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Ich war nie, wie ich hätte sein sollen von Adams, Werner (eBook)

  • Erschienen: 26.08.2014
  • Verlag: Verlag Johannes Petri
eBook (ePUB)
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Ich war nie, wie ich hätte sein sollen

Von der Tragik, an sich selbst und der Welt zu zerbrechen Kurz vor Weihnachten 1851 wird Daniel Müller in die Heil- und Pflegeanstalt Illenau eingeliefert. Der 34jährige Vater von vier Kindern hofft, dort von seinen übersteigerten Schuldgefühlen, seinen Panikattacken und Wahnvorstellungen geheilt zu werden. Er wird die Anstalt nie mehr verlassen. Wie hat es soweit kommen können? Aus welchen Gründen fühlte sich Daniel von den Menschen verfolgt und von Gott verlassen? Was war ihm widerfahren, dass ihm als letzter Ausweg nur noch die Flucht aus der Realität blieb? Der Autor, ein Nachfahre Daniel Müllers, hat die in Archiven vollständig erhaltenen Patientenakten und Briefe seines Ururgrossvaters sorgfältig ausgewertet. Er entdeckte einen verunsicherten jungen Mann, den eine romantische Liebe zu einem Jugendfreund ein Leben lang traumatisiert; der in fataler Selbstüberschätzung finanzielle Risiken eingeht, die ihn in den Konkurs treiben; der nach Amerika fliehen will, aber auch dabei grandios scheitert; und der letztendlich an der Schuld zerbricht, seine Familie mit ins Unglück gezogen zu haben. Lebendig, eindringlich und dennoch behutsam lässt der biografische Roman dieses Leben aus den historischen Dokumenten auferstehen. Es gelingt ein authentisches Zeugnis eines tragischen Einzelschicksals in einer Gesellschaft, in der Andersartigkeit keinen Platz findet. Gleichzeitig wird ein differenzierter Einblick in den Alltag einer modernen psychiatrischen Klinik zur Mitte des 19. Jahrhunderts gegeben.

Werner Adams, 1944 in Zürich geboren und im Kanton Bern lebend, war Personalleiter in verschiedenen Industrieunternehmen. Seit Jahren beschäftigt er sich mit Familiengeschichtsforschung. Als Präsident der Genealogisch-Heraldischen Gesellschaft Zürich hat er 2012 zusammen mit weiteren Autoren eine Sammlung von Kurzgeschichten unter dem Titel "Fenster in die Vergangenheit - Genealogie als Inspiration" herausgegeben.

Produktinformationen

    Größe: 4071kBytes
    Herausgeber: Verlag Johannes Petri
    Untertitel: Ein Lebensschicksal aus den Anfängen der Psychiatrie.
    Sprache: Deutsch
    Seitenanzahl: 224
    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Unterstützte Lesegerätegruppen: PC/MAC/eReader/Tablet
    ISBN: 9783037840498
    Erschienen: 26.08.2014
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Ich war nie, wie ich hätte sein sollen

Illenau, 1852

Der Herbst stand ins Land. Bald würde sich sein Eintritt als Pflegling in die Irrenanstalt Illenau zum ersten Mal jähren. Er hatte sich ja seinerzeit auf Anraten seines Arztes und von Direktor Bindschedler bereitwillig in die Obhut der hiesigen Ärzte begeben, da er auf Heilung seiner Seelenstörung gehofft hatte. Marie, seine Frau, hatte ihn nach einigem Zögern in diesem Entscheid unterstützt, da sie selber, aufgrund seiner nächtlichen Panikanfälle und schon lange andauernden trüben Stimmung, am Ende ihrer Kräfte gewesen war.

Wie freute sich da Daniel, als sie ihn im August, aus Anlass ihres 31. Geburtstags, zum ersten Mal besuchte. Sie trug ihr dunkelblondes Haar offen, weil er dies so liebte, und er sah wieder die blühende Frau vor sich, die er vor neun Jahren im Aargau kennengelernt und bald darauf geheiratet hatte.

Doch je länger er darüber nachdachte, argwöhnte er, ob die Gefühle, die sie ihm entgegenbrachte, wohl echt sein könnten. Innere Stimmen mahnten ihn, das sei alles nur Schein und Trug. Es könne doch gar keinen Grund geben, ihn zu lieben, ihm seine großen Verfehlungen nachzusehen, und er verfiel sehr schnell wieder dieser trüben Stimmung, die er nur allzu gut kannte und die seine Lebensfreude gänzlich zunichtemachte. Er verabschiedete sich überstürzt und sandte seine Frau zurück zu den Kindern nach Haagen, wobei er es vermied, ihre Zärtlichkeiten zu erwidern.

Diese schlechten Gedanken beschäftigten ihn auch in den folgenden Wochen. Als er einen Brief von seiner Frau erhielt und sich durchgerungen hatte, ihr darauf zu antworten, floss all sein Schmerz und all seine Verzweiflung über sein unerfülltes Leben mit der Tinte auf das Papier.

Liebe Frau! 3

Ich habe Deinen lieben Brief vom 7. ds. erhalten und mit Freuden daraus ersehen, dass Du glücklich zu unseren Kindern nach Hause gekommen bist und sie in bester Ordnung angetroffen hast, was mich herzlich freut, und hoffe und wünsche von Herzen, dass Euch Gott der Allmächtige auch ferner in seinen Schutz nehmen, Euch segnen und mit seiner väterlichen Liebe und Gnade bewachen werde. Recht freut es mich, dass Du Dir so gut zu helfen weißt und dass Dir Herr Bindschedler so zuvorkommend an die Hand geht, wofür ich ihm so herzlich als ergeben danke und bitte Dich ihm in allen Dingen zu gehorsamen, da er Dir besser als ich zu rathen und zu helfen weiß. Wenn Du daher den lieben Wilhelm, welchen Gott segnen und vor allem Bösen bewahren, nach Schinznach thust, so empfehle ihn doch ja recht der Fürsorge unserer Verwandten und grüße Sie recht herzlich von mir und danke ihnen auch in meinem Namen zum voraus für ihre gütige Aufnahme desselben.

Auch das liebe Lisettle und den lieben Otto empfehle ich besonders dem göttlichen Schutz und Segen und bitte Dich jedenfalls sehr zu bedenken, was Du mit dem lieben Lisettle anfängst - Berate Dich da jedenfalls und wie auch wegen des lieben Otto hauptsächlich mit Herrn Bindschedler und mit meiner Mutter und Verwandten. Denn wie Du ja, als Du hier warst, gesehen hast, so kann ich Dir weder helfen noch rathen, indem ich täglich tiefer sinke und ganz ohne alles Gefühl mehr lebe. Ich war nie, wie ich hätte seyn sollen, ich habe mich an allen Menschen versündigt mit denen ich in Berührung war, allein jetzt bin ich ganz verdorben, denn wie gesagt ich lebe ganz ohne alles Gefühl, ohne Glauben und ohne alles was den Menschen noch einen Menschen bestehen lassen kann, und ihm ein längeres Bestehen wünschenswerth machen kann, dies alles hast Du ja bei Deinem Hierseyn selbst gesehen, denn auch da kam nicht die frühere Liebe zu Dir in mein Herz, und mich freute es sehr, dass Du Dich so gut in die Umstände schicken konntest - darum handle nur ganz also ob ich nicht mehr existierte, denn ich sehe nicht vor, dass ich je wieder aufkommen werde, indem ich Dich doch nie wieder glücklich machen könnte, und nur in Schand und S

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