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Ich übe das Sterben Ein schwaches Herz, ein starker Wille und jeden Tag ein neuer Sieg von Liebing, Gritt (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 21.12.2010
  • Verlag: Bastei Lübbe AG
eBook (ePUB)
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Ich übe das Sterben

Vor etwa zehn Jahren spürt Gritt Liebing zum ersten Mal, dass etwas nicht stimmt. Die Ärzte diagnostizieren ein medizinisch nicht ungewöhnliches Vorhofflimmern und beruhigen die damals 33-Jährige. Doch in den Folgemonaten verliert sie immer wieder das Bewusstsein. Erst spät wird die wahre Ursache erkannt. Ihre einzige Überlebenschance ist ein implantierter Defibrillator. Er hat ihr schon über 150 Mal das Leben gerettet. Obwohl sie dem Tod so nah ist, ist Gritt Liebings Lebensfreude ungetrübt. Jeden Tag kämpft sie gegen ihre Krankheit an, indem sie versucht, ein möglichst normales Leben zu führen. Ihre Liebe zu Tieren begleitet sie wie ihre sportlichen Träume: die Teilnahme an einem Ironman und dem Transalpine-Run, einem Wettlauf über die Alpen. Die ermutigende Geschichte einer todkranken Frau, die sich nicht unterkriegen lässt und jeden Tag ihres Lebens in vollen Zügen genießt

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 253
    Erscheinungsdatum: 21.12.2010
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783838707020
    Verlag: Bastei Lübbe AG
    Größe: 1280 kBytes
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Ich übe das Sterben

" Von Kliniken und Ärzten (S. 139-140)

Es ist so weit: Och ist eingetroffen. Ich bekomme das Gerät mit der Seriennummer 186, eines der ersten Geräte, die weltweit implantiert werden. Ich bin stolz, dass ich dieses Privileg habe. So, wie andere Menschen auf einen neuen Computer oder ein topaktuelles Mobiltelefon warten, habe ich auf den Teligen gewartet. Ein kleines Wunderwerk der Technik – und noch so wunderbar lebensrettend dazu.

Mich fasziniert die Technik des Defibrillators immer wieder, obwohl mein technisches Verständnis nicht allzu groß ist. Die Mitarbeiter von Boston Scientific, von denen ich in den letzten Jahren einige kennengelernt habe, erklären mir die technischen Details und beantworten alle meine Fragen. Es ist gut, viel über den Defibrillator zu wissen, denn das gibt mir das Gefühl von Sicherheit. Schließlich vertraue ich der kleinen Metallkiste mein Leben an.

Ted und Bob haben in den letzten Jahren perfekt gearbeitet, und ich habe keine Zweifel, dass auch Och seine Arbeit einwandfrei machen wird. Als ich Ende Februar die Kerckhoff-Klinik betrete, ist es, als ob ich nach einer langen Reise wieder nach Hause komme. Obwohl mir die Umgebung so vertraut ist, ist meine Kehle wie zugeschnürt. Vor der Operation finden die üblichen Untersuchungen und Vorbereitungen statt. Glücklicherweise kenne ich auch den Chirurgen bereits.

Es ist ein beruhigendes Gefühl, mein Leben in die Hände eines Menschen zu legen, der mir nicht fremd ist. Die Operation ist auf den frühen Morgen angesetzt worden, aber der Termin kann nicht eingehalten werden. Um neun Uhr werde ich ein wenig ungeduldig, um elf Uhr habe ich Hunger, um zwölf Uhr bekomme ich Kopfschmerzen, und als ich gegen dreizehn Uhr endlich in Richtung Operationsbereich laufe, ist mir eiskalt, und ich bin nervös und schlecht gelaunt. Aber das freundliche Team im Operationsbereich nimmt mir mit einer Wärmedecke die Kälte, mit ein paar lustigen Sprüchen die schlechte Laune, und auch die Nervosität lässt spürbar nach.

Ich schlummere weg. Ich friere unter meinen zwei Decken und möchte gerne aufstehen, weil ich auf die Toilette muss. Meine Sicht ist verschwommen, weil ich keine Kontaktlinsen trage und meine Brille vergessen habe. Ich bin in einer Art Dämmerzustand und wäre gerne wach. Alles in allem bin ich ein jämmerliches, jammerndes Häufchen auf der Wachstation. Auch wenn ich diese schwierige Situation bereits kenne, weil mir die Narkose fast immer heftig aufs Gemüt schlägt, ist es einfach nur schrecklich für mich.

Ich habe das Gefühl, als sei ich nicht Herr meiner Sinne, erlitte eine Art Kontrollverlust. Und das zieht mich dann noch weiter runter. Meine Stimmung bessert sich, als mein Chirurg mir Bob zur Erinnerung in die Hand drückt. Der Arzt erzählt mir, dass es während meiner Operation zugegangen sei wie auf dem Schlachthof, weil meine Blutungen extrem und schlecht zu stoppen gewesen seien. Aus diesem Grund rät er mir, meine Blutgerinnung kontrollieren zu lassen. Obwohl ich noch nicht ganz wach bin, behalte ich seine Worte im Hinterkopf."

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