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Herzens-Geschichten einer baltischen Edelfrau (Autobiographischer Roman) von Recke, Elisa von der (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 08.09.2015
  • Verlag: e-artnow
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Herzens-Geschichten einer baltischen Edelfrau (Autobiographischer Roman)

Dieses eBook: 'Herzens-Geschichten einer baltischen Edelfrau (Autobiographischer Roman)' ist mit einem detaillierten und dynamischen Inhaltsverzeichnis versehen und wurde sorgfältig korrekturgelesen. Elisabeth von der Recke (1754-1833) war eine deutschbaltische Dichterin, Schriftstellerin und Kirchenlieddichterin. Ihr Werk besteht hauptsächlich aus pietistisch-empfindsamen Gedichten, Tagebüchern und Memoiren. Aus dem Buch: 'Auf mich machten die Sterbefälle meiner liebsten Verwandten einen tiefen Eindruck, den ich umso lebhafter fühlte, weil durch die Flucht des schönen Constanzchens die ersten Monate eine nicht gewohnte Stille im Hause meiner Großmutter herrschte. Die Jahreszeit, wo diese auf dem Lande lebte, war da; aber Nachbarn und Fremde blieben weg, weil der Humor der sonst so fröhlichen Frau durch die Entfernung ihres Lieblings gelitten hatte und heitere Geselligkeit auf einige Zeit von ihr gewichen war. Sie liebte diese Enkelin über alles, sehnte sich nach ihrem unterhaltenden Geiste. Aber ihre Begriffe von beleidigter Mutterwürde gaben ihr die Festigkeit, das Kind nicht wieder sehen zu wollen, welches ihr Vertrauen, ihre Liebe so beleidigt hatte.'

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 325
    Erscheinungsdatum: 08.09.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9788026844334
    Verlag: e-artnow
    Größe: 737 kBytes
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Herzens-Geschichten einer baltischen Edelfrau (Autobiographischer Roman)

Erstes Kapitel

Inhaltsverzeichnis

Geschichte der Großeltern

Anmerkung . Die Verfasserin verbürgt sich in der 1795 geschriebenen Einleitung zu ihrer Selbstbiographie mit folgenden Worten für deren Richtigkeit: "Da diese Blätter erst nach meinem Tode und nach dem Tode aller derer, die hier genannt sind, öffentlich bekannt werden sollen, so werde ich über andere ebenso wahr als über mich selbst urteilen und meine Erfahrungen so treu darzustellen suchen, als sie noch meiner Seele vorschweben." E.

Etwas von meinen Großeltern, als Skizze alter kurländischer Sitten, die noch aus dem siebenzehnten Jahrhundert in das achtzehnte hinüberkamen.

Meine Großmutter mütterlicher Seite hat auf mein ganzes Schicksal zu großen Einfluß gehabt, als daß ich nicht bis zur Geschichte ihrer Heirat zurückgehen sollte. Diese wird es erklären, wie natürlich es war, daß die Frau von Kindern und Enkeln unbedingten Gehorsam forderte, da sie ihrem Vater den allerstrengsten geleistet hatte.

Mein Großvater, der reiche Starost Korff, faßte erst in seinem vierundvierzigsten Jahre den Entschluß, zu heiraten. Schön und sanft sollte die künftige Gefährtin seines Lebens sein. Er hatte gehört, daß einer seiner guten Bekannten, der Herr von Ganskau und Graventhal, schöne Töchter haben solle, und so kündigte er diesem, da sie zum Johannistermin 3 in Mitau beisammen waren, seinen Besuch nach geendigten Geschäften in Graventhal mit dem Ausdrucke an, daß er, falls ihm eine seiner Töchter gefiele, diese heiraten wolle, ohne einen Heller Mitgift zu nehmen.

Herr von Ganskau ritt hocherfreut mit dieser glücklichen Aussicht heim, teilte sie seiner Frau und seinen Töchtern mit und lud zu dem bevorstehenden Besuche auch noch ein paar alte Tanten ein. Alles war in Graventhal voll Erwartung und der schönen Aussicht voll, mit dem reichen Starosten Korff in nahe Verbindung zu kommen. Am buntesten ging es in den Köpfen und Herzen der schönen Fräuleins her. Jede von diesen nährte Wünsche und Hoffnungen, machte schöne Pläne, wie sie als reiche Starostin Korff leben, sich ihres Glückes freuen wolle. Der Tag erscheint, wo der gewünschte Gast eintreffen soll; die schönen Fräuleins schmücken sich aufs beste; alles im Hause wird zierlich angeordnet, Eltern, alte Tanten und sogar das ganze Hausgesinde setzen sich in Feierkleider. -

Mein Großvater, von dessen originellem Charakter ich viele interessante Züge gehört habe, hat für seine Person sehr einfach gelebt. Bis zum Schlusse seiner Tage soll er, so prachtvoll es auch in seinem Hause zugegangen ist, für sich immer nur einen einzigen, sehr einfachen Rock, einen Diener, einen Kutscher und nur zwei Pferde gehabt haben. So ist er auch bis in sein hohes Alter nie anders, als in einer zweispännigen, mit Matten behangenen Kübitte 4 gefahren. In solchem prunklosen Aufzuge wollte er sich auch seine Frau holen. An einem heißen Julitage unternahm er die Reise von Mitau nach Graventhal. In der Zeit wurde in Kurland, sowohl in der Stadt als auf dem Lande nach der Mittagsmahlzeit zwischen der dritten und vierten Mittagsstunde im häuslichen Familienkreise Kaffee getrunken, und dann hatte jedes Familienglied das Recht mitzusprechen. Gerade zu solch einer festlichen Stunde wollte mein Großvater in Graventhal eintreffen, um alle die Schönen besser in Augenschein nehmen zu können.

Da Graventhal acht oder neun Meilen von Mitau entfernt ist und mein Großvater solche Reisen gerne in einem Tage machte, so mußte er nicht nur sehr früh ausfahren, sondern sogar, was ihm viel beschwerlicher war, in der brennenden Sonnenhitze die Reise fortsetzen, um seine Absicht zu erreichen. Ein Grundsatz dieses Sonderlings soll gewesen sein, sich nie Zwang anzutun, sobald kein andrer darunter litte, wenn er sich gütlich täte. Da ihn also die brennende Hitze in seiner Kübitte zu sehr plagte, entschloß er sich, in dieser dergestalt zu liegen, w

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