Mantel, und stürzte davon, quer über die Straßen, in der Dunkelheit fast rennend, zu der Wohnung des Obersten, der ihn bei seinem Eintritt erstaunt frug: "Na - was ist denn los? Brennt's bei Ihnen, Ansold?"

"Herr Oberst - ich muß auf der Stelle nach Berlin!"

"Ja - warum denn?"

Und der andere stieß hervor: "Meine Frau ist auf einmal dort und will nicht wieder zu mir! Ich verstehe das einfach nicht ... verzeihen Herr Oberst ... ich bin wie vor den Kopf gehauen ... ich ..."

Ihm fehlten die Worte. Er schaute verwirrt seinem Vorgesetzten ins Gesicht und schämte sich plötzlich, daß er das alles gesagt habe. Auch der Oberst blieb einen Augenblick still, in raschen und sehr ärgerlichen Gedanken. Wäre er doch lieber im Sommer dem Rat seiner Frau gefolgt, daß für das Ehepaar Ansold eine gründliche Lüftung - eine Versetzung an die Weichsel oder die Vogesen, das gesündeste sei! Und er hatte immer wieder gezaudert und sich zu dem Bericht an höherem Ort nicht entschließen können. Nun hatte er den Lohn seiner Vogelstrauß-Politik.

Und der große schwere Hauptmann ihm gegenüber, den er ja freilich nie für den Klügsten gehalten, wiederholte ganz mechanisch: "Ich begreife gar nicht, wie so was möglich ist ... ich fürchte, meine Frau hat den Verstand verloren!"

Da nahm ihn der Oberst an der Hand und ließ ihn neben sich auf das Sofa sitzen und sprach mit ihm, halblaut und eindringl

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