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Ich werde dich finden, mein Sohn Mein Kind wurde mir nach der Geburt weggenommen. Doch die Liebe zu ihm konnte mir keiner nehmen. von Schaefer, Carol (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 28.02.2019
  • Verlag: Bastei Lübbe AG
eBook (ePUB)
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Ich werde dich finden, mein Sohn

Als die Collegestudentin Carol im ersten Semester schwanger wird, gerät ihr Leben völlig aus den Fugen. Es ist das Jahr 1965, und ein uneheliches Kind gilt als Schande für die ganze Familie. Als ihr Freund sie trotz der Schwangerschaft nicht heiraten will, schicken Carols Eltern das Mädchen eilig in ein von katholischen Ordensschwestern geleitetes Heim für ledige Mütter. Und Carol - beschämt und verzweifelt - unterschreibt die Freigabe zur Adoption. Das Kind wird ihr gleich nach der Geburt weggenommen. Doch die junge Mutter kann ihren Sohn, den sie nur kurz in den Armen hielt, nicht vergessen. Sie liebt ihn, vermisst ihn - und zählt die Tage bis zu seinem 18. Geburtstag. Denn das ist der Zeitpunkt, an dem für Carol eine lange Suche beginnen soll ...

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 366
    Erscheinungsdatum: 28.02.2019
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783732558872
    Verlag: Bastei Lübbe AG
    Größe: 1977 kBytes
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Ich werde dich finden, mein Sohn

1

Es war das Jahr 1965.

Wir saßen auf den dunklen Holzstühlen vor dem Schreibtisch der Ordensschwester. Die Sonnenjalousien am großen Fenster hinter dem Schreibtisch waren fast ganz heruntergelassen. Das Licht warf ein Muster schmaler Streifen an die Zimmerdecke. Auf Schwester Dominics schwarze Tracht fiel es nicht. Meine Mutter, die rechts von mir saß, beugte sich vor, als wolle sie unser eifriges Bemühen zeigen, das Rechte zu tun, um uns von dieser Todsünde reinzuwaschen. Ich würde mit dem Einzug in ein Heim für ledige Mütter büßen. Die Absolution würde ich erhalten, nachdem ich mein Kind zur Adoption freigegeben hätte. Die Schwester erklärte mir, ich würde alles vergessen; es würde sein, als wäre es nie passiert.

Die Querleisten des Stuhls drückten sich hart in meinen Rücken, als ich mich haltsuchend zurücklehnte. Schwester Dominic saß meiner Mutter zugewandt. Mir zeigte sie buchstäblich die kalte Schulter. Keine der beiden Frauen betrachtete mich als eigenständiges, von der Mutter getrenntes Wesen. Ich war wie gelähmt, unfähig, für mich selbst einzustehen. Ich wünschte, meine Mutter würde das Zimmer verlassen. Ich wollte so gern mit der Schwester allein sprechen, sie fragen, ob es nicht eine Möglichkeit für mich gäbe, das Kind zu behalten; ob mir nicht jemand helfen könne, Mittel und Wege dazu zu finden.

Meine Mutter hatte diesen Termin beim katholischen Sozialdienst vereinbart, um meine Aufnahme im Seton House zu beantragen. Während wir draußen vor dem Büro Schwester Dominics gewartet hatten, hatte man uns ein Formular gebracht, das vor dem Gespräch ausgefüllt werden musste. Die meisten der Fragen hatte meine Mutter für mich beantwortet. Ich schaffte es nicht, mich zu widersetzen; schlimm genug, dass ich schwanger geworden war und die ganze Familie in Schwierigkeiten gestürzt hatte. Ich fürchtete, ihre Liebe zu verlieren. Meine Angst vor der Missbilligung der Kirche war nicht so groß wie die meiner Mutter. Aber meine Angst, verstoßen zu werden, war so stark, dass ich stillschweigend einwilligte, mein Kind zu verstoßen.

"Möchten Sie, dass das Kind im katholischen Glauben erzogen wird?"

"Aber ja, natürlich, Schwester", antwortete meine Mutter pflichteifrig.

"Und die Adoptiveltern sollen Akademiker sein?"

"Unbedingt." Endlich fand ich die Kraft, ein Wörtchen mitzureden.

"Wir werden selbstverständlich dafür sorgen, dass Ihr Kind in einer Familie gleichen ethnischen Ursprungs aufwächst", versicherte uns die Schwester. Mir wurde etwas unbehaglich dabei; wir kannten ja unsere Ursprünge gar nicht so genau. "Sie können sich darauf verlassen, dass wir ein Elternpaar mit gutem Einkommen aussuchen werden, das dem Kind alles bieten kann, was es braucht."

Und da der Vater des Kindes - Chris - und ich blaue Augen hatten, würden natürlich auch die Adoptiveltern blaue Augen haben, fuhr sie fort und blickte mit wohlwollendem Lächeln himmelwärts, als gäbe sie den Auftrag gleich an Gott persönlich weiter.

Die Adoptiveltern, sagte sie, würden Chris und mir in allen äußeren Merkmalen gleichen. Es würde dem Kind an nichts fehlen, auch wenn es nicht bei uns aufwachsen könne. Ja, der katholische Sozialdienst werde ein Elternpaar finden, das in der Lage sein werde, weit mehr für das Kind zu tun, als Chris und ich es je könnten. Uns beiden werde damit die Chance gegeben, unsere Ausbildung zu beenden und später, falls wir einmal heiraten sollten, eine ordentliche Familie zu gründen. Ohne Zweifel sei es für mich die beste - die einzige - Möglichkeit, das Kind zur Adoption freizugeben.

Am liebsten hätte ich meine Mutter aus dem Zimmer geschickt, um mit der Schwester allein sprechen zu können. Ich wollte wissen, was geschehen würde, wenn ich es mir doch noch anders überlegen sollte. Aber meine Mutter wich mir nicht von der Seite, und ich wagte nicht, sie wegzuschicken.

Wir unterzeichneten die Papiere, und damit war es erle

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