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Ich wähle die Freiheit Wie ich Zwangsehe und Unterdrückung überlebte und neue Hoffnung fand von Saeed, Chalat (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 13.06.2019
  • Verlag: adeo
eBook (ePUB)
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Ich wähle die Freiheit

Wenn vom Irak die Rede ist, geht es um Krieg, um Islamismus, Terror und Hass. Es scheint so, als gäbe es dort nur Männer. Die Frauen sind unsichtbar. Frauenrechte gibt es nicht. Frauen sind nicht etwa Bürger zweiter Klasse - nein, sie sind nicht besser gestellt als Haustiere. Auch Chalat Saeed war eine dieser unsichtbaren und unterdrückten Frauen. Mit 10 Jahren nahmen ihre Brüder sie aus der Schule, mit 14 wurde sie mit einem deutlich älteren Mann verheiratet, einem radikalen Muslim mit Verbindungen zum IS, der sie einsperrte und misshandelte. Sich von ihm zu trennen war undenkbar, schon weil er dann das Sorgerecht für die gemeinsamen Kinder bekommen hätte. Doch die ganze Zeit ahnte Chalat, dass es ein anderes Leben geben muss, eines, in dem Frauen frei sind, ihre Träume zu verwirklichen. Und dass es einem Gott geben muss, in dessen Namen nicht zu Gewalt gegen Frauen und zum Terror aufgerufen wird. Und dann, eines Tages, eröffnet sich unverhofft ein Weg in dieses andere Leben ... Dies ist ihre Geschichte. Chalat Saeed, geboren 1981 im Irak. Als 14-Jährige wurde sie mit einem deutlich älteren, radikalen Muslim zwangsverheiratet, der Verbindungen zum IS hatte. 2015 kam sie mit ihrem Mann nach Deutschland und die Ehe wurde wegen häuslicher Gewalt geschieden. Sie ist Mutter von vier Kindern und arbeitet als Näherin in Duisburg.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 304
    Erscheinungsdatum: 13.06.2019
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783863348069
    Verlag: adeo
    Größe: 6330 kBytes
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Ich wähle die Freiheit

Ein Neuanfang

Ich werde Ihnen eine Geschichte erzählen. Die Geschichte einer Frau, die leiden muss. Die Geschichte einer Frau, die kämpft. Die Geschichte einer Frau, die glaubt. An sich, an den Vater, am Ende an Gott. Beginnen soll meine Geschichte damit, dass ein deutscher Mann an unserer Tür klingelte.

Als ich ihm die Tür aufmachte, sagte er: "Sie dürfen nicht einfach öffnen, Frau Saeed. Fragen Sie immer erst, wer dort ist."

"Gut", sagte ich.

"Verstanden", sagte Nigin, meine Tochter.

"Ihr Mann ist jetzt unten im Büro", sagte der Mann. "Der Sozialarbeiter sucht einen Platz für ihn in einem Camp. Dann wird die Polizei ihn dorthin bringen."

"Er wird nicht wiederkommen?"

"Nein, wenn Sie es nicht wollen, wird er nicht wiederkommen."

"Er wird wiederkommen! Ich kenne ihn."

"Der Hausmeister wird gleich kommen und ein Sicherheitsschloss anbringen."

"Er kennt den Hausmeister", sagte ich misstrauisch.

"Dieser Hausmeister mag keine kurdischen Männer." Er lachte. "Ich kenne den Hausmeister besser."

"Wollen Sie nicht hereinkommen?", fragte ich.

"Ihr Mann kommt nicht wieder. Sie brauchen keine Angst mehr zu haben, Frau Saeed."

"Ja, kommen Sie bitte herein", sagte Nigin.

Dann saßen wir an unserem Tisch in der Diele. Vor einer Stunde noch war mein Mann hier gewesen. Er hatte Nigin heftig ins Gesicht geschlagen und mich an den Haaren durch die Wohnung gezogen. Nur Niga schlägt er nicht, weil er denkt, dass sie als Einzige fromm ist.

"Ich bringe euch in den Irak zurück!", hatte er geschrien.

Nigin hatte sich auf der Toilette eingeschlossen und den deutschen Mann angerufen. Mein Mann hat gegen die Tür gehämmert. "Du Schlampe, komm raus!", hat er gebrüllt. "Du wirst dieses Kopftuch tragen!"

"Nein!", hat sie gerufen. "Ich trage das Kopftuch nicht!"

"Ich werde dich einsperren, wenn ich dich noch einmal ohne Kopftuch sehe."

"Dann schreie ich und dann werden Leute kommen. Du kannst mich nicht zwingen, das Kopftuch zu tragen!"

"Ich bringe euch in den Irak zurück!", hat er geschrien. "Schlampe, du wirst sehen, was dir dort passiert!"

Ich weiß nicht, wie lange es gedauert hat. Ich hatte Angst, dass Nigin vielleicht auf der Toilette keinen Empfang für ihr Handy hatte. Ich hatte Angst, dass er die Tür eintreten würde. Ich hatte Angst um sie, nicht um mich.

Mit einem Mal war er wieder ruhig. Dann war es, als wäre er plötzlich ein anderer Mensch geworden. Aber er konnte sofort wieder wütend werden, wenn ihn etwas störte. Er war unberechenbar. Das war das Schlimmste an ihm.

Die Polizisten klingelten nicht, weil der Hausmeister ihnen die Tür geöffnet hatte. Dann standen sie - ein Mann und eine Frau - in der Wohnung. Außerdem der Hausmeister, der Sozialarbeiter und der deutsche Mann.

"Was ist vorgefallen?", fragte der Polizist.

"Nichts", sagte mein Mann.

"Er schlägt meine Mutter und mich", sagte Nigin.

Der Polizist sah seine Kollegin an. Er wusste nicht, was er tun sollte.

"Schlägt er ihre andere Tochter auch?", fragte die Polizistin.

"Nein", sagte ich.

Dann ging die Polizistin mit Niga in ein Zimmer. Dort blieben sie eine lange Zeit. Es war ruhig, weil mein Mann still war. Die Männer sahen ihn an, er schaute auf den Boden.

Ich hatte eine solche Freude in mir! Endlich hatte ich Hilfe bekommen! Ich kam mir vor wie in einem Traum. Was konnte ich für die Männer und die Frau Gutes tun? Sollte ich ihnen Tee machen und Gebäck bringen? Aber der deutsche Mann sah mich streng an und kniff die Augen zusammen. Weil ich unsicher war, tat ich nichts.

Als die Polizistin aus dem Zimmer kam, sagte sie zu ihrem Kollegen: "Wir nehmen den Mann mit."

Ich hätte schreien können vor Freude. Nigin stieß mich von der Seite an. Ich weiß nicht - es kann sein, dass ich tatsächlich geschrien habe. Ich kann mich nicht mehr erinnern. W

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